Von Steffen Haubner, 03.09.10, 07:01h
Schon jetzt bringen aktuelle TV-Geräte Web-Dienste wie Youtube, Picasa und Google-Maps direkt ins Wohnzimmer. Auch soziale Netzwerke wie Twitter und Facebook kann man nun bequem von der Couch aus nutzen. Besonders kreativ waren die Hersteller einmal mehr bei der Namensgebung: „NetTV“, „Internet@TV“, „VieraCast“ oder „AppliCast“ nennen sich die Fernseher mit eingebautem World Wide Web. Hinter den kryptischen Namen verbergen sich Benutzeroberflächen, die Internetinhalte für den TV-Schirm aufbereiten. So gut wie jeder Hersteller wartet momentan mit einem eigenen System auf. Auch die verfügbaren Inhalte unterscheiden sich von Anbieter zu Anbieter. Vor dem Kauf sollte man also genau vergleichen, was welches Gerät zu bieten hat.
Gemeinsamer Standard fehlt noch
„Die TV-Hersteller haben es bislang nicht geschafft, sich auf einen gemeinsamen Standard für die Anzeige von Web-Inhalten zu verständigen“, kritisiert Lothar Kerestedjian von der Firma Videociety. Dadurch werde bei potenziellen Nutzern über Jahre hinaus Verwirrung gestiftet.
Um TV-Programm und Internet weiter miteinander verschmelzen zu lassen, gibt es den neuen Standard HbbTV. Das Kürzel steht für Hybrid broadcast broadband Television. Es handelt sich dabei um eine Art Videotext für das Web-Zeitalter. Webseiten werden damit so programmiert, dass sie sich auf dem Fernseher gut darstellen und mit einer gewöhnlichen Fernbedienung steuern lassen. Ob Zusatzinformationen zu laufenden Sendungen, Nachrichten oder Sportergebnisse - dank moderner Breitbandverbindungen kann das alles angezeigt werden, ohne das eigentliche Programm unterbrechen zu müssen.
Da die neue Technik im Gegensatz zum 30 Jahre alten Videotext keine Einbahnstraße ist, sind auch interaktive Anwendungen wie Gewinnspiele, Abstimmungen und Meinungsumfragen möglich. Die Zuschauer könnten zum Beispiel entscheiden, welcher Kandidat bei „Wer wird Millionär“ gegenüber von Günter Jauch Platz nehmen soll. ARD und ZDF wollen noch in diesem Jahr mit passenden Angeboten starten, die grundsätzlich kostenlos sein sollen. HbbTV-Fernseher und Empfangsgeräte werden noch vor Weihnachten verfügbar sein.
Auch Kinofilme kommen immer öfter via Internet ins Haus. Und damit sind keineswegs nur Ruckelfilmchen von Youtube gemeint. Filme in High Definition (HD) sind mittlerweile ebenfalls zu haben. Gemessen an der Anzahl der Haushalte mit ausreichend schneller Internetverbindung hinke das Angebot an hochauflösenden Filmen über das Web anderen Empfangswegen allerdings noch hinterher, konstatiert das Fachmagazin „Infosat“. Doch das dürfte sich bald ändern. Derzeit arbeiten eine ganze Reihe von Anbietern daran, die Videothek um die Ecke mit „Video on Demand“ (auf Deutsch etwa: „Filme auf Bestellung“) überflüssig zu machen.
Dafür ist ein spezielles Empfangsgerät („Receiver“) erforderlich. Das Problem: Mit dem Gerät eines bestimmten Herstellers ist man meist auch an das darüber angebotene Filmprogramm und die dafür verlangten Preise gebunden. Das ist in etwa so, als würde man sich mit dem Mitgliedsausweis für die Videothek um die Ecke gleichzeitig verpflichten, keine Filme bei der Konkurrenz auf der anderen Straßenseite auszuleihen. Das gleiche Problem ergibt sich aus der Kooperation einiger TV-Hersteller mit den Online-Videotheken. Die nötigen Empfangsteile werden dann direkt in den Fernseher integriert. Laut Branchenverband Bitkom liegen solche „Hybrid-Fernseher“ im Trend. Doch auch damit ist man automatisch an einen bestimmten Filmanbieter gebunden. Es sei denn, man kauft sich noch einen zusätzlichen Receiver. Es genügt also auch hier nicht mehr, sich im Laden ein Gerät genau anzuschauen. Man muss ganz genau nachfragen, was damit möglich ist und was nicht.
Videociety setzt deshalb auf die Vermarktung von Inhalten über die „BD-Live“-Schnittstelle aktueller Blu-ray-Player. Damit gehen die Abspielgeräte online, zum Beispiel um Zusatzinformationen wie Star-Interviews zur gerade eingelegten Blu-ray-Disc aus dem Internet zu laden. Aber auch Kinofilme in bester Qualität kommen auf diesem Weg auf den TV-Bildschirm. Laut Videociety-Experte Kerestedjian stellt BD-Live derzeit „den einzigen vom Hersteller unabhängigen Weg dar, Web-Inhalte auf dem TV-Gerät darzustellen.“ Konkret heißt das: Die Anschaffung eines speziellen Empfangsgerätes erübrigt sich, es genügt ein Player mit BD-Live oder eine Playstation-3-Spielkonsole.
Angebot bislang überschaubar
Noch größere Vielseitigkeit verspricht die Firma VideoWeb mit ihrem Receiver 600S. Er verbindet Satellitenempfang und Internet und empfängt neben den normalen TV-Programmen auch die HD-Kanäle der öffentlich-rechtlichen wie der privaten Sender. Da VideoWeb auf HbbTV basiert, können auch interaktive Funktionen zum laufenden Programm genutzt werden. Nachteil: Neben dem Anschluss an eine Satelliten-Schüssel ist ein DSL-Kabel erforderlich, was in manch einem Wohnzimmer für noch mehr Kabelsalat sorgen dürfte. In drahtlose Netzwerke lässt sich der Receiver noch nicht einbinden.
Zudem ist das Angebot in der hauseigenen Online-Videothek noch überschaubar. Dafür stellt ein spezielles Verfahren sicher, dass selbst über vergleichsweise langsame Internet-Leitungen ab vier Megabit pro Sekunde, HD-Filme direkt abgespielt („gestreamt“) werden können. In diesem Fall braucht man noch nicht einmal mehr einen schnellen DSL-Anschluss, um beim Start in die Zukunft des Fernsehens dabei zu sein.
Hintergrund: 120 Bilder pro Sekunde
Trends der IFA: Fernsehen der Zukunft
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22. April 2012,
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