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Russische Familie

Seit Wochen im Kirchenasyl

Von Heike Hüschemenger, 07.09.10, 11:36h

Seit fast fünf Wochen lebt Goarik Grygorian mit ihren Kindern Kolja und Sonja im Kirchenasyl. Anfang August wollte das Ausländeramt die Abschiebung nach Russland vollziehen, doch die Familie war aus ihrer Wohnung an der Kaiserstraße ins Kirchenasyl umgezogen.

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Ein wenig Zerstreuung im Kirchenasyl bietet Sonja und Kolja das Internet, während ihre Mutter lieber den Fernseher anstellt. (Foto: Krempin)
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Ein wenig Zerstreuung im Kirchenasyl bietet Sonja und Kolja das Internet, während ihre Mutter lieber den Fernseher anstellt. (Foto: Krempin)
Waldbröl - Seit fast fünf Wochen lebt Goarik Grygorian mit ihren Kindern Kolja (19) und Sonja (16) im Kirchenasyl. Sie fühlen sich sicher, denn die von den Gerichten bis zu letzten Instanz verordnete Abschiebung macht vor der Grenze der evangelischen Kirchengemeinde Halt und verschafft den Betroffenen und ihren Helfern Zeit.

Anfang August wollte das Ausländeramt die Abschiebung nach Russland vollziehen, doch die Familie war dank eines einstimmigen Beschlusses des Presbyteriums aus ihrer Wohnung an der Kaiserstraße ins Kirchenasyl umgezogen. Dort leben die Grygorians recht spartanisch und schlafen in einem Raum.

Sie wünschen sich, dass bald alles vorbei ist und, wie die Mutter leise hinzufügt, sie in Waldbröl bleiben können. Ein Fernseher und das Internet bieten ihnen Abwechslung, dazu kommen auch Besuche, die allerdings mit der Zeit seltener geworden sind. Kolja freut sich über die Aufmunterung, wenn ihn sein Freund besucht. Auch seine Schwester wirkt ausgeglichen, auffällig still hingegen ist die Mutter.

Hoffnung auf das Gutachten

Sie wartet ebenso wie der Helferkreis, der die russische Familie mit Lebensmitteln versorgt und betreut, auf wichtige Post: auf ein Attest, das eine in Köln niedergelassene Psychotherapeutin über die traumatisierte Frau erstellt.

Goarik Grygorian hatte Asyl beantragt, da nach ihrer Schilderung ihr Mann von der Mafia getötet und sie und ihre Kinder mit dem Tod bedroht wurden. Jedoch machte sie in den Gerichtsverfahren falsche Angaben über ihre Identität, was aus Furcht vor Nachstellungen geschah, ihr aber die Chance auf Duldung zunichte machte. Die traumatischen Erlebnisse und die Angst der Frau vor russischen Hintermännern können aber, so makaber es klingt, eine neue Chance für die Familie auftun. Denn es geht um die Gesundheit der Mutter und damit um deren Reisefähigkeit.

Hierfür wird zunächst das Attest der Psychotherapeutin benötigt und ans Ausländeramt des Oberbergischen Kreises weitergeleitet, das, so Amtsleiter Rüdiger Brinkmann, diese neuen Erkenntnisse prüft: "Wenn uns ein aussagekräftiges Attest vorliegt, werden wir aller Wahrscheinlichkeit nach eine Begutachtung in Auftrag geben." Mit solchen Begutachtungen wird üblicherweise die Trauma Transform Consult in Köln beauftragt, die psychologisch-psychotraumatische Gutachten für Gerichte und Behörden verfasst. Dabei geht es auch um Aussagen über die Dauer der Reiseunfähigkeit und um Therapiemöglichkeiten.

Inzwischen hat der Waldbröler Hauptausschuss trotz von der CDU geäußerter Bedenken, rechtsstaatlich getroffene Entscheidungen damit in Zweifel zu ziehen, seinen Respekt vor der Entscheidung der Kirchengemeinde bekundet. Gleichzeitig gab der Ausschuss der Hoffnung Ausdruck, dass sich die Dinge für die Familie Grygorian positiv entwickeln.



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