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Alten- und Pflegeheim

Mehr Anerkennung für Pfleger gefordert

Von Bernd Kehren, 25.01.12, 07:01h

Drei Jahre lang hat sich die Stiftung Evangelisches Alten- und Pflegeheim in Gemünd zusammen mit Forschungs-Einrichtungen intensiv mit dem Thema „Den Wert der Pflege schätzen“ beschäftigt.

Anja Graefen
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Auch Nagelpflege gehört zu den Aufgaben von Tanja Gräfen, hier mit Margarete Booms. Eine dreijährige Pilotstudie am Evangelischen Alten- und Pflegeheim in Gemünd ergab, dass die Pfleger sich unter anderem mehr Anerkennung ihrer Arbeit wünschen. (Foto: Hilgers)
Anja Graefen
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Auch Nagelpflege gehört zu den Aufgaben von Tanja Gräfen, hier mit Margarete Booms. Eine dreijährige Pilotstudie am Evangelischen Alten- und Pflegeheim in Gemünd ergab, dass die Pfleger sich unter anderem mehr Anerkennung ihrer Arbeit wünschen. (Foto: Hilgers)
Gemünd/Berlin - Drei Jahre lang hat sich die Stiftung Evangelisches Alten- und Pflegeheim (EvA) in Gemünd zusammen mit Forschungs-Einrichtungen intensiv mit dem Thema „Den Wert der Pflege schätzen“ beschäftigt. In diesem bundesweiten Pilotprojekt ging es darum, den Pflegekräften die Arbeit zu erleichtern, aber auch die anspruchsvolle Arbeit, die in den Pflegeheimen geleistet wird, positiv nach außen zu tragen.

Die dreijährige Forschungsarbeit, gekoppelt mit der praktischen Erprobung der theoretischen Ansätze, trage im Hause schon Früchte, sagtMalte Duisberg, Geschäftsführer der Einrichtung in Gemünd.

Ausgangspunkt für das Projekt war eine Untersuchung des Bundesforschungsinstituts zum Thema Dienstleistung. Darin wurde auch der Bereich Pflege besonders unter die Lupe genommen. Neben der EvA beteiligte sich die CBT (Caritas Betriebsführungs- und Trägergesellschaft mbH in Köln) mit dem Thema. Vonseiten der Forschung waren die MA&T (Sell & Partner GmbH Unternehmensberatung in Würselen) und das dip (Deutsches Institut für angewandte Pflegeforschung) dabei. MA&T kümmerte sich um die Arbeitsplatzforschung, dip um die pflegespezifische Seite.

Die Institute lieferten theoretische Ansätze. Diese wurden dann in Gemünd und im Kölner Raum in der Praxis erprobt. Es sollte herausgefunden werden, wie sich die Wertschätzung der Arbeit von Pflegenden in Alten- und Pflegeheimen sowie in Krankenhäusern steigern lasse. „Unser Berufszweig leidet unter mangelnder gesellschaftlicher und unternehmensinterner Anerkennung“, sagte Duisberg: „Die Folgen sind Fachkräftemangel, hohe Fluktuation und ein schwacher Marktwert unserer Dienstleistungen – und das, obwohl die Vielzahl von engagierten und kompetenten Mitarbeitern in der Pflege ihren Beruf mit viel Herz und Verstand ausübt und ihn oft als Berufung erlebt.“

In einer Abschlussveranstaltungin Berlin, zu der mehr als 100 Teilnehmer aus Pflege, Forschung und Politik erschienen waren, präsentierte Malte Duisberg die Arbeit seiner Projektteams. Sie hatten unter anderem ein Vorgehen für Besprechungen entwickelt, das nicht nur Defizite, sondern auch Gelungenes hervorhebt, zudem ein Rückmelde-Management, das neben Beschwerden auch Lob festhält, ein Gesundheits-Management für Mitarbeiter und Strategien für die Öffentlichkeitsarbeit.

Duisberg berichtet, dass im Haus auch eine Mitarbeiterbefragung durchgeführt worden sei. Wichtigstes Ergebnis: Die Pfleger seien sich bewusst, dass sie wichtige Arbeit leisteten. Sie verlangten von der Leitung, dass sie diese gute Arbeit auch nach außen trage und die Interessen der Mitarbeiter öffentlich mache.

Für die EvA in Gemünd, die insgesamt mehr als 200 Mitarbeiter beschäftigt, nutzte Duisberg in Berlin die Gelegenheit, auch seine Forderungen an die Politik zu unterstreichen. Die Stellen und die Zeitressourcen in der Pflege seien zu knapp bemessen. Die Ausbildung junger Pflegender werde vom Staat zu wenig gefördert. „Und die Öffentlichkeit darf Pflegeunternehmen und ihre Mitarbeiter nicht unter Generalverdacht stellen, denn diese leisten eine wichtige und zum allergrößten Teil sehr gute Arbeit.“

Duisberg sagte nach dem Auftritt in Berlin: „Wir brauchen mehr Leute, werden aber noch immer mit dem alten Stellenschlüssel gegeißelt. 2011 wurde von der Bundesregierung das ,Jahr der Pflege’ ausgerufen und letztlich ist nichts passiert.“

Auch Thomas Rachel, Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung, besuchte die Veranstaltung in Berlin. Er hatte sich zu Beginn des Projekts im Juli 2009 im Gemünder Altenheim vor Ort einen Eindruck verschafft. Er machte deutlich, dass Forschung zur Arbeitsgestaltung in einer so wichtigen Branche einen hohen Stellenwert habe.

Die Ergebnisse der Arbeit in Gemünd in Zusammenarbeit mit den drei anderen Einrichtungen werden im März in einem Buch mit Handlungsanregungen für die Pflegebranche – und für die Politik – veröffentlicht.



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