Von Jan Wördenweber, 09.03.11, 07:01h
„Ich wollte immer Musik machen, die die ganze Welt einschließt“, sagt Niedecken. Nicht weniger Raum nimmt die Kunst ein: „Für 'ne Moment“ zeichnet ein bewegtes Leben als bildender Künstler, Songwriter und Sänger, der sich im Gegensatz zu vielen anderen deutschen Kollegen nach wie vor sehr politisch gibt. Ein Helfer, der in Afrika ehemaligen Kindersoldaten eine Lebensgrundlage zu verschaffen versucht.
Niedecken erzählt. Und das nicht chronologisch, sondern spannend. „Was zuerst in die Erinnerung kommt, ist der bittere Geruch von Rohkakao, wie er herüberzog vom Stollwerck-Gelände, in dem die Schokoladen-Mädchen, in Takt gehalten vom unbarmherzigen Sirenenklang, im Akkord Pralinen abpackten.“ Diese Autobiografie ist auch für Kölner lesenswert, die mit BAP und Kunst nichts am Hut haben. Niedecken berichtet, wie er als Kind in den Trümmern der Nachkriegs-Südstadt spielte. Schildert seine Rebellion gegen Autoritäten, erzählt von Reisen und Begegnungen. Krisen werden ebenso wenig ausgespart wie Glücksmomente.
Der Nabel der Welt jedoch, das ist und bleibt für Niedecken der Chlodwigplatz. „Von hier habe ich angefangen, die Welt zu entdecken“, meinte Niedecken kürzlich im Gespräch mit der Rundschau.
Wolfgang Niedecken / Oliver Kobold:„Für 'ne Moment“, Hoffmann und Campe, 528 Seiten, 24 Euro.
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