Erstellt 05.09.10, 10:59h
"Wir haben einen einstimmigen Ratsbeschluss", sagt Bert Risthaus (CDU), Rathauschef im münsterländischen Ascheberg. Mit 16 Sitzen hat die CDU dort die Hälfte aller Ratsmandate. "Grüne gibt es hier nicht", sagt der Christdemokrat.
Haupt- und Realschule werden nach dem Konzept zusammengelegt und um einen gymnasialen Zweig erweitert, eine Oberstufe soll es aber nicht geben. Der Antrag wird derzeit vom Schulministerium bearbeitet. "Wir müssen die Auswirkungen der Schule auf die Nachbargemeinden prüfen", sagt Nina Heil vom NRW-Schulministerium. Zudem müsse sich ein Gymnasium in der Region bereiterklären, geeignete Profilschüler später in die Oberstufe aufzunehmen. Da es in Ascheberg selbst kein Gymnasium gibt, soll die Gemeinschaftsschule auch die Abwanderung von Kindern an andere Schulen der Sekundarstufe I verhindern.
Zum gerade angelaufenen Schuljahr wechselten nach Angaben der Gemeinde 195 Kinder von der Grundschule an weiterführende Schulen. 117 von ihnen entschieden sich dabei für ein Gymnasium oder eine Gesamtschule außerhalb. "Vor zehn Jahren wurden noch 60 Prozent der Kinder vor Ort unterrichtet", erzählt Risthaus. "Jetzt hat sich die Tendenz umgekehrt." Durch das Angebot der Gemeinschaftsschule soll sich das wieder ändern.
Ascheberger Kinder würden rund zehn verschiedene Gymnasien in der Umgebung besuchen. Für einzelne Schulen bedeutet das Konzept Risthaus zufolge daher keine Verluste. "Es kann ja nicht angehen, dass einer ein Veto hat, weil drei Schüler weniger kommen."
In den umliegenden Gemeinden steht man der Gemeinschaftsschule noch mit gemischten Gefühlen gegenüber. "Wir sind der Meinung, dass wir Schülern aus Ascheberg ein sehr gutes Angebot unterbreiten", sagt Wolfgang Mensing, Schulleiter des St. Antonius-Gymnasiums im 14 Kilometer entfernten Lüdinghausen. "Eltern sollten überlegen, ob sie ihren Kindern nicht lieber das achtjährige Abitur am Gymnasium ermöglichen statt dem neunjährigen über die Profilschule."
Derzeit pendeln rund 170 Schüler aus Ascheberg zum St. Antonius- Gymnasium. "Schließungsängste wegen der Profilschule haben wir nicht", sagt Mensing. "Es würde uns aber schon treffen."
Ascheberg hält dagegen: Die Gemeinschaftsschule nehme maximal hundert Schüler pro Schuljahr auf. "Wir haben eine Höchstgrenze, weil wir bestehende Schulstrukturen nicht zerstören wollen", sagt Alexander Ruhe, Leiter des Fachbereichs Schule in der Ascheberger Verwaltung. "Auch auf eine Oberstufe haben wir bewusst verzichtet."
Genau das ist nach Ansicht von Pädagogen aber das Problem. "Eine Schule, die keine Oberstufe hat, ist für die Zukunft nicht wertvoll", meint Hans-Dieter Tigges, Schulleiter der Gesamtschule im zehn Kilometer entfernten Nordkirchen. "Die Ascheberger Kinder müssen dann drei Mal die Schule wechseln." Er begrüße die Bemühungen der Gemeinde sehr, das Konzept sei jedoch "gesellschaftspolitisch keine kluge Entscheidung". Es sei wenig sinnvoll, noch eine zusätzliche Schulform zu gründen. "Eine Gesamtschule in Ascheberg, das wäre ideal gewesen."
Die neue Schulform soll nach dem Willen der Gemeinde eine "größere Durchlässigkeit zwischen den einzelnen Schulformen" ermöglichen und in den Räumen von Haupt- und Realschule entstehen. "Es ist aber nicht so, dass wir einen Schalter umlegen und ab 2011 alle Profilschüler sind", betont Risthaus. "Die Profilschule wächst nach, Haupt- und Realschule wachsen aus."
Nach Angaben des Schulministeriums ist Ascheberg bislang der einzige Antragsteller für eine Gemeinschaftsschule. Bereits im Oktober 2009 hatte die Gemeinde die neue Schulform zum ersten Mal beantragt. Die alte schwarz-gelbe Landesregierung lehnte das Konzept damals ab. Für die neue Schulministerin Löhrmann ist Ascheberg jetzt ein Pilotprojekt. Rund ein Dutzend andere Kommunen hätten bereits Interesse an einer Gemeinschaftsschule angemeldet: "Die warten alle auf das Signal Ascheberg." (dpa)
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