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Uedorfer Verbundschule

Kompetenzzentrum als Nahtstelle

Von Jacqueline Rasch, 08.09.10, 23:20h

Die Uedorfer Verbundschule wird im Rahmen eines drejährigen Modellprojektes zum Kompetenzzentrum für sonderpädagogische Förderung. Die Schule leistet etwa Hilfestellung, gibt Rat und entsendet Sonderpädagogen.

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Arbeiten eng zusammen: Markus Schnapka, Gisela Rothkegel und Claus Weidinger (v.l.). (Bild: Rasch)
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Arbeiten eng zusammen: Markus Schnapka, Gisela Rothkegel und Claus Weidinger (v.l.). (Bild: Rasch)
Bornheim-Uedorf - Es gab Zeiten, da hat die Uedorfer Verbundschule ums Überleben gekämpft. Jetzt, da die Bildungseinrichtung mit den Förderschwerpunkten Lernen und Sprache gerade ihr Zehnjähriges feiert, wird sie im Rahmen eines dreijährigen Modellprojektes zum Kompetenzzentrum für sonderpädagogische Förderung - dem einzigen im Kreis. Damit strahlt die Schule auf alle anderen Schulen im gesamten Bornheimer Stadtgebiet aus, knüpft ein Netzwerk, leistet Hilfestellung, gibt Rat, entsendet Sonderpädagogen und vieles mehr. Gestern bekam die Schule, in der 133 Schüler unterrichtet werden, die Anerkennung als Kompetenzzentrum.

„Es gab eine Zeit, da war Behinderung ein Makel. Inzwischen hat sich die Gesellschaft sehr verändert, besonders im Bildungswesen“, erklärte der Bornheimer Sozialdezernent Markus Schnapka in Uedorf. Es gebe zwar ein klares Zuständigkeitssystem, „aber das Menschsein kümmert sich nicht um Organisationsformen“, so Schnapka.

Behinderung gelte nicht als etwas zu Behandelndes, bedeute nicht, „dass eine Minderheit so werden muss wie die Mehrheit“. Das Stichwort Inklusion (siehe Kasten) ist in diesem Zusammenhang eine viel gebrauchte Formel, die laut Schnapka die Integration aber nicht ersetze. Sowohl die einseitige Orientierung an Nichtbehinderten als auch eine Gleichschaltung werde den Schülern nicht gerecht. Diesen Bedarf, diesen Unterrichtsansatz soll jetzt das Kompetenzzentrum Verbundschule füllen.

„Die Landesregierung hat die Inklusion als klares Ziel definiert“, erklärte Claus Weidinger, Schulamtsdirektor für den Rhein-Sieg-Kreis und damit die Schulaufsicht. „Das heißt, die Schule passt sich den Kindern an und nicht umgekehrt.“ Auch daher sei das Interesse an dem bereits 2009 gestarteten Schulversuch so groß gewesen, der zunächst nur 30 Schulen zuließ. 2010 sind noch mal 20 Schulen aufgenommen worden. Grundlage all dessen ist die UN-Behindertenrechtskonvention vom März 2007, die „den Zugang zu einem integrativen, hochwertigen und unentgeltlichen Unterricht an Grundschulen und weiterführen Schulen“ verbrieft und die die Bundesländer umsetzen müssen. „Auch wenn eine Umsetzung an allen Schulen schon aus Kostengründen illusorisch ist“, schränkt Claus Weidinger ein.

Diese Umsetzung übernehmen die Kompetenzzentren: Sie sollen für einen genau definierten regionalen Bereich - in diesem Falle die Stadt Bornheim - die Förderung aller Schüler entsprechend ihres Förderbedarfs koordinieren und sicher stellen. Hier werden alle Kompetenzen der Netzwerkpartner - für Uedorf sind das die Waldschule in Witterschlick und die Johannes-Gutenberg-Föderschule in Bonn - gebündelt, um für jeden einzelnen Schüler, wenn nötig, Förderung zu organisieren.

Das heißt in der Praxis: Sonderpädagogen der Verbundschule sind für zwei Wochenstunden vor Ort in anderen Schulen präsent, bieten Eltern und Lehrern Beratung an. Die Verbundschule ist dabei die Nahtstelle, die nötigenfalls Therapeuten oder den schulpsychologischen Dienst mit ins Boot holt. „Das gesamte Kollegium steht hinter dem Projekt“, so Rektorin Gisela Rothkegel. 16 Lehrer und drei Lehramtsanwärter gehören zum Team. „Die Aufgaben werden auch das Berufsbild des Sonderpädagogen verändern“, weiß Claus Weidinger.

Das über drei Jahre angelegte, wissenschaftlich begleitete Pilotprojekt soll die Rahmenbedingungen schaffen für eine Rechtsverordnung, mit der die Zukunft der Kompetenzzentren gesichert wird. Erfahrungen aus Uedorf fließen im Verbund mit Zülpich und Hückelhoven mit ein.

Um die Bornheimer Bürger für die Pädagogik der Wertschätzung zu interessieren und sie mit einzubeziehen, plant Sozialdezernent Markus Schnapka im Frühjahr einen „Tag der Inklusion“.



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