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Brings bei Musikmeile

„Musikmeile soll Maßstab werden“

Von Oliver Tripp, 07.09.10, 07:00h

Das „Zugpferd Brings“ sollte auch diejenigen nach Bedburg holen, die ein Programm mit hervorragenden, wenngleich unbekannteren, Musikern nicht gelockt hätte, sagt Kirchenbauer, der Initiator der Bedburger Musikmeile. Ein Plan, der aufgeht.

Peter Brings
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Dunkle Brille und Schweiß auf der Stirn: Brings-Frontmann Peter Brings sang für die Fans bis zum Abendrot. (Bild: Tripp)
Peter Brings
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Dunkle Brille und Schweiß auf der Stirn: Brings-Frontmann Peter Brings sang für die Fans bis zum Abendrot. (Bild: Tripp)
BEDBURG - „Der Sommer liegt in den letzten Zügen“, schwärmt Peter Brings und blinzelt hinter der dunklen Sonnenbrille im Gegenlicht der tief stehenden Sonne tausenden von Zuhörern entgegen. Die Schweißtropfen im Gesicht zeugen an diesem frühen Samstagabend allerdings vom ungebrochenen Einsatz, den der Frontmann der Rockgruppe Brings an den Tag legt, zum großen Vergnügen der jubelnden Fans auf dem Schlossparkplatz.

Die Rocker bringen ein „Wir wollen niemals auseinandergehen“ in atemberaubender Ska-Punk-Variante oder bewährt Selbstgemachtes wie ihren Klassiker „Poppe, Kaate, Dance“ und die aktuelle Single „Halleluja“. „Wollt ihr uns tanzen sehen? Wollt ihr uns nackisch sehen“, fragt Peter Brings die Zuhörer und erntet vielfach begeisterte Zustimmung. Na gut, ausgezogen haben sie sich dann doch nicht. Aber was ein Fan vom Konzert der Kölschrocker erwartet, inklusive Autogrammstunde, geht an diesem Abend in Erfüllung.

Dann ist es Dieter Kirchenbauer, der mit seiner Band „Hard Days Night“ Lieder wie „Get back“ oder ein Stones-Medley anstimmt. Er jongliert seine weiße Gitarre, spielt sie hinter dem Kopf, wirft sie in die Höhe oder läuft durch den Orchestergraben und geht auf Tuchfühlung mit dem Publikum.

Zuhörer erweisen den Musikern Respekt

Um 20 Uhr ist erst mal Schluss auf der großen Bühne. „Mit Absicht“, verrät Dieter Kirchenbauer, der Initiator der Bedburger Musikmeile, der immerhin sechsten in jährlicher Folge. Das „Zugpferd Brings“ sollte auch diejenigen nach Bedburg holen, die ein Programm mit hervorragenden, wenngleich unbekannteren, Musikern nicht gelockt hätte, sagt Kirchenbauer. Ein Plan, der aufgeht. Auf bis zu 3000 Zuhörer schätzt Kirchenbauer die Menge der Menschen auf dem Parkplatz am Schloss. Und als dort die Musik schweigt, ziehen die meisten Menschen Richtung Innenstadt, denn hier gehen jetzt die Konzerte in den Kneipen und auf Openair-Bühnen in der Altstadt los.

Mit Brings wollte Bürgermeister Gunnar Koerdt gar die 10 000er-Grenze knacken. „Die Musikmeile Bedburg soll der Maßstab für solche Veranstaltungen werden“, gibt sich Bedburgs Bürgermeister ehrgeizig.

Menschentrauben bilden sich an den Imbissstuben, am Bistro „For you“ schmettert Franco ein „O sole mio“, die Countrysängerin Jolina Carl singt zwischen „Kaffeebohne“ und „Ole-Ole“ solo zur Gitarre, Oldie-Coverbands spielen Hits von Santana über Police bis Clapton und Cream. Das Duo „Just for now“ kämpft an der Bedburger Mühle mit den Lautsprechern, um laut genug in der tönenden Menschenmenge seine „Ode an den Sommer“, Soul und Jazz, rüberzubringen.

Im Garten der Kampfsportschule Kyonggi, auf dicken, hölzernen Dielen und unter dem Schutz eines blauen Partyzeltes sowie von einem Baustrahler ausgeleuchtet, rockt die wohl jüngste Band der diesjährigen Musikmeile, die Newcomer „Untreated“. „Vielleicht die einzige Band der Musikmeile, die selbst komponierte und getextete Lieder vorträgt“, spekuliert Ulf Ericksen, Vater des 17 Jahre alten Bassisten Max. In der Tat singt hier Peter Schlosser selbst gemachte Lieder etwa gegen Rassismus, eine Vertonung von Paul Celans „Todesfuge“ und zitiert auch mal stimmgewaltig aus dem Film „Pulp-Fiction“. Sein Freund Christian fühlt sich an den frühen Punkrock der 1970er Jahren erinnert.

Später lauschen hier die Zuhörer andächtig der schönen Stimme von Clara Deckstein, die nur vom Gitarristen Sascha Kass begleitet wird. Hier entdeckt der frühere Bassist von Purple Schultz, Hagü Schmitz, selbst Produzent und Komponist, den Respekt der Zuhörerinnen und Zuhörer vor den Musikern, den er, wie er sagt, an vielen anderen Orten vermisse. Er kritisiert: „Die Musiker, die eigentlich im Mittelpunkt stehen sollten, werden in vielen Kneipen als Kanonenfutter für den guten Umsatz verheizt. Da geht es vielfach zu wie in den Kirmeszelten, keiner hört mehr zu.“ Dabei spielten die meisten der Musiker für ein schmales Honorar, aber auch bei denen müsse am Ende des Monats die Kasse stimmen, bricht der Musikproduzent eine Lanze für die Musiker.



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