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Einigung

Karstadt ist gerettet

Erstellt 02.09.10, 20:47h, aktualisiert 03.09.10, 17:47h

Rund 25.000 Beschäftigte können aufatmen: Nach monatelangem Tauziehen um Mietsenkungen haben sich Karstadt-Investor Berggruen und Gläubiger Highstreet geeinigt. Das Essener Landgericht hat den Insolvenzplan angenommen.

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Hoffnung für Karstadt. (Bild: dpa)
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Hoffnung für Karstadt. (Bild: dpa)
ESSEN - Die rund 25 000 Karstadt-Beschäftigten können aufatmen: Der Weg für eine Rettung der insolventen Warenhauskette ist frei. Der Kaufvertrag mit Investor Nicolas Berggruen kann in Kraft treten, weil Berggruen nun die Zugeständnisse bei den Mieten bekommt, die er zur Bedingung für seinen Einstieg gemacht hatte.

Der Karstadt-Vermieter Highstreet bekam von seinen Gläubigern bereits am Donnerstag grünes Licht dafür. Allerdings hatten noch einige Unterschriften gefehlt. Sie seien inzwischen aber geleistet, teilte Highstreet am Freitag mit. Am Freitagnachmittag hat auch das Essener Amtsgericht den Karstadt- Insolvenzplan angenommen. Damit sei die Übernahme der Warenhauskette durch den deutsch-amerikanischen Investor Nicolas Berggruen in letzter Instanz bestätigt, teilte das Gericht mit. Jetzt bestehe nur noch eine 14-tägige Beschwerdefrist, in der mögliche Verfahrensfehler beanstandet werden können. Am 1. Oktober soll dann Berggruen die Schlüsselgewalt für die Karstadt Warenhaus GmbH mit 120 Filialen und rund 25 000 Beschäftigten erhalten.

Berggruen wollte am Freitag zusammen mit Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg und Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) die gute Nachricht der Einigung in Berlin erläutern. Nach bisherigen Angaben will Berggruen sämtöiche Filialen und alle Arbeitsplätze erhalten. Investieren will der 49 Jahre alte Finanzier, Sohn des legendären jüdischen Kunstsammlers Heinz Berggruen, 70 Millionen Euro eigenes Kapital, die Marke Karstadt soll verjüngt und modischer werden. Der Warenhauskette bliebe damit das Schicksal des Schwesterunternehmens Quelle erspart. Dem Versandhändler blieb vor fast einem Jahr nach gescheiterten Rettungsversuchen nur die Schließung.

Der Investor hatte den Kaufvertrag bereits Anfang Juni unter Vorbehalt unterschrieben, nachdem er als Sieger aus einem Bieterverfahren hervorgegangen war. Die Einigung zwischen Berggruen und Highstreet zog sich jedoch über Monate hin. Das Konsortium, hatte unter der Ägide des früheren KarstadtQuelle-Chefs Thomas Middelhoff, der den Konzern in Arcandor umbenannt hatte, die meisten der Karstadt-Warenhäuser gekauft und dann an das Unternehmen zurückvermietet.

Für den Kauf lieh sich das Konsortium, hinter dem unter anderem die US-Investmentbank Goldman Sachs und die Deutsche Bank stehen, selbst Geld bei Kapitalgebern. Diese Gläubiger zögerten ihre Zustimmung zu den niedrigeren Mieten aber immer wieder hinaus. Der Donnerstag hatte jedoch als letzte Frist gegolten. Insolvenzverwalter Görg hatte für den Fall eines Scheiterns auch einen Plan zur Zerschlagung Karstadts in der Schublade.

Auch mit Berggruens Einstieg steht Karstadt nach Einschätzung von Branchenkenners eine ungewisse Zukunft bevor. Das Kaufhaus-Konzept für Innenstädte gilt als überholt, für die gesamte Warenhaus-Branche rechnen Experten in den kommenden Jahren allenfalls mit einer Stagnation. Entscheidend dürfte daher Berggruens Maßnahmen zur Neuausrichtung der Kette sein.

In die Röhre guckt nach dem Berggruen-Einstieg dessen Mailänder Widersacher Maurizio Borletti. Der Warenhaus-Unternehmer, der selbst an Highstreet beteiligt ist, hatte bis zuletzt auf ein Scheitern der Verhandlungen gepokert. Er wollte Karstadt selbst übernehmen. Insolvenzverwalter Görg lehnte die Offerte jedoch ab, da Borletti seine Absicht zu spät kundgetan habe. (dpa)

Die Karstadt-Filialen
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