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Frost

Rutschpartie im Kuhstall

Von Stefan Corssen, 11.02.12, 07:00h, aktualisiert 14.02.12, 12:34h

Der seit Wochen anhaltende strenge Frost macht Bauer und Vieh zu schaffen. Temperaturen von bis zu -15 Grad Celsius sind für die Kühe dabei das geringste Problem, denn die Kühe fühlen sich dabei wohl. Eher die schnell gefrierenden Kuhfladen.

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Hardy Burgmer (u.l.) rückt den festgefrorenen Kuhfladen mit der Schaufel zu Leibe. (Foto: Schmitz)
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Hardy Burgmer (u.l.) rückt den festgefrorenen Kuhfladen mit der Schaufel zu Leibe. (Foto: Schmitz)
BREUN - Karin hat Durst. Doch der Weg zur Tränke ist rutschig und glatt. Und so stakst Karin ganz vorsichtig an ihren Kolleginnen vorbei, kommt aber dennoch ins Schlingern. Karin ist eine von 80 Kühen, die bei Hardy Burgmer im Stall stehen.

Der seit Wochen anhaltende strenge Frost macht Bauer und Vieh zu schaffen. Temperaturen von bis zu -15 Grad Celsius sind für die Kühe dabei das geringste Problem. „Im Gegenteil. Die Kühe fühlen sich im Außenklimastall wohl“, weiß Burgmer.

Aber die Kuhfladen frieren in Nu fest und verwandeln den Spaltboden in einen tückisch glatten Untergrund. „Die Tiere können sich an den Klauen verletzen“, erklärt Burgmer. „Die größte Gefahr ist, dass eine Kuh ausrutscht und den Spagat macht. Ein Bänderriss – dann sieht es schlecht aus .“

Mit Picke und Schaufel rückt Burgmer in den wärmeren Mittagsstunden den festgefrorenen Fladen zu Leibe. „Kollegen von mir lassen ihrer Schieberanlage Tag und Nacht durchlaufen, aber ich weiß von Fällen, wo die Anlage trotzdem eingefroren ist.“ Rutschgefahr besteht auch, wenn bei einer Kuh die Hormone verrückt spielen, sie bullig wird und eine andere Kuh bespringen will. Um Verletzungen möglichst zu vermeiden, setzt Hardy Burgmer auf Ruhe. „Der Winter sollte eine Zeit der Entschleunigung sein“, so seine Überzeugung. Ruhige Klänge – im Stall läuft WDR 4 – helfen dabei.

Auch die Wasserversorgung im Offenstall ist ein Riesenproblem. „Eine Tränke bleibt immer offen“, so Burgmer. Doch weil die Kühe bequem sind und der Weg zur Tränke weiter geworden ist, trinken sie weniger als üblich. Damit sinkt auch die Milchleistung.

Im Melkstand sorgt ein kleiner Gasofen dafür, dass die Temperaturen ein wenig angenehmer sind. Um Zug zu vermeiden, hat Burgmer dort die Ritzen mit alten Zeitungen und Decken zugestopft, das Melkgeschirr spült er mit warmem Wasser vor. Auch an sich selbst muss der Milchbauer denken. „Das fängt bei den Thermostiefeln an“, sagt Burgmer. „Wenn es mir gut geht, dann macht die Arbeit draußen auch Spaß.“

Im Stall nebenan stehen sechs kleine Kälber. „Die Kälte ist kein Problem, die Tiere müssen aber trocken liegen“, erklärt der Bauer. Doch eine Geburt kann bei -10 Grad Celsius schon ein Abenteuer werden.

Am vorigen Sonntag war es in Breun wieder soweit. Die hochträchtige Kuh war vorab in den alten Warmstall verlegt worden, aber auch dort herrschten knackige Minusgrade. Die Geburt stockte, der herbeigerufene Tierarzt entschied sich schließlich zu einem Kaiserschnitt. „Er hat mit zitternden Händen operiert, aber zum Glück ging alles gut“, erzählt Burgmer. Die 13-jährige Ronja, die Tochter von Hardy Burgmers Lebensgefährtin, half dem Tierarzt bei der Operation. „Das war ganz schön aufregend“, berichtet sie und streichelt liebevoll das erst wenige Tage alte Bullenkalb „Lucky“.

Wenn in spätestens einigen Wochen der Dauerfrost vorbei ist, dann ist bei Hardy Burgmer Großputz angesagt. Doch ein wenig bange ist ihm auch schon. „Dann zeigt sich nämlich erst, welche Schäden der Frost hinterlassen hat.“ Bis dahin wird der Bauer in Breun weiterhin jeden Tag die Stalltür einsalzen. „Sonst kommt man morgens nur noch mit dem Brecheisen hinein.“



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