Von Johannes Mager, 03.09.10, 23:20h
Im Kreis Euskirchen verlief sie nahezu parallel zur heutigen A1 und entspricht zwischen Köln und Zülpich der heutigen B 265. Drei Stationen der „Archäologietour Nordeifel“, die die Kölnische Rundschau und das LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland anbieten, stehen in unmittelbarem Zusammenhang mit der Römerstraße.
Zum vierten Mal lädt die Archäologietour dazu ein, sich auf die Spuren der heimischen Geschichte zu begeben. Archäologen, Geologen und weitere Experten werden an diesem Tag von 10 bis 18 Uhr bei freiem Eintritt an den einzelnen Stationen informieren. Dabei wird der Aufenthalt mit Programmpunkten für Erwachsene und Kinder kurzweilig gestaltet sein. Auch für das leibliche Wohl der Teilnehmer wird an allen Stationen gesorgt.
Siechhaus
Nicht nur zur Römerzeit wurde die „Agrippa-Straße“ genutzt. Auch im Mittelalter wurde sie befahren. Bei Rövenich wurde die Straße einst von der „Aachen-Frankfurter Heerstraße“ gekreuzt. Häufig entstand an Knotenpunkten ein „Siechenhaus“ für ansteckend Kranke. Noch heute steht die zugehörige Kapelle an dieser Stelle. Sie wird am 3. Oktober zu besichtigen sein. Im Rahmen der „EuRegionale 2008“ und der „Regionale 2010“ haben die Städte und Gemeinden entlang der ehemaligen Römerstraße beschlossen, diese angemessen zu präsentieren, etwa durch Freistellung und Darstellung. Über das Projekt „Erlebnisraum Römerstraße“ sowie über den Stand der archäologischen Untersuchungen wird vor Ort informiert. Für Kinder wird ein Entfernungs-Schätzspiel unter dem Motto „Leuge, Meile, Meter“ angeboten. Für das leibliche wohl sorgt das Gasthaus „Siechhaus“.
Römischer Vicus
Es war selbst für die Historiker eine Sensation, als sie 2009 bei Nettersheim zwischen der Tempelanlage „Görresburg“ und dem „Steinrütsch“ einen römischen Vicus entdeckten. Derzeit führen Archäologen der Uni Köln ihre 2009 begonnenen Grabungen fort. Bei der Archäologietour werden die freigelegten Funde sowie die neuesten Erkenntnisse präsentiert, bevor sie wieder unter der schützenden Erde „verbuddelt“ werden. Gezeigt wird der originalgetreue Nachbau eines römischen Reisewagens. Kleine Besucher dürfen als „Archäologen“ in einer Sandkiste arbeiten. Michael Kuhn wird aus dem dritten Teil seines Buchs „Marcus - Soldat Roms“ lesen.
Römervilla
Bereits 1894 wurden die ersten Ausgrabungen der Römervilla bei Blankenheim durchgeführt. Wetter - und Touristen - setzten den freigelegten Mauerresten jedoch schwer zu. Um die Überreste des ehemaligen Landgutes zu schützen, bleiben sie im Erdreich verborgen. Die Struktur und die Ausmaße des 250 mal 120 Meter großen Areals werden künftig veranschaulicht. Dazu wurde ein Architektenwettbewerb ausgelobt, dessen Ergebnisse vor Ort präsentiert werden. Ebenso wird eine Animation das einstige Aussehen der Villa veranschaulichen. Auch der Grundriss wird abgesteckt. Angharad Beyer bietet römische Spiele und eine römische Modenschau an.
Steinbruch und Kalkwerk
Mit 390 Millionen Jahren sind die Kalksteine im Steinbruch bei Kronenburg die ältesten Elemente der Tour. Die Fossilien können die Besucher mit Hilfe fachkundiger Geologen bestimmen. In begrenztem Umfang können sie diese selbst aus Schutt herausklopfen. Zudem werden Fossilien mit Essig aus dem Gestein gelöst und bearbeitet.
1890 baute Peter Brandenburg nahe dem Steinbruch einen Ofen, in dem der Kalk gebrannt wurde. Später kamen ein zweiter Ofen und eine Mühle mit Abfüllanlage hinzu. Sein Urgroßenkel Walter Brandenburg wird durch die Mühle führen. Die Eifelvereins-Ortsgruppe wird dazu Suppe anbieten.
Wildenburg
Kräuter spielen auch auf der Wildenburg bei Hellenthal eine Rolle. Durch den nach historischem Vorbild angelegten Kräutergarten wird es Führungen geben. Auch Hexenturm und Verlies dürfen besichtigt werden. Dazu erzählt Dr. Rita Voltmer von den Hexenverfolgungen, die im 17. Jahrhundert auf der Wildenburg massiv betrieben wurden. Wie man aus historischen Pflanzenresten archäologische Erkenntnisse ziehen kann, weiß Silke Schamuhn. Kinder dürfen Lavendelbeutel basteln. Dazu gibt es Kräutergerichte aus der Burgküche.
Stiftskirche
Die Stiftskirche St. Chrysanthus und Daria in Bad Münstereifel wurde zwar im Mittelalter erbaut, doch auch hier findet sich eine Verbindung zur Römerzeit. Säulen, Altarplatte und Fensterbänke wurden aus Kalksinter gefertigt, der sich in der römischen Wasserleitung abgelagert hatte und daher auch „Aquäduktmarmor“ genannt wird. Auf dem Programm stehen Führungen durch Kirche, Krypta und Schatzkammer. Kinder finden heraus, was sie „im Schilde führen“ und gestalten (Schild-) Wappen. Kräuterpädagoginnen bieten Leckereien aus und mit Kräutern an.
Eisenhütte
Erstmals 1438 wurde die Eisenhütte in Oberhausen erwähnt. Nach der Einstellung des Hüttenbetriebs 1870 wurde dort eine Fabrik für landwirtschaftliche Gabeln erbaut, die nach dem Zweiten Weltkrieg abgerissen wurde. Erhalten sind Fachwerkhäuser der Arbeiter und das Reidtmeisterhaus. Historische Unterlagen zeugen am 3. Oktober von der Nutzung der Gebäude. Während Dr. Karlheinz von den Driesch Kamin- und Takenplatten zeigt, wird Felizius Poth mit den Kindern Ofenplattenmotive aus Gips gießen.
Die einzelnen Stationen der Archäologietour Nordeifel 2010 und das Rahmenprogramm stellt die Rundschau in loser Folge ausführlich vor.
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