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Wolfgang Niedecken

Von Trümmern und Triumphen

Von Jan Wördenweber, 09.03.11, 07:01h

Wolfgang Niedecken liebt den grenzenlosen Rock'n'Roll, versteht sich als Reisender und ist dennoch tief verwurzelt in seiner Heimat: „Für 'ne Moment“ heißt nicht nur Niedeckens Kölsch-Plädoyer, sondern auch die Autobiographie des BAP-Sängers.

Wolfgang Niedecken
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BAP-Sänger Wolfgang Niedecken. (Bild: dpa)
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BAP-Sänger Wolfgang Niedecken. (Bild: dpa)
KÖLN - Vor dem Inhaltsverzeichnis stehen zwei Songtexte. Auf der linken Seite einer von den Stones: „Salt Of The Earth“. Auf der anderen ist Willi Ostermann zu finden: „Enn Kölle am Rhing benn ich jeboore. . .“ Das Buch hat eigentlich noch gar nicht begonnen, und trotzdem sagt es an dieser Stelle schon viel über seinen Schreiber aus: Wolfgang Niedecken liebt den grenzenlosen Rock'n'Roll, versteht sich als Reisender und ist dennoch tief verwurzelt in seiner Heimat: „Er hat sing Muttersprooch noch nit verloore“: „Für ne Moment“ heißt nicht nur Niedeckens Kölsch-Plädoyer, sondern auch die Autobiographie, die der BAP-Sänger mit Oliver Kobold geschrieben hat.

„Ich wollte immer Musik machen, die die ganze Welt einschließt“, sagt Niedecken. Nicht weniger Raum nimmt die Kunst ein: „Für 'ne Moment“ zeichnet ein bewegtes Leben als bildender Künstler, Songwriter und Sänger, der sich im Gegensatz zu vielen anderen deutschen Kollegen nach wie vor sehr politisch gibt. Ein Helfer, der in Afrika ehemaligen Kindersoldaten eine Lebensgrundlage zu verschaffen versucht.

Niedecken erzählt. Und das nicht chronologisch, sondern spannend. „Was zuerst in die Erinnerung kommt, ist der bittere Geruch von Rohkakao, wie er herüberzog vom Stollwerck-Gelände, in dem die Schokoladen-Mädchen, in Takt gehalten vom unbarmherzigen Sirenenklang, im Akkord Pralinen abpackten.“ Diese Autobiografie ist auch für Kölner lesenswert, die mit BAP und Kunst nichts am Hut haben. Niedecken berichtet, wie er als Kind in den Trümmern der Nachkriegs-Südstadt spielte. Schildert seine Rebellion gegen Autoritäten, erzählt von Reisen und Begegnungen. Krisen werden ebenso wenig ausgespart wie Glücksmomente.

Der Nabel der Welt jedoch, das ist und bleibt für Niedecken der Chlodwigplatz. „Von hier habe ich angefangen, die Welt zu entdecken“, meinte Niedecken kürzlich im Gespräch mit der Rundschau.

Wolfgang Niedecken / Oliver Kobold:„Für 'ne Moment“, Hoffmann und Campe, 528 Seiten, 24 Euro.



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