Von Hartmut Wilmes, 16.08.10, 09:27h
Dennoch, der auf wackligem Faktentablett servierte Kostenvorteil war ein Trumpf der Kampagne, den auch Sanierungs-Freundin Karin Beier ausspielte. Aus heutiger Sicht entpuppt er sich als Bluff. Denn gemessen an der hochkomplexen Sanierung eines der größten deutschen Stadttheater waren hier eben doch sendungsbewusste Amateure am Werk. Sie konnten in Freizeitengagement gar nicht jene belastbaren Erkenntnisse erlangen, die sie gleichwohl für sich reklamierten.
Den Unterzeichnern des Bürgerbegehrens hat "Mut zu Kultur" nun einiges zu erklären. Doch nach erstem Augenschein wirkt die Zerknirschung bei Jörg Jung ebenso überschaubar wie die Überraschung bei der Politik. Klar, SPD und FDP haben als Neubau-Befürworter vor explodierenden Sanierungskosten gewarnt. Doch auch die CDU (eigentlich pro Neubau, dann wegen fehlender Elemente dagegen) hat das böse Erwachen geahnt, das selbst die Grünen (Zünglein an der Waage fürs Bürgerbegehren) nur mäßig verwundert.
Was nun? Die Politik muss schnell und klug handeln: Eine Notsanierung der verwahrlosten Häuser wird ebenfalls kein Schnäppchen und vertagt nur die Probleme. Zwar müssen nicht alle Sanierungsschritte gleichzeitig erfolgen. Aber den ein halbes Jahrhundert lang sträflich vernachlässigten Bühnen, deren erfolgreichen Intendanten und dem Publikum ist Köln einiges schuldig.
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