Von Claudia Roberz, 08.09.10, 07:00h
Seit einem Jahr lernt sie das Handwerk bei Wynand van Zyl, der den Friseur-Salon „Haar Wandel“ in Kommern führt.
Stephanie Bartsch ist eine von drei weiblichen Auszubildenden in dem Kommerner Betrieb. Wenn sie von ihrer Ausbildung spricht, strahlt sie über das ganze Gesicht. Die Engelgauerin hat ihren Traumberuf gefunden, das merkt man sofort. Und sie ist auch richtig gut in ihrem Metier. Bartsch hat als eine von zwei Schülerinnen die erste Gesellenprüfung mit einer derart guten Note bestanden, dass sie ihre Ausbildungszeit um ein halbes Jahr verkürzen könnte.
„Aber das werde ich nicht machen. Den Stoff eines Jahres innerhalb von sechs Monaten zu lernen, ist mir zu stressig“, sagt die 22-Jährige.
Dass sie auch in der Praxis eine hervorragende Leistung bringt, kann Wynand van Zyl nur bestätigen. „Stephanie hat schon ihren eigenen Kundenstamm. Außerdem ist sie für die Produkte einer bestimmten Marke verantwortlich. Sobald Nachbestellungen nötig sind, erledigt sie das selbstständig“, lobt van Zyl.
Dass sie beruflich einmal etwas Kreatives machen wollte, war der jungen Frau schon recht früh klar. Nach der Schule besuchte sie zunächst eine Kosmetikfachschule. „Ich wollte unbedingt einen Beruf lernen, in dem ich das Beste aus den Leuten herausholen und in dem ich meine Kreativität ausleben kann“, berichtet Stephanie Bartsch.
Nach der Kosmetikschule war zunächst Schluss in Sachen Berufsausbildung. Bartsch bekam ein Kind und machte eine einjährige Babypause. Dann begann sie ihre Friseur-Ausbildung. „Mit den beiden Ausbildungen, also Kosmetikerin und Frisörin, sind die späteren Arbeitsmöglichkeiten sehr gut. Da gibt es einige Auswahl.“
Doch mit ihrer ersten Ausbildungsstelle war sie alles andere als zufrieden: „Da durfte ich eigentlich gar nichts machen“, blickt die 22-Jährige zurück. Dass sie schließlich zu Wynand van Zyl nach Kommern kam, war ein glücklicher Zufall. Eine Kollegin des ersten Ausbildungsbetriebs hatte sich hier beworben - und Stephanie Bartsch gleich mitgenommen. Für die war dieser Wechsel ein echter Glückstreffer. „Als Azubis dürfen wir hier richtig viel machen. Ich habe schon meine eigenen Kunden, die nur von mir bedient werden. Hier kann ich meiner Kreativität endlich freien Lauf lassen.“
Ob schneiden, Strähnen ziehen oder färben, die Engelgauerin macht alles gerne. Sie hat da keine besonderen Vorlieben. Doch was macht der Friseur, wenn er es mit einem beratungsresistenten Kunden zu tun hat, der einen ganz bestimmten Haarschnitt möchte und die Fachfrau weiß, dass das bei den Haaren nicht gelingen kann? „Damit umzugehen, lernen wir im Betrieb und in der Schule. Kundenmanagement ist eine Sache, auf die dort großen Wert gelegt wird. Da lernt man auch, den Kunden zu überzeugen“, erklärt Stephanie Bartsch.
Mit ihrer Klassenlehrerin Ute Richarz, die das Berufskolleg verlässt, hatte Bartsch Glück. „Sie konnte uns die Theorie so vermitteln, dass wir das gleich in der Praxis umsetzen konnten. Da merkte man sofort, dass Frau Richarz aus der Praxis kommt und jahrelang einen eigenen Salon hatte.“ Ute Richarz ist auch Prüfungsvorsitzende der Friseur-Innung.
Ein Praktikum
als Rüstzeug
Was würde Stephanie Bartsch jungen Frauen und Männern empfehlen, die den Friseur-Beruf erlernen wollen? „Sie sollten auf jeden Fall vorher einige Praktika absolvieren. Nur so lernen sie den Alltag kennen. Sie müssen sich darüber im Klaren sein, dass das kein leichter Beruf ist, weder was den Lernstoff noch die körperlichen Anstrengung betrifft. Man ist jeden Tag acht Stunden auf den Beinen, das ist nicht jedermanns Sache.“ Zudem werde kaum noch ein Azubi eingestellt, der dem Chef nicht aus einem Praktikum bekannt ist.
Wie wird es für sie nach der Ausbildung weitergehen? „Früher hätte ich mir sehr gut vorstellen können, als Maskenbildnerin zu arbeiten. Doch mit einem Kind ist das nicht so leicht zu bewerkstelligen. Im Moment könnte ich mir durchaus vorstellen, Dozentin zu werden.“
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