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Städtewettstreit

Das „Jahr der Stadtmauer“ hat begonnen

Von Tom Steinicke, 16.01.12, 07:01h

1982 wurde mit Bad Münstereifel erstmals eine ganze Kernstadt in Nordrhein-Westfalen unter Denkmalschutz gestellt. Zehn Jahre zuvor verwies dieselbe Stadt im britischen Sheffield die internationale Konkurrenz beim „Spiel ohne Grenzen“ auf die Plätze.

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Ein leckeres Stück Stadtmauer: Günter Kirchner und Octavia Zanger, Diplom-Ingenieurin für Architektur und Stadtgeschichte, zeigten in der Auftaktveranstaltung eine Stadtmauer, die das „Printenhaus“ angefertigt hatte. (Foto: Steinicke)
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Ein leckeres Stück Stadtmauer: Günter Kirchner und Octavia Zanger, Diplom-Ingenieurin für Architektur und Stadtgeschichte, zeigten in der Auftaktveranstaltung eine Stadtmauer, die das „Printenhaus“ angefertigt hatte. (Foto: Steinicke)
BAD MÜNSTEREIFEL - 1982 wurde mit Bad Münstereifel erstmals eine ganze Kernstadt in Nordrhein-Westfalen unter Denkmalschutz gestellt. Zehn Jahre zuvor verwies dieselbe Stadt im britischen Sheffield die internationale Konkurrenz beim „Spiel ohne Grenzen“ auf die Plätze. „Die ganze Stadt stand damals Kopf“, erinnert sich Günter Kirchner. Kirchner ist es auch, der vier Jahrzehnte nach diesem Triumph das „Jahr der Stadtmauer“ ausruft.

Initialzündung für dieses Projekt war laut des Sprechers der Arbeitsgemeinschaft „Stadtmauer 2012“ ein ganz ähnliches Spiel wie das von 1972. Der Radiosender WDR 2 sucht ab Mitte Januar seine „Stadt des Jahres“ und Bad Münstereifel nimmt diese Herausforderung an. Schließlich hat die Stadt etwas, was die Konkurrenz nicht unbedingt vorweisen kann: eine 1600 Meter lange, nahezu vollständig erhaltene Stadtmauer.

„Auch wenn die Mauer nicht unbedingt das erste ist, an das man denkt, so hat sie die Geschichte der Stadt Münstereifel eindeutig geprägt“, sagt Kirchner, der mit der Teilnahme an der WDR 2-Aktion vor allem auf Werbung für die Stadt hofft. Die Idee stammt aus einer Zeit, in der die Kurstadt noch nicht aufgrund eines geplanten Fashion Centers in aller Munde war. „Wir wollten die Stadt aus ihrem Dornröschenschlaf wecken. Jetzt ist das gleich zweimal passiert“, so der 63-Jährige.

Die Aufgabe der Anwärter besteht darin, in einer Stadt im Verhältnis zu der Einwohnerzahl prozentual möglichst viele Unterschriften von Bürgern zu sammeln, die diese Aktion unterstützen. Dem Sieger im Wettbewerb „WDR 2 für eine Stadt“ winkt ein internationales Konzertspektakel. Um einen Sieger zu ermitteln, spielen die zehn Städte mit den prozentual meisten Unterschriften eine Finalrunde in Form eines Stadtspiels aus. Das Stadtspiel teilt sich auf in eine Stadtaufgabe und ein Bürgermeister-Quiz. Ob es tatsächlich zu einem Duell von Bürgermeister Alexander Büttner gegen neun Kollegen kommt, haben die Bad Münstereifeler also selbst in Hand. Und an der Abstimmung können sich nicht nur Kurstädter beteiligen, sondern jeder.

Doch auch unabhängig vom Erfolg oder Misserfolg in dem Wettkampf des Radiosenders dreht sich in diesemJahr in der Kurstadt alles um die Stadtmauer.

Das Gros der Veranstaltungen in Bad Münstereifel wird 2012 einen Bezug zur historischen Stadtbefestigung haben. Und das hat sich sogar schon bis in die EU-Kommission herumgesprochen. Kirchner, der beruflich häufiger in Brüssel weilt, wurde in der belgischen Hauptstadt auf „sein Baby“ angesprochen.

Einst gab’s sogar eine Steuer für die Mauer

Zur Auftaktveranstaltung kamen knapp 100 Besucher in den Rats- und Bürgersaal der Kurstadt. „Wenn etwas neu ist, weiß man nie, wie es angenommen wird. Aber das hier übertrifft meine Erwartungen“, so Kirchner. Bevor die „Wandersleut“ auf den Stühlen Platz nahmen und sowohl der Projektvorstellung durch Kirchner als auch einem historischen Vortrag von Octavia Zanger über die Stadt und deren Befestigung lauschten, ging es vom Werther Tor auf Schusters Rappen entlang der Stadtmauer zum Rathaus. Immer wieder plauderte die Diplom-Ingenieurin für Architektur und Stadtgeschichte aus dem Nähkästchen und gab so einen interessanten Einblick in die Geschichte der Stadtmauer. So sei das alte Sprichwort „Bürger und Bauer trennt die Mauer“ in Münstereifel gar nicht so ausgeprägt gewesen. Vielmehr habe die Befestigung geeint statt getrennt. Allerdings hatte die Mauer auch Nachteile für die Bevölkerung.

„Die Kosten für die Erhaltung waren damals schon sehr hoch. Deshalb wurde eine zusätzliche Steuer eingeführt“, so Zanger, die selbst in Münstereifel lebt. Wer beim Spaziergang entlang der Mauer ganz genau hinguckt, der kann an verschiedenen Stellen kleine Gravuren in einzelnen Steinen entdecken, so genannte Steinmetzzeichen. „Das war zur damaligen Zeit eine Art Arbeitsnachweis“, erklärte Zanger. Nicht ganz so genau hingucken muss man, um ein weiteres Charakteristikum der historischen Befestigung feststellen zu können: die Stadtmauer – in ihrer heutigen Form – wurde in drei Etappen gebaut. Darauf weisen die unterschiedlichen Steinarten und Farben des Mörtels hin. Neben dem historischen Exkurs interessierten die Zuhörer aber vor allem die unterschiedlichen Projekte, die im „Jahr der Stadtmauer“ geplant sind. So wird es etwa ein großes Stadtmauerfest mit Kindertrödelmarkt und einem großen Feuerwerk geben. Der Kultur- und Geschichtsverein „Zwentibolds Erben“ richtet den „Tag der Führungen“ im kommenden Jahr ebenfalls an der Stadtmauer aus. Auch werden die Sebastianus-Schützen ein mittelalterliches Bogenschießen an der Stadtmauer veranstalten. Die Aktionen sollen aber nicht nur auf die Kernstadt beschränkt bleiben. Außerdem sind nicht nur Veranstaltungen mit „Event-Charakter“ geplant, denn die Kultur soll auf keinen Fall zu kurz kommen. So wird es verschiedene Vorträge geben. Eine Ausstellung mit alten Bildern zeigt die Stadt vor 100 Jahren im Vergleich zu heute. Und auch die Gastronomie soll in das Stadtmauer-Jahr mit einbezogen werden. Wie das funktionieren kann, zeigte in der Auftaktveranstaltung eindrucksvoll das „Printenhaus“, das vor der Stadtmauer zu finden ist. Das Team von Inhaber Günter Portz hatte das Orchheimer Tor und einen Teil der Stadtmauer aus Printen nachgebaut. Entstanden sei die Idee in einem der ersten Treffen des Arbeitskreises, als es Bruchprinten zu naschen gab und diese die Teilnehmer an Steine der Stadtmauer erinnerten. Ständiger Begleiter durch das Jahr wird das offizielle Logo sein, das demnächst sogar auf Briefmarken erscheinen wird.

„Wir freuen uns alle ungemein auf die kommenden Wochen und Monate. Und ich hoffe, ich habe Sie ein bisschen anstecken können mit der Euphorie“, sagte Günter Kirchner zum Schluss, bevor er das „Jahr der Stadtmauer“ offiziell eröffnete.

www.stadtmauer2012.de



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