Von Lars Heyltjes, 08.09.10, 07:06h
„Entschuldigt hat sich bei mir niemand“
Bei genauerer Durchsicht des mehrseitigen Schreibens stellte der 74-Jährige fest, dass er bei dem Anbieter „1 & 1“ einen Vertrag abgeschlossen haben soll. Den Überweisungsträger ignorierte der Schildgener: „Ich habe erst gedacht, das sei eine dieser Forderungen, vor denen man immer gewarnt wird.“ Viele „Abzocker“ nutzen aus, dass ältere Menschen solche Rechnungen eingeschüchtert begleichen. Schulden haben bei ihnen noch einen ganz anderen Stellenwert als bei Jüngeren. Anstatt sie als notwendiges Übel zu betrachten, möchten viele Angehörige der älteren Generation grundsätzlich schuldenfrei sein und bleiben: „Eine Anfrage bei der Schufa hätte dem Inkasso-Unternehmen bewiesen, dass ich noch nie jemandem Geld schuldig geblieben bin“, so Meier.
Als seine Tochter Kathrin sich mit dem Thema befasste, klingelten bei ihr die Alarmglocken. Sie machte ihren Vater darauf aufmerksam, dass es sich bei „1 & 1“ um eine seriöse Firma handele und die Forderungen ernst zu nehmen seien. Nachbarin Anni Lauhoff schaltete sich ein. Sie hat einen Vertrag bei dem Provider und ist zufrieden: „Ich habe dort eine Hotline angerufen und mich für Anton Meier beschwert.“ Sofort verband man Lauhoff mit der zuständigen Stelle, die sich den Fall schildern ließ. Die Firma reagierte und nannte die nötigen Schritte für einen erfolgreichen Einspruch.
Per eidesstattlicher Erklärung versicherte Meier, keine Leistung in Anspruch genommen zu haben. Die Erklärung schickte der Rentner als Einschreiben an „1 & 1“. Daraufhin stoppte der Anbieter die Arbeit des Inkasso-Unternehmens. Jetzt ist Meier die Forderungen los, die ihn nicht nur Nerven gekostet haben: „Geschätzte 50 Euro bin ich für all die Schreiben und vor allem die Telefonate losgeworden.“
Wie konnte es überhaupt zu dieser Situation kommen? Aus dem Schriftwechsel in Sachen Meier-Rechnung ergibt sich, dass „1 & 1“ vermutet, ein Unbekannter habe sich auf Meiers Namen angemeldet und im Netz den Vertrag abgeschlossen. Eine Rechnung landete nie in Meiers Briefkasten, weil der Betrüger sich diese an seine erschlichene E-Mail-Adresse schicken ließ. Erst als ein gewisser Rechnungsbetrag offen war, schritt „1 & 1“ ein. Meier erstattete Strafanzeige bei der Polizei. Der BLZ sagte er: „Entschuldigt hat sich bei mir niemand.“
Gegenüber den neuen Medien hat sich seine Abneigung aufgrund der Vorfälle nicht gerade verringert. Auch künftig will Anton Meier lieber die Bergische Landeszeitung lesen und sein Radio einschalten, als sich einen Computer anzuschaffen.
Das Unternehmen „1 & 1“, erstmals am Montag von der BLZ telefonisch und schriftlich auf den Fall angesprochen, sah sich bis gestern Nachmittag zu keiner Stellungnahme in der Lage.
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