Erstellt 10.09.10, 18:52h, aktualisiert 10.09.10, 18:54h
Der Missbrauchsskandal habe dem Ansehen der Kirche geschadet, sagte der Kölner Kardinal Joachim Meisner am Freitag am Rande eines Medienempfangs in Köln. Das Erzbistum Köln habe alle ihm vorliegenden Verdachtsfälle aufgearbeitet. "Gott sei Dank haben wir aktuell nichts mehr", sagte Meisner der Nachrichtenagentur dpa. Im Erzbistum Köln gebe es vier Fälle, in denen die Opfer noch lebten, mit praktisch allen habe er persönlich und ausführlich gesprochen.
"Und es gibt noch einen Täter, einen Priester, der alles zugegeben hat und bei dem ich nicht weiß, was ich mit ihm anfangen soll", sagte Meisner. Ihn in einer Gemeinde arbeiten zu lassen, sei undenkbar, aber: "Ich kann ihn doch nicht in den Rhein werfen." Barmherzigkeit müsse für alle gelten, auch wenn das manchmal schwer falle.
Im Bistum Aachen wurden zwischen 1945 und 2010 sieben beschuldigte Priester strafrechtlich verurteilt. In einem besonders schweren Fall sei ein Priester, der in den 90er Jahren mehrere Jungen im Bereich Krefeld missbraucht habe, zu vier Jahren Haft verurteilt worden, sagte Bistums-Sprecher, Franz Kretschmann.
Ein strafrechtliches Verfahren sei noch nicht abgeschlossen. Dabei handelt es sich um einen in Südafrika lebenden deutschen Priester, der Selbstanzeige bei der Staatsanwaltschaft Krefeld erstattet hatte. Der Mann ist auch in Südafrika wegen Missbrauchs angeklagt, den er aber bestreitet. 15 angezeigte Missbrauchsbeschuldigungen waren verjährt.
Die Beschuldigungen gegen drei der 24 Priester beträfen Taten in den 90er Jahren bis 2010. Bischof Mussinghoff habe diese Priester ihrer Ämter enthoben und suspendiert. In einem besonders schweren Fall habe habe das kirchenrechtliche Verfahren zur Entlassung aus dem Klerikerstand geführt.
Er empfinde Mitleid mit den Opfern, stellte Mussinghoff fest. Soweit es in seinen Möglichkeiten stehe, werde er dazu beitragen, verlorenes Vertrauen und Glaubwürdigkeit wieder herzustellen. "Dazu gehört, den Opfern Gehör zu verschaffen und ihnen Hilfen zur Verarbeitung des Erlebten und Erlittenen anzubieten", schrieb der Bischof in dem Brief, der am Wochenende in allen Gottesdiensten verlesen wird. (dpa)
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