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Erzieher

„Das Basteln ist nicht ganz so mein Ding“

Von Lara Hunt, 08.09.10, 07:00h

Michel Kilian heißt der einzige männlicher Erzieher in der Kindertagesstätte Don Bosco in Wipperfürth. Der 24-Jährige hat gerade seine Ausbildung abgeschlossen und arbeitet seit vier Wochen in der Einrichtung.

WIPPERFÜRTH - Christa Blumberg freut sich. „Wann findet man schon mal einen männlichen Erzieher?“, fragt die Leiterin der Kindertagesstätte Don Bosco in Wipperfürth. Sie spricht von Michel Kilian. Michel heißt er, wie der Michel aus Lönneberga aus den Astrid-Lindgren-Büchern. Ob der Name wohl ausschlaggebend für die Berufsentscheidung war?

Auf jeden Fall hat der 24-Jährige gerade seine Ausbildung zum Erzieher abgeschlossen und arbeitet seit vier Wochen in der Wipperfürther Kindertagesstätte. Dabei ist sein Beruf für einen Mann immer noch ungewöhnlich: Laut Familienministerium lag der Anteil männlicher Mitarbeiter in deutschen Kitas 2008 bei gerade drei Prozent.

„Für mich stand auch nicht von Anfang an fest, dass ich Kindergärtner werde“, erklärt Kilian. Lange trainierte er eine Jugendfußballmannschaft. Nach der Schule war ihm klar, dass er etwas im sozialen Bereich machen wollte. Seinen Zivildienst absolvierte er in einem Behindertenheim. „Ich fand es dort toll, es hat mich aber nicht erfüllt“, beschreibt der Wipperfürther seine dortige Arbeit. Nach einigen Praktika - unter anderem auch in dem Kindergarten, in dem er jetzt arbeitet - entschied er sich zur Ausbildung zum Erzieher. „In meinem Freundes- und Familienkreis haben das auch einige gemacht und es macht mir Spaß.“

Und wie ist das, als einziger Mann unter Frauen? „Es gibt Schlimmeres“, sagt der Erzieher. Unterschiede zu den weiblichen Erzieherinnen bemerke man aber doch: „Wir haben verschiedene Interessen. Basteln und Kreatives sind nicht so mein Ding.“ Er verlege sich lieber auf das Bauen, Handwerken und Sport.

Bisher ist der Kindergärtner sowohl von Kollegen wie auch von Eltern immer positiv aufgenommen worden. Angst vor Ablehnung vonseiten der Eltern sei allerdings schon manchmal da: „Man hört ja schon von Einigen, die Vorurteilen gegen Männer in dem Beruf ausgesetzt waren.“

Auch Erzieherin Vera Pichler freut sich über den neuen Kollegen: „Endlich haben wir jemanden, auf den wir die handwerklichen Dinge abwälzen können“, lacht sie. „Aber im Ernst: Ich denke, es ist besser für die Kinder. Endlich ist mal ein Mann da. Und man merkt, dass einige Kinder eher auf ihn zugehen.“

Ganz allein unter Frauen

Laut Statistik des Familienministeriums halten es mehr als die Hälfte der Eltern und rund drei Viertel der Kindergartenleitungen und Trägerverantwortlichen für wichtig, dass Kinder von männlichen und weiblichen Erziehern betreut werden. 2008 gab es in NRW 70 829 Fachkräfte in Kindertagesstätten. Nur 1819 davon waren Männer.

Wird es Kilian ganz allein unter Frauen und Kindern nicht doch manchmal zu viel? Er schüttelt den Kopf: „In jedem Beruf ist es stressig, aber die schönen Momente gleichen es aus.“



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