Von Uta Kristina Maul, 03.09.10, 07:01h, aktualisiert 03.09.10, 12:29h
Im Juli, so schildern es Polizeipräsident Wolfgang Albers und seine Fachleute Gerlinde Hewer-Brösch (Kripochefin) und Helmut Pfau (Leiter der Gefahrenabwehr), habe der 42-Jährige versucht, die Familie gegen ihren Willen in seine arabische Heimat zu entführen. Die Ehefrau konnte sich auf dem Weg dorthin in der Türkei befreien und dank der Hilfe ihres Bruders mit ihren Kindern in Sicherheit bringen.
Der Familienvater ist flüchtig - die Fahnder mögen nicht ausschließen, dass er sich im Nahen Osten aufhält -, ein internationaler Haftbefehl in Vorbereitung. Vorgeworfen werden dem Mann nach Auskunft von Kripochefin Hewer-Brösch Freiheitsberaubung beziehungsweise Geiselnahme von Ehefrau und Kindern sowie gefährliche Körperverletzung. Der laut Polizei bislang nicht vorbestrafte 42-Jährige soll gegen seine Frau gewalttätig geworden sein.
Für die 36 Jahre alte Mutter und ihre sechs Kinder, für die sie laut Polizei das Sorgerecht hat, ist die Situation äußerst belastend. Weil der Ehemann und Vater die Lebensumstände der Familie kenne - also weiß, wo sie wohnt (vor der Trennung gemeinsam außerhalb Nordrhein-Westfalens, jetzt ohne Vater in Bonn) - und nicht auszuschließen sei, dass er versuchen werde, die Kinder zu sich zu holen, so Pfau, werde erwogen, die Familie anderweitig unterzubringen.
Vom ersten Schultag nach den Ferien bis gestern war die Polizei auch vor einer Bonner Grundschule präsent, um ein Kind der Familie zu schützen, das diese Schule besuchte. Gestern Abend nun entschied das Schulamt, das Kind vorerst von der Schule zu nehmen, so die Polizei. Damit entfällt auch ein Elternbrief, mit dem die Schule die Grundschuleltern über die außergewöhnliche Situation hatte informieren wollen. Thema sollte der Polizeischutz dennoch beim gestrigen Elternabend sein. Im Übrigen, so die Polizei, gebe es derzeit keine Hinweise, dass der 42-Jährige andere Personen oder Kinder außerhalb der eigenen Familie gefährde.
Geschützt werden auch jene Kinder des 42-Jährigen, die Schulen außerhalb des Bereichs der Kreispolizeibehörde Bonn besuchen. Dazu gehört Köln. Über Details auch zu weiteren Maßnahmen, die so lange dauerten, wie Frau und Kinder als gefährdet gälten, sagt die Polizei „aus Gründen der Gefahrenabwehr und des Opferschutzes“ nichts.
| JETZT BESTELLEN! 4 Wochen Rundschau zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%. |
|
Anzeige