Von Rebecca Brockmeier, 03.09.10, 07:01h
„Ich habe immer schon geschrieben“
Kaum zu Hause angekommen, greift die Zehnjährige dann zu Stift und Papier und legt los. Dabei entstehen Geschichten wie die von Samuel, der sich seine heiß geliebten „Converse“-Turnschuhe anzieht und sich auf einen abenteuerlichen Ausflug begibt, bei dem er unter anderem die Klippe des Todes zu überwinden hat. Im Eigenverlag ist die erste druckfrische Erzählung der Nachwuchsautorin mit dem Titel „Samuels Abenteuer“ erschienen, aus der die Fünftklässlerin diesen Sonntag (5. September) im Rahmen der Wachtberger Kulturwochen in der Hofanlage Kemp das erste Mal vor Publikum lesen wird.
„Ich habe schon immer geschrieben“, erklärt die Schülerin, die seit Montag das Bad Godesberger Clara-Fey-Gymnasium besucht. Ihr Spektrum reicht dabei von selbstgemalten Comics über eigene Drehbücher, die sie mit ihren Freundinnen nachspielt, bis hin zu kurzen Erzählungen, die die Schülerin aus Villip immer auch selbst illustriert: „Wenn ich schreibe, muss ich auch malen“, so Maria, die außerdem mit großer Begeisterung Mangafiguren zeichnet.
Bereits bevor die Schülerin selbst einen einzigen Buchstaben zu Papier bringen konnte, erinnert sich Mutter Cornelia Hartmann, habe ihre Tochter schon Geschichten schreiben wollen: „Sie hat dann Bilder gemalt, und ich musste den Text dazu schreiben, den sie mir diktiert hat.“ So entstanden die ersten Bildergeschichten - da war Maria gerade einmal drei Jahre alt.
Als ihre Tochter Anfang April dabei gewesen sei, ihre erste längere Geschichte zu schreiben, habe sie ihr ältestes Kind ermutigt, den Text fertig zu stellen, so Cornelia Hartmann, die Marias Schreibtalent fördert. Über eine Bekannte sei schließlich der Kontakt zum Wachtberger Kulturtreff zustande gekommen. Ein Freund der Familie besitze eine Druckerei in Wachtberg - bei ihm habe sie erst letzte Woche die ersten Exemplare in Auftrag gegeben: „Das kam alles Knall auf Fall.“ Auch Maria selbst kann es noch gar nicht fassen: „Ich hätte nie gedacht, dass das jetzt so kommt“, so die Jungautorin, die mit ihrer Mädchenband „Magic Girls“ auch eigene Liedtexte schreibt und zwei Instrumente spielt.
Wenn sie nicht schreibt, malt, musiziert, schauspielert oder sich mit ihren Freundinnen trifft, dann liegt Maria oft auf ihrem Bett in ihrem rosa Zimmer, in dem überall selbstgemalte Bilder von ihr zu finden sind, und liest - oft auch dann, wenn die Leseratte eigentlich schon längst schlafen sollte, wie ihre Mutter berichtet. „Da muss ich abends das Licht ausmachen, sonst liest sie das ganze Buch in einem Rutsch.“
Am Samstag vor ihrem ersten großen Auftritt als Autorin wird die Zehnjährige, deren Lieblingsfächer natürlich Deutsch, Kunst und Musik sind, sicher müde ins Bett fallen, denn bis dahin müssen noch die richtigen Textstellen ausgewählt und die Beamer-Präsentation getestet werden. Noch sei sie nicht aufgeregt, erklärt die Gymnasiastin, sie freue sich auf die Lesung. Erst kurz vor dem Auftritt käme bestimmt auch die Nervosität: „Dann wird mir bestimmt ein bisschen mulmig.“
Maria Hartmann liest am Sonntag in der Hofanlage Kemp, Holzemer Straße 4, in Villip, um 16 Uhr
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