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Jubiläum: 100 Jahre GAG

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Die GAG wurde am 18. März 1913 aus der Not geboren: Anfang des 20. Jahrhunderts konnten der private und genossenschaftliche Wohnungsbau wegen Kapitalmangels den großen Bedarf an Wohnungen im sich rasant entwickelnden Köln nicht mehr decken.  Von
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Die GAG wurde am 18. März 1913 aus der Not geboren: Anfang des 20. Jahrhunderts konnten der private und genossenschaftliche Wohnungsbau wegen Kapitalmangels den großen Bedarf an Wohnungen im sich rasant entwickelnden Köln nicht mehr decken. Die Lösung sah der damalige Erste Beigeordnete Konrad Adenauer in der Gründung einer Aktiengesellschaft, die die Vorteile einer genossenschaftlichen Selbstverwaltung mit der Kapitalsicherheit einer Aktiengesellschaft verbinden sollte.

Die Schere zwischen Arm und Reich hatte sich weit geöffnet, überbelegte Elendswohnungen in der Altstadt und Mietskasernen am industriell geprägten Stadtrand standen großzügige Villen in wohlhabenden Vororten gegenüber. Zur Lösung des drängenden Problems entwickelte der Dezernent Wilhelm Greven im Auftrag des späteren Oberbürgermeisters Adenauer das Modell einer Gemeinnützigen Wohnungsbau-Aktiengesellschaft, „die der minderbemittelten Bevölkerung gesunde und zweckmäßig eingerichtete Wohnungen billig und preiswert verschaffen“ sollte.

Bereits vor der Jahrhundertwende waren Wohnungsgenossenschaften ins Leben gerufen worden. Der Unterschied bei Gründung der GAG lag darin, dass sie durch Aktienverteilung und Besetzung des Aufsichtsrates an kommunale Aufgaben gebunden wurde.

„Lich, Luff und Bäumcher“

Die Stadt übernahm seinerzeit knapp die Hälfte der Aktien (Gesamthöhe des Grundkapitals: 1,22 Millionen Mark), die übrigen Anteile wurden von Handels- und Industrieunternehmen, aber auch von zahlreichen privaten Geldgebern übernommen. Die Kommune gewann mit dem neuen Unternehmen zugleich ein Instrument, mit dem sie die Entwicklung der Vororte lenken konnte, um sie nicht länger der Spekulation überlassen zu müssen wie im Fall der Neustadt-Nord. In den frühen Jahren widmete sich die neue Gesellschaft dem Bau von kleinen Eigenheimen. Und sie startete – auch das war neu – mit einem Architektenwettbewerb: 575 Einfamilienhäuser sollten ab 1914 auf einem elf Hektar großen Gelände in Bickendorf entstehen. 48 Architekten beteiligten sich.

Städtebauliches Vorbild der Siedlung war die englische „Gartenstadt“, deren Konzept die siegreichen Architekten Leo Kaminsky und Caspar Maria Grod auf Kölsch mit „Lich, Luff un Bäumcher“ beschrieben. Die großzügige Einbettung in teils parkähnliche Grünanlagen wurde zu einem Charakteristikum der GAG-Siedlungen, das heute angesichts der Flächenverknappung und allgegenwärtigen Verdichtung von Quartieren zunehmend gefährdet erscheint.

Historische Quartiere

Unterbrochen durch den Ersten Weltkrieg, wurde die Bautätigkeit in Bickendorf I von 1919 bis 1920 fortgesetzt. Architekt dieses Bauabschnitts war der damals noch junge Wilhelm Riphahn. Er sollte in den kommenden Jahren für die Planung einer Reihe von GAG-Siedlungen und -Wohnanlagen verantwortlich zeichnen: für Bickendorf II (1923 bis 1938), für die Nibelungensiedlung (1919) und den Grünen Hof (1922-1924) in Mauenheim, den Blauen Hof (1926 und 1927) und die Weiße Stadt (1927 bis 1932) in Buchforst sowie Zollstock (1927 bis 1930). Zu den bedeutenden Siedlungsprojekten der frühen Jahre gehören auch die Milchmädchensiedlung in Poll (1919 bis 1921), die Germania-Siedlung in Höhenberg (1919 bis 1928) und die Naumannsiedlung in Riehl (1927 bis 1929). Möglich wurde der engagierte Siedlungsbau, indem die Stadt nicht nur die Finanzmittel, sondern auch die Grundstücke zur Verfügung stellte.

Bei der Häuservergabe hatte das Unternehmen schon früh darauf geachtet, dass Arbeiter und Handwerker neben Angestellten und Beamten wohnten. Das Nebeneinander unterschiedlicher Schichten entwickelte sich zum Leitgedanken des sozialen Wohnungsbaus.
Vor dem Hintergrund der hohen Arbeitslosigkeit in Folge der Weltwirtschaftskrise konzentrierte sich die GAG Anfang der 1930er Jahre in Poll, Höhenhaus, Volkhoven und Vogelsang auf den Bau von Stadtrandsiedlungen für Erwerbslose. Jedes Haus verfügte über einen Obst- und Gemüsegarten mit Platz für Hühner- und Kaninchenställe zur Selbstversorgung.

Mit Machtübernahme durch die Nationalsozialisten besetzten NS-Funktionäre auch Spitzenfunktionen in der GAG und der 1936 gegründeten, zweiten städtischen Wohnungsbaugesellschaft Grund und Boden (Grubo). In Folge wurden Planungsaufträge meist an NSDAP-Parteimitglieder vergeben, jüdische Architekten erhielten keine Aufträge mehr. Das „Germanische Dorf“ wurde Leitbild im Siedlungsbau. Am Ende des Kriegs war Köln zum großen Teil zerstört, viele Menschen hatten ihr Heim verloren. So leisteten GAG und Grubo ab den 1950er Jahren enorme Wiederaufbauarbeit, angetrieben vom damaligen Oberbürgermeister Theo Burauen („Weiterbauen mit Burauen“). In der Nachkriegszeit prägten in Buchheim, Dünnwald, Stammheim, Ostheim, Vingst und Zollstock Großsiedlungsprogramme unter anderem für Flüchtlinge, Evakuierte und ausgebombte Kölner die Bautätigkeit.

Nach dem Bau der Satellitenstadt

Chorweiler unter anderem durch die „Neue Heimat“ sowie der Siedlungen Chorweiler-Nord, Blumenberg und Volkhoven-Weiler durch GAG und Grubo in den 1970er Jahren, ging ab Mitte der 1980er Jahre der soziale Wohnungsbau zurück. Hatte die GAG zuvor in manchen Jahren mehr als 1000 Wohneinheiten erstellt, waren es jetzt oftmals unter 100. Das wendete sich wieder mit neuer Wohnungsnot in den 1990er Jahren. Am Ende des Jahrzehnts fusionierten GAG und Grubo.

Nach Abschaffung der Gemeinnützigkeit im Wohnungswesen ging die GAG 1993 an die Börse. Wenngleich sie seitdem den Zielen einer Aktiengesellschaft verpflichtet ist, profitieren noch immer nicht nur die Menschen, sondern auch das Stadtbild von der GAG: Beleg dafür ist der Deutsche Bauherrenpreis, mit dem das Unternehmen mehrfach ausgezeichnet wurde – für die denkmalgerechte Sanierung der Germania-Siedlung, des Blauen Hofs und der Naumannsiedlung sowie den Bau der „Häuser mit Knick“ in Ostheim.

Neue Herausforderungen

In den Jahren 2002 und 2003 sorgte der Plan der CDU/FDP-Koalition im Rathaus, den Wohnungsbestand des Konzerns für 420 Millionen Euro an einen Investor zu verkaufen, für Wirbel und Proteste. Das Vorhaben scheiterte am Ende an zwei Abweichlern. Heute redet niemand mehr von einer Veräußerung – im Gegenteil hat die Stadt ihre Anteile nach und nach erhöht. „Die GAG gehört den Bürgern“, betont Jochen Ott, Vorsitzender des Aufsichtsrates. Er sieht den Wert des Unternehmens nicht nur in den positiven Zahlen, sondern vor allem auch darin, „dass es nachhaltig und sozial wirtschaftet, Gewinne generiert und preiswerten Wohnraum schafft, ein Sozialraummanagement vorhält und zu einer guten Stadtentwicklung beiträgt“.

Geschichte wiederholt sich: Angesichts des akuten Wohnungsmangels in Köln und der Wachstumsprognosen für die Rheinmetropole scheinen Bedeutung und Zielsetzung der GAG heute nicht weniger aktuell als vor hundert Jahren.

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