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Divertissementchen

Den Klüngel aufs Korn genommen

Von Hanna Styrie, 07.02.11, 12:17h, aktualisiert 07.02.11, 12:18h

Die Premiere des neuen Divertissementchens "Die kölsche Witwe" im Opernhaus sorgte beim Publikum für höchstes Vergnügen. Die fast hundert Mitwirkenden der Bühnenspielgemeinschaft des Kölner Männer-Gesang-Vereins haben sich selbst übertroffen.

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Die spiel- und sangesfreudigen Akteure begeisterten das Publikum in Köln. (Bild: Weimer)
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Die spiel- und sangesfreudigen Akteure begeisterten das Publikum in Köln. (Bild: Weimer)
KÖLN. Man befindet sich im Jahr 1875, aber die Situation kommt einem verdächtig bekannt vor: Weil im Stadtsäckel gähnende Leere herrscht, halten die Kölner Ratsherren eine dringende Krisensitzung ab. Je höher der Alkohol-Pegel steigt, desto abenteuerlicher werden die Sparvorschläge, die von einer Patenschaft für Straßenlöcher bis zur Sondersteuer fürs Kölsch reichen. Wie gut, dass Sieglinde Puff, der Sekretärin des Oberbürgermeisters, da trotz einiger Gläschen Eierlikör "et fussich Marie" als rettende Lösung in den Sinn kommt.

Das Mädchen aus dem Vringsveedel hat seit seiner Vermählung mit einem wohlhabenden "Senftünnes us Düsseldorf", der in der Hochzeitsnacht das Zeitliche segnete, "einige Milljöncher an de Fööss", mit denen sich die Stadt im Handumdrehen sanieren ließe.

Kraftvolle Seitenhiebe auf die Nachbarstädte

"Die kölsche Witwe" ist das neue Divertissementchen der Cäcilia Wolkenburg, in dem Autor und Regisseur Kalle Kubik Motive aus Franz Léhars Operette "Die lustige Witwe" und Friedrich Dürrenmatts Schauspiel "Der Besuch der alten Dame" mit diversen aktuellen politischen Anspielungen verbindet, die bei der Premiere im Opernhaus für höchstes Vergnügen sorgten.

Die fast hundert Mitwirkenden der Bühnenspielgemeinschaft des Kölner Männer-Gesang-Vereins haben sich unter Kubiks Leitung selbst übertroffen. Der hat das Beste aus den spiel- und sangesfreudigen Akteuren herausgekitzelt, die nicht nur Klüngel und Dilettantismus aufs Korn nehmen, sondern auch zu kraftvollen Seitenhieben auf die Nachbarstädte Bonn und Düsseldorf ausholen dürfen.

Mit Dirk Pütz in der Rolle der heilsbringenden Senffabrikanten-Witwe, Henning Jäger als ihrem verflossenen Liebhaber Daniel von Drees und Peter Wallraff, der als Fräulein Puff zu großer Form aufläuft, stehen talentierte Darsteller zur Verfügung, die über den Amateurstatus längst hinausgewachsen sind. Eine vielbelachte Einlage liefert außerdem Wilfried Baudenbacher, der als Jopie Heesters glaubhaft versichert: "Ich werde 1000 Jahre alt."

Vor allem aber sind es die rasanten musikalischen Arrangements, die für Stimmung sorgen. Thomas Guthoff hat dafür einen ausgedehnten Beutezug durch Oper, Operette, Musical, Schlager und Filmmusik unternommen; zu den vielen Höhepunkten gehören das umgedichtete Vilja-Lied und Mariechens Version von "Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt", bei dem auch das Männerballett samt einer hypernervösen Biene zur Choreografie von Michaela Niederhagen einen hinreißenden Auftritt hinlegt. Wenn hier Hummelflug, Flohwalzer und La Cucaracha miteinander verquirlt werden, ist das eines der schönsten Beispiele für Guthoffs brillante Beherrschung des kölschen Potpourri-Verfahrens. Die Bergischen Symphoniker bewiesen bei den ständigen Stilwechseln unter der Leitung von Bernhard Steiner große Flexibilität und Sinn für musikalischen Witz.

Ins Schwärmen kann man bei der opulenten Ausstattung kommen. Von Bettina Neuhaus stammen die eleganten, weich ausgeleuchteten Bühnenbilder, die keinen Gedanken ans Sparen aufkommen lassen; ein Meisterwerk haben Judith Peters und Ulrike Zimmermann bei den Kostümen vollbracht. Ob prächtig ausstaffierte Ratsherren-Gattinnen oder als Senftuben verkleidete Heinzelmännchen - sie tragen erheblich zum glänzenden Eindruck bei, den der kölsche Singspielspaß hinterlässt. Unnötig zu erwähnen, dass die Senfbaronin und ihr Daniel nach einigen Turbulenzen ein Paar werden und die Milljönchen in Köln bleiben, wo damit "das ein oder andere Opernhaus und ein Schauspielhaus" gesichert sind.

2,5 Stunden mit Pause.

Nächste Vorstellungen am 8. und 9. Februar, Beginn um 19.30 Uhr



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