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Bodendenkmäler

Jahrtausende ausgegraben

Von Dietmar Fratz, 10.09.10, 07:00h

Kaum vorstellbar, dass das irdene Gefäß, das Dr. Wolfgang Gaitzsch, Wissenschaftler beim Titzer Amt für Bodendenkmalpflege, mitgebracht hat, runde 7000 Jahre alt ist. Nun führte er die Mitglieder des Elsdorfer Kultur- und Denkmalausschusses über die Fundstätte.

Grabungsarbeiten
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Vor Ort machten sich die Ausschussmitglieder ein Bild über die Grabungsarbeiten an der Tagebaukante. Bei manchem lebt der Traum vom Museum wieder auf. (Bild: Fratz)
Grabungsarbeiten
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Vor Ort machten sich die Ausschussmitglieder ein Bild über die Grabungsarbeiten an der Tagebaukante. Bei manchem lebt der Traum vom Museum wieder auf. (Bild: Fratz)
Elsdorf - Kaum vorstellbar, dass das irdene Gefäß, das Dr. Wolfgang Gaitzsch, Wissenschaftler beim Titzer Amt für Bodendenkmalpflege, zum Ortstermin mitgebracht hat, runde 7000 Jahre alt ist. Nachdem am vergangenen Samstag beim Tag der Offenen Tür in der Außenstelle der Archäologen in Titz-Höllen das Grabungsfeld vorgestellt wurde, führte Gaitzsch die Mitglieder des Elsdorfer Kultur- und Denkmalausschusses an die atemberaubenden Fundstätten bei Morschenich, einen guten Steinwurf weit außerhalb des Elsdorfer Gemeindegebietes.

Anhand der Ornamente auf dem mitgebrachten Becher, den die Fachleute aus vielen Scherbenteilen zusammengeklebt haben, können die Archäologen das Gefäß in die Zeit der Bandkeramik, rund 5000 Jahr vor Christus, einsortieren. Das Fundstück bewertet Gaitzsch als das bedeutendste aus der Grabungsfläche am derzeitigen Südrand des Tagebaus.

Routinemäßig suchen die Fachleute das Gelände ab, bevor die Bagger des Braunkohlentagebaus mögliche „Bodenschätze“ für immer vernichten. Dabei wurde vor fünf Jahren eine römische Villa rustica gefunden. Bei genauem Hinsehen waren die Römer aber längst nicht die ersten Bewohner. Auf einem Gebiet von neun Hektar lässt sich inzwischen eine ganze Siedlung aus bandkeramischer Zeit, also vor rund 7000 Jahren, nachweisen. 20 Gebäudegrundrisse von Drei-Generationen-Häusern, in denen bis zu 18 Menschen leben konnten, sind anhand von Bodenverfärbungen zu lokalisieren. Dunkle Rechtecke sind als Reste von Holzpfählen zu deuten, die auf einen Grundriss von bis zu 20 mal acht Metern für die Häuser schließen lassen.

Jenseits eines Grabens wurden die Toten bestattet, beinahe täglich werden Grabstellen offen gelegt. Wertvolle Hinweise auf die Geschichte geben Grabbeigaben. So wurden Dechselklingen, jungsteinzeitliche Hobel aus poliertem Stein, gefunden, die als Handwerkszeug der ersten sesshaften Acker- und Viehbauern gelten. Auch ein Brunnen aus der Zeit ist deutlich als dunkler Kreis erkennbar.

Andere Spuren hinterließen die Einwohner in der römischen Kaiserzeit. Auch sie bauten mehrere Brunnen, von einem ist gar eine eichenhölzerne Bekleidung erhalten. Auf eine dichte Besiedlung im Erftland weisen die gefundenen Wegenetze hin. Quer durch das Grabungsfeld verläuft eine untergeordnete Nebenstraße der Via Belgica. Unterschiedliche Straßengräben lassen die Fachleute darauf schließen, dass der unbefestigte Weg einmal verbreitert wurde.

Bagger graben in bedrohlicher Nähe

Beim Blick auf den vorgeschichtlichen Brunnenplatz wird deutlich, dass für eine gute Dokumentation eine enge Zusammenarbeit mit dem Tagebaubetreiber unerlässlich ist: Die Bagger gehen in bedrohlicher Nähe ihrer landfressenden Tätigkeit nach. Gaitzsch lobt die Zusammenarbeit mit RWE Power, das die Grabungsarbeiten technisch unterstütze.

Die Ausschussmitglieder regten an, die Funde, die nach der Auswertung im Bonner Landesmuseum aufbewahrt werden, zu dokumentieren. Auch ein Museum für Elsdorf kam wieder zur Sprache, das schon länger auf der Wunschliste mancher Politiker steht. Gaitzsch wies darauf hin, dass in der jährlichen Publikation „Archäologie im Rheinland“ des Landschaftsverbandes stets aus dem Tagebauumfeld berichtet werde. Auch eine Ausstellung sei denkbar, dafür gebe es jedoch aufwendige sicherheitstechnische Hürden.



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