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Lang Lang

Verfolgungsjagd über Tasten

Erstellt 02.09.10, 21:43h

Bereits im Februar wechselte Lang Lang von der Traditions-Plattenfirma Deutsche Grammophon zum Label Sony Classical. Pünktlich zur Ifa in Berlin kommt nun die erste CD des Pianisten beim neuen Label heraus.

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Lang Lang stellt seine neue CD vor. (Bild: dpa)
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Lang Lang stellt seine neue CD vor. (Bild: dpa)
KÖLN - Das kennt man vom Fußball: Millionen fließen, wenn Spieler den Club wechseln. In der Welt der klassischen Musik, sonst eher dem Wahren, Schönen und Guten verschrieben, sind teure Künstlertransfers selten. So war es eine Sensation, als im Februar Lang Lang für schätzungsweise drei Millionen US-Dollar (2,36 Millionen Euro) von der Traditions-Plattenfirma Deutsche Grammophon zum Label Sony Classical wechselte.

Der 28-jährige Pianist ist ein globaler Künstler - heute Berlin, übermorgen Peking. Als „Markenbotschafter“ soll er für 3D-Fernseher werben und multimedial präsent sein. Seine erste CD für Sony ist jetzt erschienen - pünktlich zur Internationalen Funkausstellung in Berlin. „Live in Vienna“ heißt sie. Sie wurde bei einem Solokonzert in Wiens Klassiktempel, dem Musikvereinssaal, aufgenommen.

Der Auftritt von 2009 wird für alle Kanäle verwertet. Neben der CD gibt es eine DVD als „Making of“, eine Blu-Ray-Disc sowie ein Version in 3D, für die der chinesische Musiker im Berliner Club „Berghain“ das ganze Konzert gleich nochmal spielte.

Ein Herz für Comics

Vinyl- Liebhaber können das Konzert auch auf zwei Platten haben. Hinter dem Label-Wechsel steht ein heftiger Kampf um Marktanteile zwischen den Giganten der Branche, der zum französischen Vivendi-Konzern gehörenden Universal Music (Deutsche Grammophon, Decca) und Sony. Im vergangenen Jahr wechselte Decca-Chef Bogdan Roscic als Klassik-Boss zu Sony. Kurz danach folgte Lang Lang, der bereits seit 2008 als Werbeträger für die Japaner unterwegs war.

Für sein Sony-Debüt suchte sich Lang Lang unter anderem Beethovens „Appassionata“. Um die Sturm-und-Drang-Sonate habe er sich lange gedrückt, „doch irgendwann platzte der Knoten“, sagte er. Die Anfangsakkorde sind fast so berühmt wie das „Ta-ta-ta-taaa“ von Beethovens Fünfter. Von Arthur Rubinstein bis Glenn Gould und Maurizio Pollini - irgendwann spielen alle Pianisten Opus 57.

Lange habe er an dem Stück gearbeitet, unter anderem mit Daniel Barenboim. Das Video der Meisterklasse in Chicago ist ein Renner im Internet. Der Lehrer nimmt dabei seinen jungen Schüler aus China ziemlich in die Mangel. „Mit Barenboim lernt man vor allem, den Sinn von Musik zu verstehen.“ Die strenge Lektion steigert nur die Sympathie für den Virtuosen, der mit fünf Jahren mit dem Klavierspielen begann, nachdem er im Fernsehen ein Katz- und Maus-Spiel mit Tom und Jerry sah. Da wird Kater Tom als Konzertsolist zu Franz Listzs Ungarischer Rhapsodie Nr. 2 von der Maus bis auf Blut geärgert - eine Verfolgungsjagd über Tasten und Saiten. Comics begleiten Lang Lang bis heute: „Die Simpsons sind meine Favoriten“, sagt er. „Bart ist mein Liebling - er ist frech, hat aber ein warmes Herz“.

Die Affinität des Musikers zur Digitaltechnik macht ihn zum idealen Werbeträger. Lang Lang reist mit drei Handys, auf den Trips rund um den Globus vertreibt er sich die Zeit mit Spielen auf seinem Sony-Pad. Der chinesische Pianist sieht große Möglichkeiten in der Mehrfachverwertung. „Das gibt mir die Chance, meine Träume zu erfüllen. Denn es geht nicht nur um CDs, sondern um das ganze Paket, egal ob Blu Ray, 3D oder Musikdownloads.“

Mit Lang Lang im Portfolio zielt der Elektronikriese Sony vor allem auf den asiatischen Musikmarkt. Nach seinem furiosen Debüt in der New Yorker Carnegie Hall 2001 ist der Chinese heute fast so bekannt wie Luciano Pavarotti. Der Pianist spielte zur Eröffnung der Olympischen Spiele in Peking, mehr als fünf Milliarden Menschen guckten zu. (dpa)



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