Von Ramona Hammes und Michael Schwarz, 22.02.12, 07:01h, aktualisiert 22.02.12, 12:06h
Politische Themen schienen die meisten ziemlich kalt zu lassen. Zugegeben, wer auf einen „Wulff-Wagen“ gesetzt hätte, hätte seit Freitagkräftig umbauen müssen.Pleitegeier und Finanzkrise waren erstaunlich wenig zu sehen, dieses Thema wurde etwa in Mechernich, Heimbach und Dahlem karnevalistisch umgesetzt. Dabei gibt es wohl kaum einen Ort ohneein Thema, das auf die närrische Schippe hätte genommen werden können. Getan haben’s nur wenige – und eine Truppe in Keldenich hat gleich mal freimütig bekannt, dass sie „Schlofmötze“ sind.
Ausnahmen gab es auch: Etwa in den Orten rund um die Autobahn im Raum Nettersheim und Blankenheim, wo man die Wildbrücke ins närrische Visier nahm. Oder die Schmidtheimer Jugendlichen, die angesichts der KSK-Filialschließungen einfach eine eigene Bank gründeten. In Zülpich, wo derlängste Zug im Kreis ging, wurde von der Laga-Vorbereitung bis zur Wassersportsee-Schließung alles aufs Korn genommen. Bei den Bad Münstereifeler Jecken zog sich das Thema „Fashion Center“ wie ein roter Faden durch den Zoch. Hübsch, die Lagerfelds, Kroko-Taschen und die „fashion“ Pänz als Bauarbeiter – kritische Töne inklusive.
Riesige Freude am Karnevals-Wochenende hatten natürlich die Tollitäten. Sie genossen den Höhepunkt ihrer närrischen Regentschaft in vollen Zügen. Für echte Vollblutkarnevalisten wie Beate Heimersheim aus Eiserfey ist’s wohl das Schönste gewesen, mit Jungfrau Heike (Wahlen) und Bauer Rita (Koch) die Jecken anzuführen – und vom Prinzenwagen zu grüßen, der mit sage und schreibe 15 000 selbst gedrehten Papierrosen geschmückt war. Und auch wenn’s im Lied heißt „Eimol Prinz zo sin“, es macht auch ein zweites Mal Spaß – wie Prinz Werner (Poensgen) von Blankenheim bewies, der vor 38 Jahren schon einmal dasZepter geschwungen hatte.
Freud und Leid liegen oft so eng beieinander. Das mussten die Ripsdorfer am Rosenmontag besonders leidvoll erfahren. Durch den schlimmen Unfall wurde dieSession nicht nur in Ripsdorf überschattet. In einer schnee- und eisglatten Ausfahrt kam ein Gespann aus Traktor und Karnevalswagen ins Rutschen und drückte einen 24-Jährigen, der als Einweiser hinter dem Wagen stand, gegen eine Hauswand. Der junge Karnevalist starb wenig später im Krankenhaus. Als den Vorstand des Ripsdorfer Karnevalsvereins diese Nachricht erreichte, handelte er schnell und richtig: Der Veilchendienstagszug wurde abgesagt. Nach einem solchen Unfallkann ein Dorf nicht Karneval feiern.
Von seiner unschönen Seite zeigte sich der Karneval auch vielfach für die Polizei. Von Weiberdonnerstag bis gestern Morgen hatten die Beamten im Kreis Euskirchen 102 Karnevalseinsätze zu bewältigen. In 45 Fällen wurden Anzeigen oder andere Maßnahmen getroffen. In den meisten Fällen handelte es sich um Körperverletzungen (22 Anzeigen), auch wurden zehnPlatzverweise ausgesprochen. 26 Personen wurden verletzt, eine davonschwer. Bei den gleichzeitig durchgeführten Alkoholkontrollen wurden insgesamt 459 Fahrzeugführer kontrolliert und 139 Alkotests durchgeführt. Sechs Führerscheine wurden sichergestellt. Bei einem Verkehrsunfall mit Trunkenheit wurde eine Person verletzt.
Auch das Wetter zeigte seine vielen verschiedenen Gesichter. Die Jecken konnten am Rosenmontag mit der Sonne um die Wette strahlen, am Sonntag mussten sie sich gegen einen heftigen Schneesturm stemmen.
Während sich die Karnevalisten am Sonntag vom Wetter nicht ausbremsen ließen, hatten die Rundschau-Reporter mit den Unbilden des Winters mächtig zu kämpfen. Am schlimmsten erwischte es Vera Junker. Als sie auf dem Weg zum Zoch in Dahlem war, rutschte sie bei Zingsheim von der spiegelglatten Straße in den Graben. Zum Glück ist ihr nichts Schlimmes passiert, doch an Karneval war für sie nicht mehr zu denken.
An dieser Stelle ein ganz herzliches Dankeschön an Wolfgang Apel aus Dahlem. Den Vorsitzenden des Vereinskartells erreichten wir, als er „auf dem Sprung“ zum Zoch war. Er wurde zwar vom Anliegen, uns wegen des Unfalls der Reporterin auszuhelfen, völlig überrascht, aber er schnappte sich schnell seine Kamera, kramte frische Batterienhervor und machte ein paar hübsche Fotos, so dass auch der Dahlemer Zoch seinen Weg in die Rundschau fand.
Knapp 50 Züge im Eifelland – und natürlich auch die 15 Sitzungen – sind seit Weiberdonnerstag auf über 30 Seiten und mit weit mehr als 200 Fotos dargestellt worden.
Für die meisten Jecken im Eifelland beginnt mit dem heutigen Aschermittwoch die Karnevalspause – mindestens bis zum Elften im Elften. Doch für eine Truppe geht’s jetzt richtig los. Das Hellenthaler Männerballett richtet am 5. Mai die NRW-Meisterschaft der Männerballette in der Grenzlandhalle aus – und wird da auch seinen neuen Tanz präsentieren. Für die Hellenthaler gibt’s nun statt Pause viel Arbeit und Training.
Veilchendienstagszug abgesagt: Karnevalist aus Ripsdorf gestorben
Bildergalerie: Rosenmontagszug in Dreiborn
Bildergalerie: Rosenmontagsumzug in Marmagen
Bildergalerie: Rosenmontagszug in Hellenthal
Bildergalerie: Rosenmontagszug in Gemünd
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