Von Peter Jakob Klein, 07.09.10, 07:00h
Paul Greven ist Bildhauer, Maler und vor allem ein Mensch, der sein Repertoire noch nicht „ausgespielt“ hat, wie er sagt. Am 18. und 19. September präsentiert er beim „8. Honerather Skulpturen Symposion“ (siehe Kasten) seine neu geschaffene „Galerie im Ziegenstall“. Das Ganze versteht sich nicht nur als Werkschau von insgesamt sechs Künstlern, sondern ist auch eine Hommage an das Lieblingstier des Mannes, „der mit der Ziege schmust“.
In seiner Wahlheimat im Bad Münstereifeler Höhengebiet residiert der gebürtige Eschweiler und in Berlin und Köln gereifte Künstler in einem 400 Jahre alten Bauernhof. Der „Kunsthof Greven“ weckt mit seinen bis in den First drapierten Skulpturen die Neugier des Besuchers. Hier hat Paul Greven mit seiner Gattin Rita seinen Traum des Zusammengehens von Kunst und Leben verwirklicht.
Die dargestellten Objekte sind bodenständig. Seine Hinwendung gilt den Pflanzen, den Tieren und dem Menschen, „wobei die Reihenfolge zweitrangig ist“, wie er betont. Greven liebt und achtet seine Umwelt als Gesamtheit und gibt ihr in seinen Skulpturen Gestalt. Über Jahrzehnte haben die Grevens ihren Wohn- und Ateliersitz in Eigenleistung hergerichtet.
Aus der zerfallenen Denkmal geschützten Hofanlage wurde zunächst ein Wochenend-Domizil. Seit 2001 leben und arbeiten die Eheleute ausschließlich in Honerath. Er ist der Künstler; sie „Muse, Geliebte, Sportskameradin und meine Managerin“, räumt Greven schmunzelnd ein.
Die bauliche Herrichtung des Hofs brachte als bemerkenswerte Blüten eine Reihe von „Nebenanlagen“ hervor. Die Scheune wurde zum Hof-Museum umgestaltet. In sechs Bildern mit lebensgroßen Figuren sind Charaktere, Tiere und Situationen dargestellt, die Grevens Leben und Schaffen beeinflusst haben. Da geben sich als Personen der Zeitgeschichte Gandhi, van Gogh, Goethe oder Brecht ein Stelldichein. In einem anderen Raum ist eine bäuerliche Großfamilie zu sehen, die ihr reichhaltiges Sonntags-Essen zelebriert.
An anderer Stelle, im „Rheinischen Zimmer“, ist es der ehemalige Kölner Oberstadtdirektors Kurt Rossa, bis zu seinem Tod Freund und Förderer der Grevens, der die Szene beherrscht. Alle Figuren sind aus einem Pappmaché-Leim-Gemisch hergestellt und bunt angemalt. Zuvor hatte Greven mit einem Wandfries die Eifeler Bäuerinnen und Bauern in Szene gesetzt. Das monumentale Wandbild ziert mit seinen zwanzig lebensgroßen Figuren die Atelierwände des Künstlers.
Im Außenbereich des Hofs hat Greven „Träume Wirklichkeit werden lassen“. In seinem „Theatro Paolo“ gastieren regelmäßig renommierte Künstler vor ausgesuchtem Publikum. Seine Lebenspyramide, die anstelle von Steinquadern aus massiven Holzstämmen und Erde aufgeschichtet wurde, dokumentiert die Achtung des Künstlers vor den Baukünsten vergangener Epochen.
Eine mit Steinplatten gedeckte Klause - als Refugium zur inneren Einkehr gedacht - und eine aus Pflanzen gestaltete „Eifel Arche“ sowie ein Ziegenturm und -stall komplettieren das Außengelände.
Greven war Jahre lang Hirte einer stattlichen Ziegenherde. Diesen gemeinhin als bockig geltenden Hornträgern setzte der Künstler mit den beiden Bauwerken ein Denkmal. „Ich musste die Herde aufgeben. Aus zeitlichen und organisatorischen Gründen“, trauert der „Ziegen-Versteher“ seinen Lieblingstieren nach. Die drei ältesten Exemplare leben heute auf einem Gnadenhof. „Wenn ich sie besuche, wird der Abschied regelmäßig zum Trauerspiel“, bedauert er. Im Andenken an seine Lieblinge baute er deren einstigen Stall zur Galerie um.
Nach dem Motto „wer rastet, der rostet“, treibt der 75-Jährige sein neuestes Projekt voran. Mit „Hallo Neuseeland - Hallo Rheinland“ will er den Welt umspannenden Charakter der Kunst veranschaulichen. Auf dem Grund eines sechs Meter tiefen und im Durchmesser 20 Meter messenden Erdloches will er Kontakt zu den Maori-Ureinwohnern auf der anderen Seite der Erde aufnehmen. Persönliche Kontakte zum Kulturrat in der neuseeländischen Stadt Nelson sind bereits geknüpft. Ob die Maoris am anderen Ende der Welt Greven dank der Erdbohrung hören können, bleibt abzuwarten. „Es wird eine laute Stimme nötig sein“, schmunzelt der Künstler.
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