Erstellt 05.09.10, 09:12h, aktualisiert 06.09.10, 16:01h
Kachelmanns Verteidiger Reinhard Birkenstock sagte zum Inhalt seines Ablehnungsgesuchs nur, dass die beiden von ihm angegriffenen Richter "Herrn Kachelmann gegenüber nicht völlig unbefangen" seien. Er habe den Antrag auf der Geschäftsstelle abgegeben und nicht öffentlich in der Hauptverhandlung verlesen, weil es um die Sache gehe und nicht darum, "die Richterpersönlichkeiten dieser Kammer öffentlich herabzusetzen".
Medienberichten zufolge ist der Vorsitzende Richter Seidling Vizepräsident des Sportvereins TSV Oftersheim bei Heidelberg; der Vater des mutmaßlichen Opfers leitete jahrelang den benachbarten Sportverein TV Schwetzingen. Obwohl beide Vereine kooperieren, hatte Seidling Medienberichten zufolge gesagt, er kenne weder den Vater noch "das Opfer". Dass er dabei nicht vom "mutmaßlichen Opfer" sprach, könnte aus Sicht der Verteidigung für ein Voreingenommheit des Richters sprechen.
Die Frauenrechtlerin Alice Schwarzer, die das Verfahren für die "Bild"-Zeitung kommentiert, sprach von einem taktischen Verhalten der Verteidigung: "Mir war schon klar, dass ein Befangenheitsantrag kommen würde, denn diese Manöver sind ja unerlässlich, um in Revision zu gehen. Also: Wir kennen diese Taktik."
Die Anklage wirft Kachelmann vor, im Februar seine langjährige Freundin mit einem Messer bedroht und sie nach einem Beziehungsstreit vergewaltigt haben. Der 52-Jährige bestreitet dies. Er war Ende Juli nach rund vier Monaten aus der Untersuchungshaft entlassen worden, weil nach Auffassung des Oberlandesgerichts Karlsruhe die Angaben der 37-Jährigen durch Gutachten nicht eindeutig gestützt wurden.
Das Gericht will sich nun im Streit von Verteidigung und Staatsanwaltschaft über bislang mehr als ein Dutzend Gutachten ein unabhängiges Bild machen und hat den Heidelberger Psychiater Hartmut Pleines bestellt. Er soll Kachelmann während des Verfahrens begutachten und den Wahrheitsgehalt von dessen Aussagen einschätzen. Im Gegensatz zu dem mutmaßlichen Opfer hatte der Wetterexperte eine psychologische Begutachtung bislang abgelehnt.
Das Gericht will mehrere früheren Partnerinnen Kachelmanns noch vor dem mutmaßlichen Opfer in den Zeugenstand rufen und sie auch zum Charakter des Angeklagten befragen. Erst danach soll dann die 37-Jährige, die zum Prozessbeginn am Montag als Nebenklägerin erschienen war, ihre Version des Geschehens in der Nacht zum 9. Februar schildern. Dies Umkehrung der Zeugen-Reihenfolge gilt als ungewöhnlich. (afp)
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