Von Dorothea Hülsmeier, 09.09.10, 16:55h
Nicht mehr nur den in Deutschland bisher als Maler unbeschwerter Straßenszenen und friedlicher Familienidyllen bekannten Bonnard will das Museum präsentieren. "Wir wollen die Modernität und die radikalen Positionen Bonnards zeigen", sagte Museumsdirektor Gerhard Finkh am Donnerstag. Bonnard distanzierte sich schon in jungen Jahren mit der Künstlergruppe "Nabis" (hebräisch für Prophet) von den Impressionisten.
Die moderne Technik der Fotografie beeinflusste wesentlich das Werk Bonnards. Ende des 19. Jahrhunderts gab es bereits handliche Fotoapparate. Damit machte er Schnappschüsse auf den Straßen des Pariser Montmartre. Und wie in beiläufigen Fotos sieht man auch auf seinen Gemälden angeschnittene Personen oder verschwommene Motive. Den Einfluss der populären japanischen Kunst und des Jugendstils verrät Bonnards berühmt gewordenes Plakat "France-Champagne" (1891).
Alltagsszenen und Landschaften tauchte Bonnard vor allem nach seiner "Entdeckung" des französischen Südens in flammend leuchtende, fast rauschartige Farbkompositionen. Ungewöhnlich ist dabei immer wieder seine Perspektive eines distanzierten Beobachters. Eine Straßenszene malt er aus dem Blickwinkel des am Tisch sitzenden Café-Besuchers. Anders als die Impressionisten sieht er "Pflanzenmeere" durch Fenster, die wie eine Barriere oder ein Rahmen wirken. Nicht der Gegenstand, sondern das Bild davon sei für Bonnard wichtig und mache seine Modernität aus, sagt Finkh.
Auch das unbedeutend erscheinende Alltägliche fängt Bonnard ein, die schneebedeckten, grauen Baulücken am Montmartre, vor denen ein mit fröhlich-bunten Plakaten beklebter Bauzaun steht. Die Werke Bonnards wirken nur auf den ersten Blick leicht erschließbar. Beim näheren Hinsehen entdeckt der Betrachter oft gebrochene Perspektiven oder "Randfiguren" wie eine kleine lila Katze in der unteren Ecke des Bildes "Sommerlandschaft bei Vernonnet" (1922).
Höhepunkte der Ausstellung sind Gemälde wie "Das Mittagessen" (1932), in denen die Farben zu explodieren scheinen. Zwei Weltkriege erlebte Bonnard. Dem Optimismus und der Fröhlichkeit der Farben blieb er bis zu seinem Tod 1947 treu.
(dpa)
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22. April 2012,
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