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Loveparade

Jäger schließt Versäumnisse nicht aus

Von Wilfried Goebels, 02.09.10, 13:58h, aktualisiert 02.09.10, 21:21h

Das nordrhein-westfälische Innenministerium hat dem Loveparade-Veranstalter schwere Versäumnisse vorgeworfen. Bemängelt wird unter anderem, dass eine Pfropfenbildung am Rampenkopf nicht verhindert wurde.

Unglücksstelle der Loveparade
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Eine Jesusstatue, verwelkte Blumen und abgebrannte Kerzen stehen in der Nähe der Unglückstelle der Loveparade in Duisburg.
Unglücksstelle der Loveparade
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Eine Jesusstatue, verwelkte Blumen und abgebrannte Kerzen stehen in der Nähe der Unglückstelle der Loveparade in Duisburg.
DÜSSELDORF. Adolf Sauerland wirkt im Blitzlichtgewitter der Kameras wie ein Häufchen Elend. Mit belegter Stimme, kaum hörbar weist der wohl meistgehasste Oberbürgermeister der Republik unbeirrt alle Verantwortung für die 21 Toten bei der Loveparade in Duisburg weit von sich. „Meine Mitarbeiter haben rechtmäßig gehandelt“, wehrt sich Sauerland im NRW-Innenausschuss.

Sechs Wochen nach der Katastrophe im Duisburger Tunnel liefern sich Veranstalter, Stadt und Polizei einen derben Gutachterstreit. Sauerland, der trotz Todesdrohungen und Rücktrittsforderungen bis zur Klärung der Vorfälle im Amt bleiben will, verzichtet auf offene Schuldzuweisungen. Aber der von seinen Anwälten umrahmte Behördenchef stellt klar, dass die Polizei das Sicherheitskonzept vorher genehmigt hat. Dass auch Polizeisperren auf der Rampe und Verstöße des Veranstalters Lopavent zum tragischen Unglück beigetragen haben, will Sauerland nicht ausschließen.

Die Suche nach der Schuld bestimmt die Ausschusssitzung. Warum war die Polizei schlecht koordiniert? Wusste keiner, dass im Tunnel der Funkverkehr nicht klappt? CDU-Innenexperte Peter Biesenbach will SPD-Innenminister Ralf Jäger nicht verurteilen. „Ich bin kein Ankläger und kein Verteidiger.“ Biesenbach droht aber mit einem Parlamentarischen Untersuchungsausschuss, falls Jäger nicht endlich alle 130 Fragen offen beantwortet. Jäger selbst schloss Versäumnisse der Polizei im Ausschuss nicht aus. Er hält es für „unrealistisch, einen fehlerfreien Polizeieinsatz zu erwarten“. Gleichzeitig wehrte sich Jäger aber gegen vorzeitige und unseriöse Schuldzuweisungen. Zunächst müssten Fehler identifiziert werden.

Beim Versuch, den Schwarzen Peter für das Drama weiterzureichen, greift der oberste Polizeiinspekteur, Dieter Wehe, den Veranstalter scharf an. Zu wenig Ordner, zu späte Öffnung der Schleusen, keine Lautsprecheransagen, zu wenig Fluchtwege. Der Veranstalter Reiner Schaller habe seine Zusagen nicht eingehalten, klagt der oberste Polizeiinspekteur. Die Tragödie nahm ihren Lauf.

Schaller selbst, der sich durch seine Anwälte vertreten lässt, sieht sich in der moralischen Verantwortung für die Katastrophe. Die Zuständigkeit für die Organisation aber habe die Polizei vor der Loveparade an sich gezogen. 16 Wochen habe die Landespolizei mit am Tisch gesessen, auch Minister Jäger habe vor der Loveparade stolz die Rolle der Polizei gewürdigt. „So spricht jemand, der sich zuständig fühlt“, heißt das bei Schallers Anwälten. Heute sagt der Minister, dass der Veranstalter auf dem Gelände allein die Verantwortung trägt. Die Schutzpflichtlehre sieht das anders: Bei Gefahr für Leib und Leben ist die Polizei zur Gefahrenabwehr stets zuständig.



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