Von Bernd F. Hoffmann, 09.09.10, 07:03h
Glücklicherweise nur ein Szenario. Aber eines, das Norbert Tillenkamp, stellvertretender Kreisbrandmeister im Rheinisch-Bergischen Kreis, Kopfzerbrechen macht. „Wir hoffen jeden Tag, dass dort nichts passiert“, sagt Tillenkamp. Denn bei einem Brand im Eisenbahntunnel stünden die Feuerwehrkräfte aus Rösrath und Lohmar bei ihren Rettungsversuchen vor erheblichen Problemen: kein Strom, kein Licht, kein Wasser.
„Es herrschen bei einem Tunnelbrand Temperaturen im dreistelligen Bereich. Die Feuerwehrmänner bewegen sich in absoluter Dunkelheit, die Wasserschläuche reichen nur für 30 Meter und der Sauerstoff in unseren Atemschutzgeräten nur für 25 Minuten“, schildert Tillenkamp. Unter diesen Bedingungen kämen die Feuerwehrmänner in dem knapp 1086 Meter langen Tunnel wohl nicht allzu weit.
Nicht die einzige Hürde, die im Ernstfall zu bewältigen wäre. Das Portal auf Hoffnungsthaler Seite ist nur über einen schmalen Waldweg erreichbar, der zudem steil bergab geht. Eine extreme Belastung für die Feuerwehrleute, die auf dem holprigen Pfad ihre ganze Ausrüstung schleppen müssten.
Alternativ könnten die Retter eine Schienendraisine mit vier Schleifkorbträgern einsetzen. Das sperrige Gefährt kann jedoch nur 800 Meter vor dem Tunnel in Höhe des Bahnübergangs Brunsbach aufgegleist werden - wieder verstreichen wertvolle Sekunden. Deshalb fordert die Feuerwehr schon seit Jahren für den Tunnelbereich Licht, Wasseranschlüsse und bessere Zugangsmöglichkeiten.
Bei einer Ernstfall-Übung der Feuerwehrkräfte aus Rösrath und Lohmar im Jahr 2001 bestätigten sich die Befürchtungen. Die Mängel wurden der Bahn mitgeteilt. „Doch passiert ist bisher nichts“, sagt Tillenkamp. Dabei erlebte der Abschnitt zwischen Honrath und Hoffnungsthal in seiner 100-jährigen Geschichte schon einige sehr brenzlige Situationen. Im Jahr 1981 entgleiste ein Eilzug aufgrund eines Erdrutsches kurz nach Verlassen des Honrather Bahnhofs. Ein Lokführer und zwei Fahrgäste wurden leicht verletzt, die anderen rund 80 Passagiere kamen mit dem Schrecken davon. Im Jahr 2006 sorgte dann eine brennende Zeitung, die jemand mitten im Tunnel aus dem Abteil geworfen hatte, für helle Aufregung.
Die Bahn hat das Problem mittlerweile erkannt und den Abschnitt in ihr Nachrüstprogramm für ältere Tunnel aufgenommen. Für 2,4 Millionen Euro soll das Bauwerk mit Fluchtwegen, Trockenlöschleitungen und auf Lohmarer Seite zudem mit einem zentralen Rettungsplatz ausgestattet werden. Das Planfeststellungsverfahren läuft, wie Bahnsprecher Udo Kampschulte mitteilte. „Wenn wir dann das Baurecht haben, könnten wir ab dem Jahr 2012 mit den Maßnahmen beginnen“, so der Bahnsprecher.
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