Schriftgröße

Ausstellung

Lust und Frust bei Reisen in früheren Zeiten

Von Hanna Styrie, 09.09.10, 07:03h

Die Ausstellung „Von Reiselust und Reiselast" im Museum für Alltagsgeschichte führt den Besuchern die verschiedenen Aspekte des millelalterlichen Reisens anschaulich vor Augen. Sie wird am kommenden Sonntag eröffnet.

Brühl - Im Zeitalter des Massentourismus ist nahezu vergessen, wie beschwerlich das Reisen einst war. Im Mittelalter waren es meist wirtschaftliche oder religiöse Interessen, die Kaufleute, Pilger oder Soldaten bewogen, sich zu Fuß oder zu Pferd und später per Kutsche auf den Weg in entfernte Städte zu machen. Fehlende Wegweiser und schlechte Straßen, auf denen man bei Regen und Schnee im Matsch versank, wilde Tiere wie Wildschweine und Bären, aber auch Wegelagerer und Raubritter machten das Reisen zu einer gefährlichen Angelegenheit.

Die verschiedenen Aspekte führt einem die Ausstellung „Von Reiselust und Reiselast" im Museum für Alltagsgeschichte anschaulich vor Augen, die am „Tag des offenen Denkmals" am kommenden Sonntag eröffnet wird. „Kultur in Bewegung - Reisen, Handel und Verkehr" ist das diesjährige Motto, das Jutta Becher als neue Leiterin des Museums gern aufgegriffen hat.

Becher hat nach der Trennung von einem im März eingesetzten jungen Archäologen jetzt die Nachfolge des verstorbenen Denkmalschützers und Gründungsdirektors Günter Krüger angetreten, dessen langjährige Vertraute sie war. Sie hat nicht nur alle seine Publikationen begleitet, sondern kennt auch die Museumsbestände bis ins Detail.

Mit zahlreichen Exponaten aus der hauseigenen Sammlung, die sie um einige Leihgaben aus Privatbesitz ergänzt hat, ist ihr unter Mithilfe von Marie-Luise Sobczak eine ansprechende kleine Ausstellung gelungen. Das durchdachte Zusammenspiel von Objekten, Texten und Abbildungen macht erfahrbar, unter welchen Bedingungen Menschen vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert gereist sind. Mit Kieseln, Pflastersteinen, einem alten Grenzstein und ausgetretenen Schuhen haben die Kuratorinnen einen Reiseweg nachempfunden; verschiedene Stationen widmen sich Einzelthemen wie etwa den Pilgerreisen, den Gefahren des Reisens oder dem Beginn der Vergnügungsreisen, die sich im 19. Jahrhundert etablierten.

Mit einem buntbebilderten Werbeprospekt der Stadt Brühl aus jener Zeit kommt Lokalkolorit in die Schau. Sorgsam komponiert sind die kleinen Stillleben in den Vitrinen, die viel vom Alltag der Reisenden erzählen. Nur die wenigsten hatten es nämlich so bequem wie Johann Wolfgang Goethe, der 1786 nach Italien aufbrach - mit eigener Kutsche, eigenem Bett und einem Koffer, der über ein Extrafach für den Zylinder verfügte. Leider nur als Foto vorhanden ist eine Reisetoilette, mittels derer vornehme Reisende unterwegs komfortabel ihre Notdurft verrichten konnten.

Weltkugel und eine Modelleisenbahn stehen am Ende des chronologischen Parcours - ein Hinweis auf das 19. Jahrhundert, als betuchte Zeitgenossen mit dem Orientexpress nach Istanbul oder mit dem Dampfschiff nach Ägypten aufbrachen.

Die Ausstellung im Museum für Alltagsgeschichte, Kempishofstr. 15, dauert bis zum 11. November. Geöffnet ist Mi 15-18 Uhr, Sa 15-17 Uhr, So 11-17 Uhr. Am Tag des offenen Denkmals finden um 12 Uhr und um 14 Uhr Führungen statt.



Die Kölnische Rundschau im Abonnement erhalten JETZT BESTELLEN!
4 Wochen Rundschau zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%.

Newsticker


Anzeige


Bildergalerien


Veranstaltungssuche

 

Veranstaltungs-Tipps

Manic Street Preachers

22. April 2012,
E-Werk Köln

 

Kino & Film - Suche


Rundschau-Service


RHEINLAND WETTER


Rundschau-Forum


Rundschau-Service


Extra


Top-Links (Anzeige)


Lokalsport



Extra


Dienste