Erstellt 02.09.10, 12:28h, aktualisiert 02.09.10, 13:04h
Gibt es Erwartungen der Politik, dass die Filmstiftung NRW künftig verstärkt Lobbyarbeit für die Kreativwirtschaft betreibt?
In den Gesprächen mit den Gesellschaftern ging es vor allem auch darum, wie man die Filmstiftung inhaltlich und funktional erweitern kann. Sonst hätte man sich auch andere Kandidaten vorstellen können. Ich selber habe ja in den letzten Jahren in den Bereichen Innovation und Standortförderung ein eigenes Profil entwickelt, und davon wird man profitieren wollen.
Sollen Sie helfen, die Gamescom in Köln zu halten und etwa auch Computerspielentwicklung fördern?
Die Messe zu halten, das ist ein größeres Landesthema. Aber es wird darum gehen, auch für die Games wie andere innovative Branchen ein gutes Klima zu schaffen. Für das Haus bleibt die Filmförderung das Kerngeschäft. Dennoch muss man im Zeichen der erfolgreichen Standortentwicklung den Fokus erweitern. Erfolgreiche Medienkonzerne, auch Filmkonzerne machen es vor, sie sind heute durchweg crossmedial aufgestellt, und Kreative und Filmemacher interessiert eben auch, wie Filmfans und Nutzer ihre Werke künftig im Internet finden werden.
Den reinen Cineasten wird angesichts dieser Tatsachen immer etwas mulmig...
Das verstehe ich gut. Natürlich soll Filmförderung vor allem künstlerische und kreative Wirkung entfalten, andererseits wird man immer schauen, wie der wirtschaftliche Effekt ist, für einen Medienstandort, aber auch für die Kreativen selbst. Das sollte man nicht gegeneinander ausspielen, sondern intelligent verbinden.
Stimmen die Gerüchte, nach denen die Filmstiftung künftig auch Serien im Fernsehen fördern soll?
In meinen Gesprächen ist das nicht Thema gewesen. Aber gute Serien sind große kreative Leistungen, und sie schaffen Arbeitsplätze, die Kohle und Stahl an Rhein und Ruhr nicht mehr garantieren können.
Wie hat man aus Berlin-Brandenburg auf die NRW-Konkurrenz geblickt?
Von dort aus hat man NRW als starkes Medienland gesehen, die Filmstiftung als Nummer eins der Filmförderer (jährliches Budget 32 Mio Euro, d. Red.), und das soll auch so bleiben. NRW verfügt über eine leistungsstarke Medienindustrie, die Kreativen stehen aber nicht ganz so im Rampenlicht wie in Berlin. Aber ich bin nun sieben Jahre aus NRW weggewesen und es gilt für mich, das Film- und Medienland NRW neu zu entdecken.
Braucht das Land noch ein strahlkräftiges Filmfestival?
Ich habe in meinem Antiquitätenkabinett noch den Katalog vom Kölner Filmfestival 1992 aufgehoben. Und die lange, oft frustrierende Diskussion mitverfolgt. Filmfestivals gibt es wie Sand am Meer. Für mich ist die Kernfrage, welche Art Festival für NRW richtig wäre. Ich habe Köln etwa als publikumsschwierige Stadt empfunden. Wenn man dagegen den erstaunlichen Erfolg der lit.Cologne sieht, muss man sich fragen: Was machen die eigentlich richtig, wovon man im Filmbereich lernen kann?
Noch eine Schlussfrage: Babelsberg hat etwa große Hollywood-Produktionen an Land gezogen. Wollen Sie Ähnliches für NRW schaffen?
Nun, die Filmstiftung ist kein Studiobetrieber. Mit dem Dreh des „Vorlesers“ oder aktuell mit „A Dangerous Method“ von Cronenberg oder „The Danish Girl“ mit Nicole Kidman sind Hollywood-Produktionen ja in NRW ein Thema! Dieses Level halten und je nach Projekt ausbauen, selbstverständlich gerne!
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22. April 2012,
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