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Prozess

Senioren in den Keller gelockt

Erstellt 02.09.10, 07:00h

Drei Männer stehen seit Mittwoch wegen bandenmäßigen Diebstahls und wegen Computerbetrugs vor dem Landgericht. Mit dem „Wasserrohrtrick“ bestahlen sie ausschließlich ältere Menschen, in einem Fall eine blinde Hundertjährige.

Köln - Oft tragen sie einen Blaumann und haben einen Werkzeugkasten bei sich, wenn sie mit dem „Wasserrohrtrick“ unterwegs sind. Die Opfer sind oft ältere Menschen. So ist es auch in den Fällen, für die sich seit gestern zwei 27-Jährige und ein Komplize (24) vor dem Landgericht verantworten müssen. Angeklagt sind sie wegen schweren, zum Teil bandenmäßigen Diebstahls und wegen Computerbetrugs. Die Masche ist immer dieselbe: Die Täter behaupten, sie kämen vom Wasserwerk und müssten die Leitungen überprüfen. Während einer mit dem Hausbesitzer in den Keller geht, sucht der andere in der Wohnung nach Geld und Wertsachen.

Auch bei den Diebstählen, die die drei Angeklagten zwischen Juli und September 2009 in Rodenkirchen, Riehl, Weidenpesch und in Limburg verübt haben sollen, waren die Opfer ausschließlich ältere Menschen, in einem Fall eine blinde Hundertjährige. Das sie betreffende Verfahren sei allerdings eingestellt, sagte Oberstaatsanwalt Egbert Bülles. Meist kamen die Täter mit ihrer Masche durch und erbeuteten vierstellige Geldbeträge und wertvollen Schmuck. Auch fielen ihnen EC-Karten in die Finger, mit denen sie 1000 Euro abhoben.

Manche Senioren ließen sich allerdings nicht täuschen, etwa ein 76-Jähriger. Die Behauptung der Trickdiebe, sie müssten wegen Rohrarbeiten in der Nachbarschaft an seiner Wasseruhr den Druck überprüfen, verfing bei ihm nicht. Er wusste genau, dass das Gerät nur den Wasserverbrauch anzeigt. Als er den Männern widersprach, waren sie schnell wieder weg - ohne Beute.

Staatsanwalt spricht von

„bodenloser Sauerei“

Alle drei Angeklagten legten gestern Teilgeständnisse ab, in einigen Fällen boten sie datierte Fotos an, um zu beweisen, dass sie sich an den fraglichen Tagen nicht in Köln aufgehalten hätten. Einer von ihnen äußerte allerdings sein Bedauern, dass es ausgerechnet hilflose alte Menschen getroffen habe.

Oberstaatsanwalt Bülles nannte die Diebstähle „eine bodenlose Sauerei“. Besonders betroffen macht ihn, dass einer der Angeklagten das erbeutete Geld nicht für den Unterhalt seines Kindes, sondern für einen teuren Wagen der Luxus-Klasse verwendet habe. Für den Prozess sind zwei Verhandlungstage vorgesehen. (huh)



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