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Neues Schulmodell

CDU rückt ab vom dreigliedrigen System

Von Wilfried Goebels, 20.12.10, 12:28h

Weil der Hauptschule die Schüler ausgehen, setzt CDU-Landeschef Norbert Röttgen auf eine pragmatische Neuausrichtung der Partei hin zu einem "differenzierten Zweisäulen-Modell". An der CDU-Basis ist der Öffnungskurs allerdings nicht unumstritten.

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Die NRW-CDU stellt ihr neues Schulmodell vor. (Bild: dpa)
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Die NRW-CDU stellt ihr neues Schulmodell vor. (Bild: dpa)
DÜSSELDORF. Die NRW-CDU rückt vorsichtig vom dreigliedrigen Schulsystem ab. Weil der Hauptschule die Schüler ausgehen, setzt CDU-Landeschef Norbert Röttgen auf eine pragmatische Neuausrichtung der Partei hin zu einem "differenzierten Zweisäulen-Modell". An der CDU-Basis ist der Öffnungskurs allerdings nicht unumstritten.

Auf acht Regionalkonferenzen hatte die CDU-Basis über eine neue Schulpolitik diskutiert. Am Samstag zog Röttgen auf einem Bildungskongress mit 200 Delegierten aus Partei und Gewerkschaften eine Zwischenbilanz: Mit dem CDU-Modell wird keine Schulform abgeschafft, aber die CDU öffnet sich weiter für neue Schulstrukturen. Danach soll es neben dem Gymnasium vier Formen von Sekundarschulen geben: Hauptschule, Realschule, Aufbau-Realschule (Verbund Haupt- und Realschule) sowie die Gesamtschule.

Hauptschule soll erhalten bleiben

Die NRW-CDU will die unter Schülerrückgang leidende Hauptschule zwar als eigenständige Schulform erhalten. Wenn Schüler fehlen, kann die Kommune aber auch in größeren Stadtteilen Haupt- und Realschule mit nur 40 Schülern pro Jahrgang zusammenlegen. Damit könne der "Schülerklau" durch Nachbarschulen verhindert werden, sagte CDU-Schulexperte Klaus Kaiser.

Auf der Bildungskonferenz warnte die NRW-Chefin von "Lehrer NRW", Brigitte Balbach, unter lautstarkem Beifall vor einem Abrücken der CDU vom dreigliedrigen Schulsystem. "Das Schulsystem muss wie das Steuerkonzept von Merz auf einen Bierdeckel passen. Sonst versteht das keiner." Zudem wirke die Formulierung "Zweisäulen-Modell" wie eine leise Verabschiedung von Haupt- und Realschule. CDU-Fraktionschef Karl-Josef Laumann glaubt, dass die Menschen die "quälende Debatte über Schulstrukturen" leid sind. Die CDU muss der von SPD und Grünen privilegierten Gemeinschaftsschule aber eine Alternative gegenüberstellen. "Es ist fünf nach zwölf", forderte Röttgen Klartext in der CDU.

Der CDU-Landeschef kündigte an, dass auch die Bundespartei die Bildung 2011 zu einem Schwerpunktthema machen will. "Wir müssen uns klar positionieren." CDU-Schulexperte Kaiser warf Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) vor, mit ihrem konsequenten Kampf für ein privilegiertes "Einheitsschulsystem" Unruhe in die Schulen zu tragen. "Es gibt keine Mehrheit der Bürger für Einheitsschulen." Dem rot-grünen Konzept des längeren gemeinsamen Lernens setzt die CDU die Idee des frühen gemeinsamen Lernens entgegen. Vor Eintritt in die Grundschule sollen Kinder ein verpflichtendes "Lernjahr" in Kita oder Grundschule absolvieren.

Schulentwurf im Januar beschließen

Am 11. Januar will der CDU-Landesvorstand seinen Schulentwurf beschließen. Am 12. März wird der CDU-Landesparteitag in Siegen abschließend beraten. An ortsnahen Gymnasien will die CDU auch in ländlichen Gebieten nicht rütteln lassen. Der ängstliche Kompromiss "Sekundarschule" aber ist heftig umstritten. "Das ist ein fünfsäuliges Zwei-Säulen-Modell", kritisierte der Landeschef des Verbandes Bildung und Erziehung Udo Beckmann. Grünen-Expertin Sigrid Beer spricht von einem "neu lackierten gegliederten Schulsystem". Norbert Röttgen warnte seine Partei davor, die Schule zum "Kampfthema" zu machen. "Es gibt bei uns keine Festlegung auf eine Schulform. Aber es darf auch keine Privilegierung einzelner Schulformen geben." CDU-Experte Kaiser forderte deshalb einen "Masterplan kleine Klassen", der die Maximalgröße von 36 auf 28 Kinder pro Klasse senkt. Der Hintergedanke: Dann würde die Privilegierung der Gemeinschaftsschule allein an den Kosten für die Verkleinerung aller Schulklassen scheitern.



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