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Studenten als KVB-Fahrer

Mit 652,5 PS durch Köln

Von Milena Reimann, 03.09.10, 22:15h

Elf Studenten haben ihn jetzt endlich: den Führerschein. Nicht für's Auto, sondern für die Stadtbahn. Sieben Wochen lang wurden sie von den KVB ausgebildet - als flexibles Personal für besondere Betriebstage.

Michele Müller
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Für gut elf Euro pro Stunde setzt sich Michele Müller ans Steuer der KVB. (Bild: Gauger)
Michele Müller
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Für gut elf Euro pro Stunde setzt sich Michele Müller ans Steuer der KVB. (Bild: Gauger)
Köln - Der Fuß zuckt noch, immer wenn Michele Müller bremsen will. Das Pedal ist aber nur zum Klingeln da. Dass in dieser Führerkabine alles anders ist als im Auto, muss die 21-Jährige noch verinnerlichen. Seit gestern hat die Lehramtsstudentin aber ihren Führerschein - und damit einen neuen Nebenjob: Sie ist Stadtbahnfahrerin.

Flexibles Personal für besondere Betriebstage

Mit ihr zusammen fangen acht Studenten und zwei Studentinnen bei den Kölner Verkehrs-Betrieben (KVB) an. Sieben Wochen lang wurden die elf jungen Fahrer theoretisch und praktisch ausgebildet. „Wir wollen flexibles Personal für besondere Betriebstage haben, da bieten sich Studenten an“, sagt KVB-Vorstandssprecher Jürgen Fenske. Bei Fußballspielen, Messen und anderen Großveranstaltungen brauche man zusätzliches Personal. Weil die Linien 1 und 9 unter anderem an Messe und Stadion vorbeiführen, wurden die neuen Fahrer gerade für diese Strecken ausgebildet.

Für gut elf Euro pro Stunde lenkt Michele Müller ab Montag mindestens zwei Jahre lang Bahnen durch die Stadt. Maximal 20 Stunden pro Woche dürfen die Studenten „ans Steuer“. Besonders stolz macht es Müller, dass sie so die Fahrer-Tradition ihrer Familie unterstützt: „Ich bin als Kind im Bus meiner Mutter mitgefahren und hatte ein Reisebett im Lkw meines Vaters.“

Dass sie dabei mit 652,5 PS das leistungsstärkste Gefährt lenkt, stört ihre Familie nicht. „Meine Mutter ist stolz, und meine Oma freut sich schon, die Dienstkleidung zu sehen.“ Bluse, Pullunder, Halstuch und Dienstmütze sind zwar nicht ganz ihr Stil, aber: „Ich hatte schon schlimmere Dienstkleidung“, sagt die Studentin, die bereits Verkäuferin im Supermarkt, beim Bäcker und an der Tankstelle war. So finanziert Müller ihr Studium.

Der Job hat aber auch Schattenseiten: Rund 700 Unfälle, meist kleinerer Art, verzeichnen die KVB jedes Jahr. In einer von Müllers Ausbildungswochen haben sich gleich drei Menschen vor eine Bahn geworfen. „So etwas bekommt man sonst gar nicht mit“, sagt sie und runzelt die Stirn. Einen Menschen zu überfahren, das ist ihre Horrorvorstellung.



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