Von Tim Attenberger, 05.09.10, 22:05h, aktualisiert 06.09.10, 14:51h
Fans dicht gedrängt auf dem Roncalliplatz
Rückblick: Am frühen Abend drängen sich die Menschen dicht an dicht vor der mit einer sehenswerten gläsernen Kuppel überdachten Bühne, jeder möchte den besten Platz ergattern. Auch die Dachterrasse des Domhotels ist vollgepackt, sogar in einigen Suiten stehen Zuschauer an den Fenstern. Pünktlich um 19.30 Uhr wird der Platz von den Domglocken beschallt, kurz darauf ertönt ein Marsch, gespielt von den Musikzügen der Traditionskorps. Rote und Blaue Funken, Ehrengarde, Jan von Werth, Bürgergarde - alle sind sie gekommen, um den Kultmusikern die Aufwartung zu machen. Moderator Marc Metzger („Dä Blötschkopp“) ruft euphorisch in die Menge: „Wenn die Fööss 40 werden, dann steht Köln kopf.“ Als die Band die Bühne betritt und „Mer loße dr Dom en Kölle“ spielt, jubeln die Zuschauer begeistert. Geschunkelt wird anfangs noch etwas zaghaft. „Wenn mir vor 40 Jahren jemand gesagt hätte, dass wir heute hier stehen, ich hätte es nicht geglaubt“, begrüßt Erry Stoklosa die Fans und kündigt an, sie auf „eine Zeitreise“ mitzunehmen.
Den Auftakt dazu liefert der „Rievkooche-Walzer“ von 1970. Dazu kommt auch Graham Bonney auf die Bühne, der diese erste Plattenaufnahme der Fööss damals bezahlt hatte. „Ich kriege Gänsehaut“, verkündet der britische Musiker und singt mit den Fööss „Drink doch eine met“. Die Fans sind mittlerweile auf Betriebstemperatur angekommen, schunkeln und tanzen, was das Zeug hält.
Die Gaststars reichen sich nun das Mikro weiter. BAP-Frontmann Wolfgang Niedecken präsentiert eine an „We Will Rock You“ erinnernde Version von „Pänz“ und lobt die Kollegen mit den Worten: „Ihr habt Euch nie auf den Irrweg weg vom Kölschen bringen lassen.“ Kabarettist Jürgen Becker stürmt direkt danach auf die Bühne, um Liederschreiber Hans Knipp zu ehren, aus dessen Feder viele Werke der Fööss stammen. „Hans Knipp ist der Heinrich Böll der Heimatlieder“, erklärt Becker. Anschließend analysiert er die Songs der Band auf zweideutige Anspielungen: „Denn wenn et Leech usjing em Roxy, hatte mer schnell e Kääzje ston - das ist doch einfach großartig, das so zu beschreiben.“ Die Wise Guys singen, ausnahmsweise mal nicht a-capella, mit den Fööss „Rollbrett“, und dann taucht plötzlich TV-Entertainer Stefan Raab auf und schmettert aus voller Kehle „Kaffeebud“. „Glückwunsch an die Fööss, ich bin ein großer Fan“, ruft Raab ins Mikro.
Ab jetzt gehört die Bühne ganz den Bläck Fööss, die sich, teilweise mit Unterstützung des Jugendchors St. Stephan, durch die vier Jahrzehnte ihrer Karriere spielen: Vom melancholischen „Usjebomb“ zu Filmaufnahmen des nach dem Krieg zerstörten Köln bis zur Hymne „Du bes die Stadt“, von „En unserem Veedel“ bis „Am Dom zo Kölle“ geht die Reise. Am Ende singen Fans und Fööss gemeinsam „Oh, wie ist das schön“.
Das stimmungsvolle Finale kommt von der „Blos-mer-jet-Kapell“, die auf einer der Dombalustraden spielt. Noch einige Zeit nach dem Konzert stehen Zuschauer in kleinen Gruppen auf dem Roncalliplatz und sprechen bei einem Kölsch angeregt über einen mit Sicherheit unvergesslichen Abend.
Das dritte Konzert ist ausverkauft.
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