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Kölner Fantasy-Filmfest

Wenn Reifen zu sehr lieben

Von Hartmut Wilmes, 24.08.10, 10:17h, aktualisiert 24.08.10, 10:24h

Blutig, gruselig, schrill, laut, wild. Das sind die Filme des jetzt startenden "Kölner Fantasy-Filmfestes". Bereits der Auftaktfilm "The Pack - die Meute" ist eine Nagelprobe. Das Filmpublikum in Cannes hatte zum Teil den Saal verlassen.

Wenn Reifen zu sehr lieben
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Unheimliche Welten: Szene aus Hideo Nakatas beunruhigendem Film "Chatroom", der beim letzten Festival von Cannes lief. (Foto: Festival)
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Unheimliche Welten: Szene aus Hideo Nakatas beunruhigendem Film "Chatroom", der beim letzten Festival von Cannes lief. (Foto: Festival)
KÖLN - Eigentlich müsste Kölns Cinedom seine Komfortsessel mit Sicherheitsgurten nachrüsten. Das morgen beginnende Fantasy-Filmfest nämlich schüttelt den geneigten Betrachter mit rasanten Zeitreisen und aberwitzigen Sprüngen über die Genre-Grenzen durch. Da erlebt der gehetzte Titelheld "Centurion" (26. 8., 19.15 Uhr), wie es sich anfühlt, im Jahr 117 nach Christus durch britisches Feindesland zu fliehen - ein Film, der "Gladiator" zur Gutenachtgeschichte degradiert.

Weniger blutig ist der Horror in der skandinavischen Zukunftsvision "Metropia" (29.8., 15 Uhr), die im Europa von 2024 die Orwellschen Albträume ins gigantische U-Bahn-Netz projiziert. Schon der französische Auftaktfilm "The Pack - Die Meute" (25.8., 20 Uhr) testet die Toleranz des Publikums, das in Cannes auf die düstere Drastik dieses Duells weit jenseits der Zivilisation teilweise mit Saalflucht reagierte.

Das Festival bekennt sich offensiv zu solchen Schocktherapien, will sich jedoch nicht in kunstvoll arrangierten Gemetzeln erschöpfen. Wenn Hideo Nakata etwa seinen "Chatroom" (27.8., 19.15 Uhr) öffnet, wird die Cyberwelt zum verstörenden Spiegelkabinett, in dem sich die jungen Besucher beängstigend bloßgestellt fühlen. Und die im Wortsinn abgedrehteste Story hebt man sich für den Abschlussfilm "Rubber" (1.9., 21.30 Uhr) auf : Da zieht ein denkender und hitzig fühlender Autoreifen namens Robert seine rillenförmige Blutspur durch die amerikanische Wüste. Denn als der Gummiheld einer französischen Touristin hinterherrollt und im Liebestaumel ruppig gebremst wird, entsinnt er sich seines zweiten Talents: Er kann Dinge explodieren lassen.

Wieder einmal erprobt das Festival die Dehnbarkeit des Fantasy-Begriffs. Da gibt es fernöstliche Schwertkampf-Epen wie "14 Blades" (26.8., 17 Uhr), die üblichen Hackebeil-Exzesse ("Hatchet 2", 28.8., 13 Uhr) oder knallige Manga-Verfilmungen wie "Redline" (28.8., 17 Uhr). Doch daneben wagt Carlos Carrera auch den fast dokumentarischen Blick auf Mexikos Grenzstadt Ciudad Júarez ("Backyard", 1.9., 17 Uhr), in der Frauen massenhaft "verschwinden".

Auch mit großen Namen geizt der Zelluloidreigen nicht: Japans Star-Regisseur Takeshi Kitano kehrt mit "Outrage" (1.9., 19.15 Uhr) nach zehnjähriger Pause zum Yakuza-Thriller zurück, Michael Caine wandelt als "Harry Brown" (28.8., 19.15 Uhr) auf Clint Eastwoods "Gran Torino"-Spuren - und in Alain Corneaus "Love Crime" (1.9., 15 Uhr) bitten Ludivine Sagnier und Kristin Scott Thomas zur erotisch knisternden Karriereschlacht im Top-Management.



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