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Erhalt der Bundeswehrstandorte

Bangen, hoffen – und endlich Gewissheit

Von Ronald Larmann und Michael Schwarz, 27.10.11, 07:00h

Monatelang wurde in Mechernich und Euskirchen um den Erhalt der Bundeswehrstandorte gebangt. Gestern hat Verteidigungsminister Dr. Thomas de Maizière verkündet, wie die Reform genau aussehen soll.

KR-Tunnelmecheni
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Wo die Reise hingeht, war vor allem in und für Mechernich lange Zeit nicht klar. Sicher ist nun, dass der Standort mit der Untertageanlage erhalten bleibt – auch wenn die Anzahl der Dienstposten reduziert wird. (Archivfoto: Hilgers)
KR-Tunnelmecheni
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Wo die Reise hingeht, war vor allem in und für Mechernich lange Zeit nicht klar. Sicher ist nun, dass der Standort mit der Untertageanlage erhalten bleibt – auch wenn die Anzahl der Dienstposten reduziert wird. (Archivfoto: Hilgers)
MECHENICH/EUSKIRCHEN - Monatelang wurde in Mechernich und Euskirchen um den Erhalt der Bundeswehrstandorte gebangt. Gestern hat Verteidigungsminister Dr. Thomas de Maizière verkündet, wie die Reform genau aussehen soll: Der Standort Mechernich bleibt erhalten, Euskirchen wird sogar ausgebaut. In den Stunden vor der Bekanntgabe mussten Betroffene, Politiker und Bürger bangen – die Chronologie:

Dienstag

Gegen 18 Uhr: In Berlin macht die Nachricht die Runde, dass 30 bis 40 Standorte geschlossen werden sollen. Der für den Kreis Euskirchen zuständige Bundestagsabgeordnete Detlef Seif (CDU) zeigt sich zuversichtlich, dass Mechernich nicht dazugehört. Vor gut zwei Wochen habe er aus dem Ministerium erfahren, dass er sich keine allzu großen Sorgen machen müsse. Doch Seif will erst Klarheit haben, bevor er eine Nachricht in Richtung Wahlkreis übermittelt. Er muss sich noch einige Stunden gedulden, erst ist Fraktionssitzung. Thema dort: die Euro-Krise.

18.10 Uhr: Hans Mießeler, Personalrat des Mechernicher Materialdepots, macht einen gelassenen Eindruck. „Ich bin sicher, dass es gut ausgehen wird für Mechernich“, sagt er im Gespräch mit der Rundschau. Seine Stimme lässt daran keinen Zweifel aufkommen. Doch die Mitarbeiter, denen er das immer wieder gepredigt hat, wollten ihm in der Vergangenheit nicht so recht glauben. Mießeler: „Die Verunsicherung ist schon enorm.“

22.30 Uhr: In Berlin, Unter den Linden 71, trifft sich die Arbeitsgruppe „Verteidigung“ der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Mitglied Detlef Seif erhält eine Tabelle, in der die Standorte in „Erhalt“, „Schließung“ und „Signifikante Reduzierung“ eingeteilt sind. Zunächst sieht er Euskirchen unter „Erhalt“. Das ist wenig überraschend. Dann, weiter unten in der Spalte: Mechernich. „Ich habe erstmal aufgeatmet“, so Seif. Um kurz nach Mitternacht endet sein Arbeitstag. Seif ist zufrieden.

Mittwoch

9.30 Uhr: Gabi Molitor freut sich. Die FDP-Bundestagsabgeordnete aus dem Wahlkreis 93 erfährt von der sicherheitspolitischen Sprecherin ihrer Fraktion, Elke Hoff, dass Euskirchen größer wird und Mechernich bestehen bleibt. Die Liberalen im Kreis Euskirchen halten seit langem engen Kontakt zur FDP-Obfrau im Verteidigungsausschuss.

10.40 Uhr: „Ja, es ist eine gute Nachricht“, sagt Mießeler. Allerdings sei das Papier erst wenige Minuten zuvor bei ihm eingetrudelt. „Wir schauen uns das jetzt mal genau an. Ich rufe zurück“, so der Personalrat.

10.42 Uhr: Anruf im Mechernicher Rathaus: Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick ist nicht da. Manuela Holtmeier verbindet zum Beigeordneten Thomas Hambach. Die gute Nachricht ist noch nicht in die oberste Verwaltungsetage vorgedrungen. „Das ist schon mal eine Sorge weniger“, sagt Hambach erleichtert, als er erfährt, dass der Standort Mechernich gesichert ist. Während des Gesprächs wird ihm ein Fax aus dem Sekretariat gereicht. Es ist die Seite 101 der Broschüre „Die Stationierung der Bundeswehr in Deutschland“. Da steht alles Schwarz auf Weiß.

11.47 Uhr: Personalrat Hans Mießeler hat das Papier inzwischen durchforstet. „Wir brauchen nun keine Angst mehr zu haben“, so Mießelers Einschätzung: „Das ist ein guter Tag für Mechernich.“

11.50 Uhr: Der Chef des Mechernicher Materialdepots ist auf dem Sprung. „Wir sind ganz gut weggekommen“, so Oberstleutnant Thomas Knam, der kurz darauf in Richtung Königswinter aufbricht. Denn dort soll der Standort mit 70 Dienststellen, der den Mechernichern unterstellt ist, komplett wegfallen. „Es ist mir ein persönliches Anliegen, mit den Mitarbeitern vor Ort zu sprechen“, so Knam. In Königswinter herrsche eine hohe Altersstruktur, außerdem gehe er davon aus, dass zur Abwicklung der gestrigen Entscheidung noch einige Jahre ins Land ziehen werden. „Wir können das sehr sozialverträglich hinbekommen“, so Knam.

12.08 Uhr: In Mechernich gibt es also auch schlechte Nachrichten – auch für den Standortältesten Oberst Johann-Peter Schmitz und das Führungsunterstützungsregiment 28, das aufgelöst wird? „Es ist kein großer Tag für Bestürzung“, antwortet Schmitz. Denn die Auflösung der Regimenter sei schon im Frühjahr bekannt gewesen. Weil das Regiment für die Auslandseinsätze mitverantwortlich sei, könne die Umstrukturierung nur recht behutsam vonstatten gehen. „Meine Einschätzung ist, dass sich die Neugliederung bis 2015/2016 hinzieht“, so Oberst Schmitz.

14.30 Uhr: Eigentlich will Verteidigungsminister Dr. Thomas de Maizière vor die Presse treten, um sein Konzept vorzustellen. Durch die Abstimmung über den Euro-Rettungsschirm verzögert sich die Pressekonferenz.

14.57 Uhr: Der Verteidigungsminister präsentiert die Reformpläne offiziell. Sie seien unumstößlich. Thomas de Maizière: „Ja, der Sack ist zu.“



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