Von Walter K. Schulz, 08.09.10, 07:06h
„Vom Lausbuben zum Diakon“, schrieb er auf den Einband des Buches, das er schließlich im Selbstverlag herausbrachte und in Indien drucken ließ. Ja, können die in Indien denn so gut deutsch? „Das ist nicht nötig, heute ist alles machbar. Ich habe den Text auf einem Stick mit nach Indien genommen.“ Dort war der Druck ein Teil seiner Indien-Projekte, für die er seit langer Zeit steht.
Marx erlebte jahrelange Bombenangriffe, das Naziregime, Hungerjahre, Kommunismus, mit 13 Jahren flog er von der Schule. Er ging aufs Internat, zur Bundeswehr („aus Überzeugung“), absolvierte 38 Arbeitseinsätze in Südindien.
Er war auch beim Papst im VatikanKarl Marx wurde zum Diakon geweiht, hatte einen Empfang bei Papst Johannes Paul II., und Marx, der auch zwei schwere Krankheiten zu überwinden hatte, erhielt das Bundesverdienstkreuz am Bande. 1937 wurde er in Genthin an der Havel, damals noch Sachsen, geboren. In Merseburg an der Saale verbrachte er seine Kindheit. Als er die Schule verlassen musste, begann er im Klosterinternat eine Schreinerlehre.
Schon als Kind übte sich Marx im Zigarillorauchen. Offenbar prädestinierte ihn das dafür, eines Tages (1964) im Außendienst für die Zigarettenindustrie zu arbeiten und 1972 in einem Tabakwarengeschäft in Köln anzuheuern. 1977 startete er seine bekannten Arbeitseinsätze in Indien.
Der 73-Jährige und seine Ehefrau Dorothea feierten am 28. April 2010 im Familienkreis ihre Goldhochzeit.
Sie hatten 1960 in Minden geheiratet. In Kleineichen bezogen sie ihr erstes selbst errichtetes Eigenheim, das bereits zwei Kinderzimmer hatte. Platz für ihre späteren Kinder Veronika und Andreas.
Der Neu-Autor hat sich Zeit seines Lebens die offene Jugendarbeit auf die Fahne geschrieben. Aus seiner Aktivität ging der „Indienkreis Rösrath-Kleineichen“ hervor. Zuletzt erlebte er jedoch in Indien eine Riesen-Enttäuschung. Das Ehepaar Marx verließ krank das Land. „Wir wurden gemobbt, und das ausgerechnet von einem Mitbruder“, sagt Marx heute. Inzwischen hat er aber schon wieder ein neues Projekt anvisiert.
Sein Fazit: „Von den vierzig Jahren der Jugendarbeit haben Thea und ich selber viel profitiert. So bleibt, jedem Jugendlichen ein aufrichtiges Dankeschön zu sagen. In der Überzeugung, alles in der Ewigkeit zu genießen.“ Und: „Stünde nochmals die Frage an, Diakon zu werden, würde ich sofort Ja sagen. Denn Gott mag auch die Lausejungen.“
Hatte er Erlebnisse mit seinem Namen Karl Marx, dem Namen des kommunistischen Gesellschaftstheoretikers? „Ja, damals bei der Einreise in die DDR.“ Irgendwie gab es Stress, und schließlich mussten die Volkspolizisten schallend lachen, als sie den Namen hörten. Marx sagte, er komme immer mal wieder, um zu überprüfen, „ob auch meine Theorien umgesetzt werden“.
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