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Foto-Ausstellung in Köln

Mit Picasso zum Stierkampf

Von Thomas Linden, 03.09.10, 16:23h

Es gibt viel zu sehen in der prachtvollen Kölner Ausstellung "René Burri - Das Werk", die jetzt im Museum für Angewandte Kunst zu präsentiert wird. Norbert Moos, der Vorsitzende der Internationalen Photoszene, lockte die Bilderschau als Top-Event der Photoszene an den Rhein.

Sie kennen René Burri nicht? Aber sicher, jeder Erwachsene hat schon einmal ein Foto aus seiner Kamera gesehen. Denn wie hätte Che Guevara zum Mythos werden können ohne jenes Bild, auf dem er mit dem ganzen Selbstbewusstsein eines Revolutionärs, der eben die USA zur Hintertür aus dem Land geschmissen hat, seine Siegerzigarre pafft?

Und es gibt noch mehr zu sehen in der prachtvollen Ausstellung "René Burri - Das Werk", die jetzt im Museum für Angewandte Kunst zu präsentiert wird. Norbert Moos, der Vorsitzende der Internationalen Photoszene, lockte die Bilderschau als Top-Event der Photoszene an den Rhein. Petra Hesse, Direktorin des Museums, erkannte, dass Fotografie in ihr Haus gehört. Konrad Schmidt-Werthern unterstützte das Projekt von Seiten des Kulturamts, und Kurator Hans-Michael Koetzle schuf eine feine Präsentation mit intimen Kojen, akzentuierenden Vergrößerungen und einer delikaten Bildauswahl.

Deshalb kann man die Ausbeute des 1933 in Zürich geborenen Fotoreporters René Burri richtig genießen. Der Schweizer führt uns mit seiner Kamera direkt in den intimen Dunstkreis der großen Künstler des 20. Jahrhunderts. Mit ihm nehmen wir Platz am Tisch von Pablo Picasso, besuchen mit dem Spanier einen Stierkampf oder sitzen neben Le Corbusier, während er zeichnet. In Yves Kleins Atelier geht es gerade dann erotisch zu, wenn die Damen bekleidet sind. Patricia Highsmith zeigt er uns in einer grauenvollen Schwärze, wie sie kein anderer Fotograf herzustellen vermochte, Robert Frank fängt er zerbrechlich in seiner Depression ein, Jean Renoir mit prallem Selbstbewusstsein. Und mit Alberto Giacometti zeigt er einen Bildhauer, der mit geschlossenen Augen arbeitet, alle Konzentration in den Händen hat.

Das größte Talent dieses legendären Fotografen liegt in seiner Beobachtung der Menschen. In ihr ist nicht die Spur Sentimentalität enthalten, auch nicht in den Fotografien tauber Kinder oder den Armutsbildern aus Asien oder Südamerika, wo Burri viele Jahre seines rastlosen Reporterlebens verbrachte. Burris Aufmerksamkeit ist ganz auf die Bewegung und die Handlungen der Menschen konzentriert. Die gilt besonders für seinen berühmten Zyklus "Die Deutschen", zu dem 1962 das Buch erschien, der aber auch heute noch nicht abgeschlossen ist, wie Burri erklärt.

Mit dem Fahrrad war der Schweizer zunächst durch Süddeutschland gefahren, um bestürzt die Zerstörungen des Krieges zu betrachten. Vergangenheit und Gegenwart prallen roh aufeinander. Jene Eleganz, die Burri überall in der Welt - sei es in Rio, New York oder Paris - sucht und findet, sie taucht in diesen Bildern nur vereinzelt auf. Vitalität dominiert, auf der Straße, ob in Berlin an der Mauer oder in der Kleinstadt in Rheinlandpfalz. Die Deutschen bleiben ihm und offenbar auch sich selbst ein Rätsel, aber genau darin macht Burri ihre Kraft aus. Schon deshalb ist es erfreulich, dass diese Aufnahmen erstmals in größerem Umfang in Deutschland zu sehen sind. Ob René Burri selbst noch an den Rhein kommt, kann noch niemand sagen, aber insgeheim hoffen die Veranstalter der Photoszene auf seinen Besuch zur Photographers Night am 23. 9. im MAK.

Bis 26. 9.

Di-So 11-17 Uhr, vom 21. - 25. 9. jeweils von 11-21 Uhr. An der Rechtschule 5.



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