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Schließung der Kunst- und Museumsbibliothek

Geballter Protest

Von Hartmut Wilmes, 08.09.10, 15:42h

Der Freundeskreis der Kölner Kunst- und Museumsbibliothek protestiert gegen die Schließung der Kunst- und Museumsbibliothek. Eine stattliche Unterschriftenliste, in der 115 Institutionen und Einzelpersonen unterschrieben haben, wirde dem Rat übergeben.

Elke Purpus
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Große Unterstützung bekommt KMB-Direktorin Elke Purpus. (Foto Schmülgen)
Elke Purpus
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Große Unterstützung bekommt KMB-Direktorin Elke Purpus. (Foto Schmülgen)
"Banausentum", "Vandalismus", "Barbarei": Drastische Vokabeln wie diese sollen Kölns Ratsmitgliedern bei ihren Haushaltsberatungen in den Ohren dröhnen. Der Freundeskreis der Kölner Kunst- und Museumsbibliothek (KMB) drückt ihnen eine stattliche Unterschriftenliste in die Hand. Darin protestieren 115 Institutionen und Einzelpersonen gegen die aus Spargründen drohende Schließung des Hauses.

"Warum ist es nicht zu verstehen, dass eine Bibliothek nicht wie ein gebrauchtes Auto abgewrackt werden kann?" fragt Siegfried Gohr, der als ehemaliger Direktor des Museums Ludwig um die Stärke der KMB weiß. Stephan Berg, Direktor des Bonner Kunstmuseums, schreibt: "Wer erwägt, eine solche einmalige Institution zur Sicherung des kollektiven kulturellen Gedächtnisses sparbedingt schließen zu wollen, befördert eine systematische Geschichtsvergessenheit."

Als "offenes Zeichen von Barbarei und als eine Absage an Köln als Standort internationalen Kunstgeschehens" sähe man die Schließung am Bonner Uni-Institut für Kunstgeschichte und Archäologie. Das Kunstmuseum Sankt Gallen erklärt den Kölner Verantwortlichen, dass sie nicht nur Gelder zu verwalten, sondern auch Kulturgüter zu bewahren hätten. "Das ist nicht nur ein Schönwetterplaisir!"

Klaus Staeck protestiert im Namen der Berliner Akademie der Künste, Sir Nicholas Serota legt für die Londoner Tate Protest ein. Sowohl im Essener Folkwang Museum wie im Philadelphia Museum of Art rühmt man die unentbehrliche Zusammenarbeit mit der Kölner Einrichtung. Künstler wie Cornel Wachter erwägen kreative Protestaktionen, Markus Eisenbeis (Auktionshaus Van Ham) bekennt sich als regelmäßiger Nutzer, und Lempertz-Kollege Henrik Hanstein meint: "Die Kunstszene ohne KMB ist wie der Dom ohne Gesangbuch." Viele argumentieren auch so wie Ekkehard Mai, der ehemalige Vize-Direktor des Wallraf-Richartz-Museums: "Erst der Einsturz des Historischen Archivs, dann dies? Was will sich diese Stadt noch leisten?"

Im Begleitbrief fasst der Freundeskreis um Damian van Melis, Walther König und Stefan Grohé noch einmal die Argumente gegen die Schließung zusammen. Das unkündbare Fachpersonal müsste von der Stadt anderweitig beschäftigt werden, die Mietverträge sind nicht kurzfristig zu kündigen, und womöglich werden bislang gezahlte Drittmittel (mehr als zwei Millionen Euro von der Deutschen Forschungsgemeinschaft) zurückgefordert. Somit sei die angenommene Einsparsumme von einer Million Euro "rein fiktiv".

Wegen Platzmangels in den anderen Museen sieht man auch eine Verteilung der über 250 000 Bücher und 1000 laufenden Regalmeter an Kleinschriften als illusorisch an. Der "Kölner Bücherschwarm" als Initiative junger Nachwuchswissenschaftler/innen protestiert ebenfalls gegen die Streichung ihres "unverzichtbaren Arbeitsorts".



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