Von Guido Wagner, 02.09.10, 09:06h, aktualisiert 02.09.10, 12:04h
Bereits 1916 diskutierte man in Wuppertal die Probleme, doch erst 1930 folgten die Nägel mit Köpfen. Durch ein preußisches Sondergesetz wurde der Wupperverband gegründet. Seine vorrangige Aufgabe war die Abwasserbeseitigung. Der Clou seiner Gründung: Wasserwirtschaft sollte nicht mehr nur kleinteilig, sondern für ein ganzes Flussgebiet über kommunale Grenzen hinweg betrieben werden.
80 Jahre später ist das Wupperwasser so sauber wie seit Jahrhunderten nicht mehr und hat der Wupperverband neben dem Betrieb von Klärwerken eine ganze Reihe weitere Aufgaben übernommen - von der Trinkwasserbeschaffung bis hin zur Renaturierung ganzer Flussabschnitte.
Eine Erfolgsgeschichte, auch wenn man am Anfang buchstäblich im stinkenden Klärschlamm stocherte. „Am Anfang widmete sich der Wupperverband vorrangig der Abwasserproblematik durch den Bau und Ausbau von Kläranlagen“, sagt Monika Ebers vom Vorstandsbüro. Die wenigen bestehenden, zudem völlig überlasteten Klärwerke - wie das der Städte Barmen und Elberfeld in Buchenhofen - wurden ausgebaut. 1943 übernahm der Verband sämtliche vorhandenen Kläranlagen in seinem Gebiet. Eine erste eigene Talsperre hatte er bereits fünf Jahre zuvor bei Hückeswagen errichtet - die erste Bever-Talsperre diente vor allem dem Hochwasserschutz wupperabwärts.
Der Zweite Weltkrieg machte viele Anstrengungen wieder zunichte: Durch Luftangriffe wurden mehrere Klärwerke stark beschädigt, so dass nach Kriegsende erneut Aufbauarbeit angesagt war. Ohne allerdings dabei den Fortschritt aus den Augen zu verlieren. Ab 1949 baute der Verband das Klärwerk Buchenhofen zum modernen Großklärwerk mit biologischer Abwasserbehandlung und Klärgasverwertung aus. Angesichts der stetig wachsenden Bevölkerung im Bergischen stieg auch der Bedarf an Trinkwasser.
1959 weitete der Wupperverband daher seine Tätigkeiten auf das Niederschlagsgebiet der Dhünn, des mit 40 Kilometer längsten Nebenflusses der Wupper, aus. „Dazu beigetragen hat sicherlich auch das extreme Trockenjahr 1959“, so Ebers.
Bereits seit 1941 existierten Pläne, an der Dhünn eine Trinkwassertalsperre zu errichten. 80 Millionen Kubikmeter Wasser sollte die Talsperre fassen, und dazu noch eine weitere im Eifgental mit 16 Millionen Kubikmeter errichtet werden. Allein: Letztere wurde bis heute nicht gebaut. Und auch im Dhünntal ließ der Wupperverband ab 1960 zunächst ein mit 7,3 Millionen Kubikmeter Stauraum eher bescheidenes Trinkwasserreservoir errichten. Allerdings mit Option zur Erweiterung: Heute ist die alte Talsperre eines der Vorstaubecken der zwischen 1975 und 1985 errichteten neuen Großen Dhünn-Talsperre. Aus ihr erhalten rund eine Million Menschen zwischen Leverkusen und Wuppertal ihr Trinkwasser. Im Katastrophenfall kann sogar die Landeshauptstadt Düsseldorf aus der zweitgrößten reinen Trinkwassertalsperre Deutschlands versorgt werden.
Neben der weiteren Verbesserung der Wupper-Wasserqualität begann der Wupperverband in den 90er Jahren damit, auch den Flussverlauf ökologisch zu verbessern. So wurde 1993 ein Fischaufstieg am Wehr in Buchenhofen angelegt. Heute gibt es davon im Wupperverbandsgebiet 20. Darüber hinaus haben die Wasserexperten vielerorts Verrohrungungen und künstliche Uferbefestigungen entfernen und neue Schutzstreifen an Gewässern anpflanzen lassen. Der Verlauf der Dhünn beispielsweise wurde vor ihrer Mündung in die Wupper komplett neu gestaltet: Statt als schnurgerader Kanal plätschert der Fluss dort heute in Schleifen dahin, umspült kleine Inseln und naturnahe Ufer, die zahlreichen Tier- und Pflanzenarten ein Zuhause bieten.
Nach 160 Jahren kehrte
der Lachs zurück
Rund 160 Jahre nachdem 1830 der letzte Lachs in der Wupper gesichtet wurde, ist die Fischart in den 90er Jahren zurückgekehrt. Mit Nachhilfe. Als Brütlinge hatte man die Fische im Rahmen des Wanderfischprogramms des Landes Nordrhein-Westfalen in der Wupper ausgesetzt. Als ausgewachsene Lachse kamen sie später aus dem Atlantik in ihre ehemalige Kinderstube zum Laichen zurück.
Durch Umsetzung der im Jahr 2000 verabschiedeten Europäischen Wasserrahmenrichtlinie sollen die Wasserqualität und damit der Artenreichtum in der Wupper und ihren Nebenflüssen bis 2015 weiter verbessert werden. Einer der größten Meilensteine auf diesem Weg: Seit November 2009 ist die Dhünn von ihrer Mündung bis zur Großen Dhünn-Talsperre durchgängig barrierefrei.
Einzugsgebiet: 813 Quadratkilometer.
Gesamtlänge aller Gewässer: 2300 Kilometer
Mitarbeiter: rund 346
Anlagen: 11 Klärwerke, 12 Talsperren (davon 10 eigene), 72 Sonderbauwerke (Regenüberlaufbecken, Regenrückhaltebecken, Stauraumkanäle, Pumpwerke ).
Mitglieder: 174 (Städte, Gemeinden und Kreise des Einzugsgebiets, Unternehmen / Träger der öffentlichen Wasserversorgung, Eigentümer von Grundstücken, Verkehrs- und sonstigen Anlagen an Gewässern).
| JETZT BESTELLEN! 4 Wochen Rundschau zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%. |
|
Anzeige
22. April 2012,
E-Werk Köln
TOYOTA Autohaus Heinz GmbH, Overath
Schlafstudio Siebertz - Betten und mehr