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Chorgemeinschaft

„Johann, ich gründe einen Gesangverein“

Von Horst Breiler, 04.09.10, 07:06h

In diesem Monat feiert die Chorgemeinschaft Zanders Bergisch Gladbach ihr 125-jähriges Bestehen. Die BLZ stellt die Geschichte des Chors und seiner Gründerin in einer dreiteiligen Serie vor.

Bergisch Gladbach - Wann genau die musikbegeisterte Unternehmerin den Entschluss fasste, einen eigenen Chor zu gründen, ist nicht bekannt. Jedenfalls überraschte sie an einem Sommertag des Jahres 1885 bei einem Rundgang durch die Papierfabrik ihren Mitarbeiter Johannes Klein, seines Zeichens Meister an der Satiniermaschine, mit den Worten: „Johann, ich gründe einen Gesangverein. Gib mir deine drei Mädchen dazu.“

Das Trio von der Satiniermaschine stellt sozusagen die Urzelle der späteren Chorgemeinschaft dar, schnell verstärkt durch weitere junge Arbeiterinnen aus der Lumpenkammer, wo sie beim Sortieren populäre Liedchen trällerten.

Maria Zanders, die ihren Ehemann Carl Richard früh verloren hatte (er starb 1870 und wurde nur 46 Jahre alt), leitete das aufstrebende Unternehmen an der Strunde mit Umsicht und Energie. Beide Eigenschaften setzte die ungewöhnliche Frau auch für ihre künstlerischen Ambitionen ein. Sie begründete das bis heute andauernde Mäzenatentum der Zanders-Dynastie und kümmerte sich für die damalige Zeit vorbildlich um die sozialen Belange ihrer Mitarbeiter, was ihr die liebevolle Bezeichnung „Mutter Zanders“ eintrug. „Diese Frau konnte alles, was sie wollte“, berichtete eine enge Freundin.

Schon kurz nach der Rekrutierungsaktion an Meister Kleins Satiniermaschine versammelte die Chefin ihre auf rund 20 schüchterne Damen angewachsene Singgemeinschaft zu wöchentlichen Proben in der großen Halle ihrer Villa, heute die Städtische Galerie Villa Zanders. Bier und Butterbrote, Saft und Obst lockerten die Stimmung auf. Man studierte Volkslieder ein, die Maria Zanders vorsang. Keine der Sängerinnen kannte Noten, die Liedertexte klangen anfänglich sehr mundartlich bergisch, doch an einem Sonntagabend im Herbst gab der Chor sein erfolgreiches Debüt bei einem kleinen Hauskonzert vor geladenen Gästen.

Es könnte der 25. September 1885 gewesen sein; die erst 1907 in Kraft getretene Satzung des Chores weist diesen Tag als Gründungsdatum aus. Maria Zanders pflegte eine enge Freundschaft mit dem ihr geistesverwandten Komponisten Max Bruch, der häufig in ihrem Haus zu Gast war.

Langfristig dachte sie wohl daran, eines Tages die eine oder andere Komposition Bruchs mit einem eigenen Chor aufzuführen. Das ging nur mit einem gemischten Chor, und folgerichtig nahm die durchsetzungsfähige Unternehmerin Kontakt mit dem Dirigenten Jacob Breuer auf, der den einst von Vinzenz von Zuccalmaglio 1845 mit gegründeten Männergesangverein „Liederkranz“ leitete.

Ende 1886 trat das gemischte Ensemble in der Gaststätte Vieten erstmals öffentlich auf, mit anspruchsvollen Quartetten Mendelssohns. Maria Zanders, verborgen hinter Palmen, half ihren Sängerinnen durch Handzeichen bei schwierigen Passagen.

Beide Chöre arbeiteten in den folgenden Jahren fruchtbar zusammen. Anlässe ergaben sich bei Arbeiterfesten, Geburtstagen der Chorgründerin, Familienfeiern im Hause Zanders. Die Aufführungen von Kompositionen von Mendelssohn, Palestrina, Brahms und natürlich Max Bruch dokumentieren das ständig steigende musikalische Niveau. 1892 initiierte Maria Zanders einen gemeinschaftlichen Chor, dem sich die meisten Mitglieder des MGV „Liederkranz“ anschlossen und der nun offiziell als „Cäcilienchor“ firmierte.

Die musikalische Leitung übertrug Maria Zanders dem späteren königlichen Musikdirektor Arnold Kroegel, der sich als ausgesprochener Glücksfall für den jungen Gladbacher Chor erwies. Einen spektakulären Höhepunkt feierte der Cäcilienchor 1895 mit der kompletten Aufführung von Joseph Haydns Oratorium „Die Jahreszeiten“. Otto Neitzel, Musikkritiker der Kölnischen Zeitung, schrieb damals: „Diese Gladbacher wären wahrhaftig wert, im Gürzenichsaale den verwöhnten Kölnern einmal zu zeigen, was richtige Leistung und guter Wille vermögen.“

Maria Zanders erlebte noch die festliche Einweihung des Mariensaals im Oktober 1904, des nach ihr benannten Konzertsaals im neu erbauten Bergischen Löwen mit zwei Konzerten, in denen Werke von Beethoven, Max Bruch und Mozart aufgeführt wurden. „Die Einweihung des Mariensaals bedeutet für die Stadt den Aufbruch einer neuen Zeit“, schrieb die Heidersche Zeitung. „Schon rüstet sich die unermüdliche Protektorin des Cäcilienchors zu neuen künstlerischen Taten.“ Dazu kam es nicht mehr. Maria Zanders starb wenige Wochen später am 6. Dezember 1904.



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