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Opernquartier

Statt Streit große Einigkeit

Von Hartmut Wilmes, 02.09.10, 10:57h

Über die Zukunft des Opernquartiers herrscht weitgehend Einigkeit. Nur die Gefühle der Intendanten klafften an Kölns „Rundem Tisch“ auseinander. Zum Zankapfel des Abends war der Tanz. Die Entscheidung darüber wurde vertagt.

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Nach dem runden Tisch wurde das Problem Schauspielhaus vertagt. (Bild: Schmülgen)
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Nach dem runden Tisch wurde das Problem Schauspielhaus vertagt. (Bild: Schmülgen)
KÖLN. "Ich glaube nicht, dass wir uns heute extrem streiten werden." Jörg Jung ("Mut zu Kultur") sollte gestern Abend im überschaubar besuchten Historischen Rathaus von Köln Recht behalten: Der Runde Tisch zur Bühnensanierung produzierte nach zuvor recht heftigen Debatten über Bau-und Gesamtkosten weitgehend Einigkeit.

"Die Kosten sind ein wichtiger, aber nicht der einzige Aspekt", hatte Baudezernent Bernd Streitberger als Sitzungsleiter in Vertretung des Oberbürgermeisters gesagt. Und er plädierte wie Jung dafür, nur die reinen Baukosten zu betrachten, nach denen die gestern eindeutig befürwortete "Beier Variante" (verwaltungstechnisch V6) mit 253 Millionen Euro 37 Millionen billiger ist als die vom Rat verworfene Neubau-Lösung.

Der Tanz wurde zum Zankapfel

Die V6-Kosten hatte Theaterplaner Reinhold Daberto ermittelt, dessen Machbarkeitsstudie höchstes Lob erntete. Daberto erläuterte knapp und plastisch, wie sehr sich der Riphahn-Bau verbessern werde: "Die Bühnentechnik wird aus dem jahrzehntelangen Dornröschenschlaf geweckt", dem Platzmangel werde durch den Büroriegel über dem Betriebshof abgeholfen, und die unterirdischen Lagerräume "sind der Quantensprung des ganzen Projekts". Kurz: Köln bekomme "eine zukunftsfähige Lösung für drei bis fünf Dekaden". Und die von "Mut zu Kultur" seinerzeit initiierte Variante 7 wurde endgültig von allen Beteiligten beerdigt.

Die betroffenen Intendanten freilich verrieten eine gegensätzliche Gemütslage: Schauspielchefin Karin Beier sagte: "Die Ergebnisse erfüllen mich mit großem Optimismus, beinahe mit Euphorie." Es werde erreicht, was man sich erhofft hatte, "etwa die große Flexibilität des Zuschauerraums, der es uns erlaubt, für 400 bis 800 Besucher zu spielen". Dass das Interim länger und die Kosten höher würden, sei "ein Wermutstropfen, aber Einsparungen gegenüber dem Neubau von 40 Millionen bei den Baukosten und 20 Millionen bei den Gesamtkosten sind ja keine Kleinigkeit, und im Vordergrund stand für uns der Erhalt des Riphahn-Baus."

Opernkollege Uwe Eric Laufenberg hingegen sieht das nunmehr fünfjährige Interim für sein Haus "schlicht und einfach als totale Katastrophe". Wegen der deutlich längeren Außer-Haus-Phase müsse er seinen ursprünglichen Plan "von einem dreijährigen flexiblen Unterwegssein" aufgeben. Um überhaupt ein breites Repertoire spielen zu können, "brauchen wir dringend die acht Millionen Euro für eine geeignete Ausweichspielstätte". Insgesamt, so Laufenberg mit bittere Miene, "bleibt uns jetzt gar nichts anderes übrig, als V6 so schnell wie möglich umzusetzen".

Fragt sich nur, in welchem Umfang. Streitberger erklärte, man bekomme für die gründlich geprüften Baukosten eine hohe Qualität und dürfe das Ensemble nicht "als Setzkasten missbrauchen". Laufenberg brach eine Lanze für die Kinderoper, und Beier freut sich schon derart auf die spannende Studiobühne in den Opernterrassen, dass sie davor warnt, diese sowie die Kinderoper "aus dem Gesamtgefüge zu schneiden".

Zum Zankapfel des Abends wurde der Tanz, den Daberto mit Räumen für eine 25-köpfige Compagnie berücksichtigt haben will. Das sahen Anke Brunn und Kajo Nelles vom Landesbüro Tanz NRW und Peter Bach vom Kölner Kulturrat radikal anders: "Beschämend" nannte es Nelles, dass der Tanz "gerade ein halbes Prozent der Gesamtfläche" bekomme und als dritte Sparte "nicht auf Augenhöhe" (Brunn) sei. Daberto und Kulturdezernent Georg Quander erklärten dies mit den Raum-Vorgaben der Studie. "Mehr war nicht möglich", sagte Quander, räumte aber ein: "Das ist natürlich nicht das, was ich mir für den Tanz wünsche."

Das Problem wurde vertagt, die Zustimmung zu V6 war aber überwältigend. So hofft Jörg Jung, "dass die Politik all das aufnimmt, was wir heute gesagt haben. Alles andere wäre verheerend für Köln."



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