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Fachhochschul-Standort

Das „Geo-Amt“ hat gute Karten

Von Michael Schwarz, 18.11.11, 07:00h

Der Standort Euskirchen mit dem Amt für Geoinformationswesen der Bundeswehr an der Frauenberger Straße gehört zu den Gewinnern der großen Bundeswehrstrukturreform. Dank der Beschäftigten wird Euskirchen zum Fachhochschul-Standort.

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In der Druckerei des Amts für Geoinformationswesen: Peter Ulrich, stellvertretender Leiter der Druckerei (v. l.), FDP-Kreistagsfraktions-Chef Hans Reiff, die Bundestagsabgeordneten Elke Hoff und Gabriele Molitor sowie Brigadegeneral Walter Schmidt-Bleker. (Fotos: Schwarz)
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In der Druckerei des Amts für Geoinformationswesen: Peter Ulrich, stellvertretender Leiter der Druckerei (v. l.), FDP-Kreistagsfraktions-Chef Hans Reiff, die Bundestagsabgeordneten Elke Hoff und Gabriele Molitor sowie Brigadegeneral Walter Schmidt-Bleker. (Fotos: Schwarz)
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Rege Bautätigkeit auf dem Kasernengelände: Hier werden die Kräfte untergebracht, die bis Herbst 2012 von Traben-Trarbach nach Euskirchen umgezogen sind.
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EUSKIRCHEN - So ein Stau kann einem schon aufs Gemüt schlagen. Als Elke Hoff gestern Morgen die Euskirchener Mercator-Kaserne besuchte, waren ihr die Folgen des hohen Verkehrsaufkommens auf der Strecke dorthin noch anzumerken. Ihre Gemütslage sollte sich aber schon bald deutlich verbessern, denn in der Kaserne traf sie weitgehend gut gelaunte Menschen.

Kein Wunder: Der Standort Euskirchen mit dem Amt für Geoinformationswesen der Bundeswehr an der Frauenberger Straße gehört zu den Gewinnern der großen Bundeswehrstrukturreform – und das kann man wahrlich nicht von jedem Standort behaupten. Während anderswo aus Spargründen Kasernen geschlossen oder drastisch verkleinert werden, erhöht sich die Zahl der Kräfte in Euskirchen von derzeit 926 auf 1260 in den kommenden Jahren.

Die FDP-Bundestagsabgeordnete Gabriele Molitor führt dies auf die große Kompetenz der hier Beschäftigten zurück, deren Arbeit zudem für die Streitkräfte immer wichtiger werde: Die Verlagerung der Bundeswehr auf Einsätze im Ausland erfordere entsprechende Informationen über Wetter, geologische Gegebenheiten, aktuelles Karten- und Datenmaterial sowie militärische „Reiseführer“ – ob nun über Afghanistan oder den Sudan.

Bundeswehr investiert 24 Millionen Euro

Rund 24 Millionen Euro investiert die Bundeswehr aus diesem Grund in große Baumaßnahmen und Renovierungen an der Mercator-Kaserne (13,6 Millionen) und der Freiherr-von-Gersdorff-Kaserne an der Kommerner Straße (8,9 Millionen Euro) – etwa für die insgesamt 220 Soldaten und Zivilkräfte, die aus Traben-Trarbach nun nach und nach in die Kreisstadt ziehen werden. „Das ist natürlich auch gut für heimische Wirtschaft“, sagte Molitor.

Ihre Kollegin Elke Hoff pflichtete bei: „Die Unternehmen vor Ort haben einen Wettbewerbsvorteil bei den Ausschreibungen.“

Dabei ist in der Investitionssumme von 24 Millionen Euro ein Projekt noch nicht enthalten: Euskirchen wird nämlich zum Fachhochschulstandort – dank der Bundeswehr, die ihr Ausbildungs- und Schulungszentrum der Geoinformationsdienstes von Fürstenfeldbruck nach Euskirchen verlegen wird. Hier, so die Strategen im Ministerium, könnten Theorie und Praxis Hand in Hand gehen. „Das bedeutet, dass 45 Kräfte des Stammpersonals hierher kommen werden“, freut sich der Standortälteste, Brigadegeneral Walter Schmidt-Bleker. Dazu würden täglich rund 100 bis 150 Lehrgangsteilnehmer in wechselnder Zusammenstellung erwartet – sehr zur Freude von Hans Reiff, dem Fraktionschef der FDP-Kreistagsfraktion, der auch die touristischen Belange im Auge hat: „So lernen viele junge Menschen unseren Kreis kennen und kommen vielleicht auch mal gerne wieder zurück.“

Auch das ist nicht zu verachten: Auf rund zehn Millionen Euro schätzt Schmidt-Bleker die Investitionen in Lehrsäle und Unterbringung.

Dass die Sanitätsstaffel von Mechernich nach Euskirchen verlagert wird, weil hier mehr Soldaten zu versorgen sind, erfreut die Euskirchener nicht nur, weil sie es dann nicht mehr so weit zum medizinischen Dienst haben werden: 15 Sani-Kräfte ziehen jedenfalls um. Auch ein Ausbau der Staffel sei in Zukunft nicht ausgeschlossen, so Schmidt-Bleker.

Das wäre spätestens dann nötig, wenn die Gedankenspiele der FDP für ein Europäisches Geoamt in Euskirchen Wirklichkeit würden. Weil die Finanzlage der Staaten in Europa Einsparungen erforderten und auch die US-Amerikaner aus ähnlichen Gründen ihre „militärisch-schützende Hand über Europa“ nach und nach wegziehen wollten, stünden die Zeichen auf europäische Zusammenarbeit, so Elke Hoff. Dass Euskirchen in Sachen „Geoinformation“ europaweit ganz vorne mitspielen könne, stellte denn auch Schmidt-Bleker bei aller Bescheidenheit klar: „Wir haben hier 18 Fachgebiete vereint, das ist einzigartig in Europa.“ Selbst die USA könnten so etwas nicht vorweisen. Allerdings sind derartige Sachargumente in der Politik nicht immer ausschlaggebend – schon gar nicht auf europäischer Ebene. Darauf weist auch Elke Hoff hin: „Da ist viel Fingerspitzengefühl erforderlich.“ Auch andere europäischen Länder würden sicher gerne ein solches Amt beherbergen. Dennoch werde die FDP, die ein Europa-Geoamt bereits vor Monaten ins Gespräch gebracht habe, dieses Thema weiter verfolgen, versprach Elke Hoff.

Den Stau auf dem Hinweg hatte sie da schon längst wieder vergessen.



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