Von Gregor Ritter, 04.09.10, 07:03h
Zweiter Ortstermin, gegenüber der B 264, wenige hundert Meter entfernt: Dort verläuft eines der ebenso eigentümlich gefärbten Rinnsale, die in das Becken münden. Und dort haben Schnütgen-Weber und Parteikollege Bernd Krings eine Bodenprobe entnommen und von einem unabhängigen Labor analysieren lassen. Für Schnütgen-Weber ist ein Befund alarmierend: Der Cadmiumgehalt überschreitet mit 2,28 Milligramm pro Kilogramm Erde den Grenzwert der Klärschlammverordnung. Cadmium definiert das Umwelt Analyse Zentrum Reblu in Filderstadt als giftiges Schwermetall, das Enzyme der Pflanzen blockiert und Stoffwechselstörungen hervorruft. Bei einer zweiten Probe rund 1,5 Kilometer weiter nordöstlich stießen die Grünen auf einen Cadmium-Wert, der zumindest überdurchschnittlich ist.
Für die Grünen ist die Verfüllung des früheren Tagebaus Berrenrath Ursache der Belastung von Wasser und Böden. Durch Niederschläge gelangten die Schadstoffe von dort über Gräben in das Regenrückhaltebecken in Türnich, und bei viel Regen weiter in die Erft. Unbehandelt, und das seit Jahrzehnten, so die Grünen. Zunächst fordern sie, den ihrer Ansicht nach hoch belasteten Schlamm in dem Becken in Türnich komplett auszukoffern und zu entsorgen. Die große Lösung jedoch müsse sein, alle Wässer, die von der Berrenrather Börde in Richtung Westen fließen würden, zu kanalisieren, damit der Boden nicht verseucht werden könne. Ferner müsse das Wasser behandelt werden, um den pH-Wert zu normalisieren. Ein kostspieliges Unterfangen, für das aus Sicht der Grünen RWE aufkommen müsse.
Das Rückhaltebecken ist jedoch rechtlich noch eine Grauzone - oder, wie Franz-Josef Claßen, Abteilungsleiter Stadtentwässerung der Stadt Kerpen, sagt: „Im Moment liegt es im Nirvana.“ Soll heißen, dass nicht geklärt ist, wer die Bewirtschaftung des Reliktes aus dem Braunkohlentagebau zu übernehmen hat. Auf Initiative der Stadt und mit finanzieller Unterstützung von RWE, so Claßen, sei eine Diplomarbeit an der Uni Bochum in Auftrag gegeben worden, die zunächst die technischen Belange des Beckens beleuchten soll - etwa, ob es in Zukunft überhaupt gebraucht werde. Dafür würden auch Wasser- und Bodenproben entnommen. Erste Ergebnisse erwartet Claßen zum Ende des Jahres. Anhand von lediglich zwei Bodenproben auf eine generelle Belastung zu schließen, wie es die Grünen tun, ist für ihn systematisch nicht tragbar. „Das ist wie die Nadel im Heuhaufen.“ Wo allerdings die Schwermetalle herkommen, ist für ihn ein „Mysterium“.
Als Verschleppung des Problems wertet Schnütgen-Weber, die seit mehr als vier Jahren das Problem anprangert, das Warten auf wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Diplomarbeit. Schließlich habe eine Abhandlung des Wissenschaftlers Frank Wisotzky, der an der Uni Bochum lehrt, bereits 1994 ergeben, dass die Wässer unter anderem mit Kobalt, Nickel und Zink belastet seien. Schnütgen-Weber: „Für uns ist das ein Umweltskandal“.
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