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Sammler: Auf der Suche nach Wetterpilzen

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„Jeder kennt die Dinger, aber keiner nimmt sie wahr“: Klaus-Heinz Herda – hier auf den Poller Wiesen – erforscht die Geschichte der Wetterpilze.  Foto: Meisenberg
Der 45-jährige Klaus-Heinz Herda ist Marathonläufer – und Pilze-Sammler. Er hat die bisher eher stiefmütterlich behandelten Wetterpilze in Köln mit seiner Kamera dokumentiert und stieß in der "Hochburg" Köln auf viel Forschungsarbeit. Von
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Er ist ständig daran vorbeigelaufen. In der Merheimer Heide, im Beethovenpark, am Kalscheurer Weiher und im Nordpark. Die Wetterpilze waren immer schon da. Wie gewaltige Organismen, teils mit Moos und Flechten überwuchert, unumstößlicher Teil der Landschaft. Nur aus Beton. Irgendwann ging Klaus-Heinz Herda der Frage nach: „Wo kommen die Dinger her?

Der 45-Jährige ist Marathonläufer – und Pilze-Sammler. Nach einer seiner Trainingsetappen hat er den Begriff „Wetterpilz“ bei Google eingegeben. Das Netz spuckt bekanntlich immer einige tausend Seiten aus – nur in diesem Fall war es ratlos. Also hat er er seinen Fotoapparat mitgenommen und dokumentiert: den Fliegenpilz aus dem Blücherpark, die verrottete Variante vom Niederländer Ufer, den edlen mit Reisig bedeckten aus dem Forstbotanischen Garten und so weiter. 25 Pilze in Köln hat er gefunden. Mit einiger Überzeugung sagt der Mann aus Sülz: „Ich müsste alle haben.“

Dann hat er Fragen gestellt. Beim Grünflächenamt, beim Stadtkonservator, bei Architekten und der Marketinggesellschaft der Betonindustrie. Aber zur Geschichte der Pilze erntete er nur Achselzucken. Daten zur Errichtung? Kopfschütteln. Fotos von der Einweihung? Fehlanzeige. Irgendwann in den 50er oder frühen 60er Jahren müssen die seltsamen Objekte gebaut worden sein. Vermutlich in einem Programm fürs städtische Grün. Klaus-Heinz Herda ist inzwischen Wetterpilzexperte geworden. Sie seien letztlich eine „Natur imitierende Skulptur“, sagt er, „das sollte schön sein.“ Es handele sich um typische Nachkriegsarchitektur, sagt der IT-Entwickler. Im Beethovenpark und auf dem Herkulesberg stehen sie auf den Trümmern des Krieges.

Köln ist offenbar eine Hochburg der Wetterpilze. Auch in Dortmund gibt es einige, in Ludwigsburg, aber nirgendwo sind sie so aus dem Boden geschossen wie hier. Sie dienen als Treffpunkt für Liebespaare, zur Verschnaufpause für Spaziergänger und als Unterschlupf bei Gewitter (die meisten haben einen Blitzableiter). 17 Pilze sind aus Beton gefertigt, die anderen aus Holz. Die Betonpilze sind massiv, unumstößlich, ewig. Manche sind schlicht grau, einige sind mit Graffiti beschmiert. Schmuddelecken geben aber die wenigsten von ihnen ab, dafür liegen sie zu exponiert.

Der „Herr der Pilze“ hat inzwischen eine Webseite (www.wetterpilze.de) erstellt. „Die Freunde des Wetterpilzes haben sich auf den Weg gemacht, diese unglaublichen Baukunstwerke eingehender zu betrachten“, heißt es da. Jeder Pilz ist mit GPS-Kennung vertreten. Wer will, kann sie bewerten, und You-Tube-Videos und Wanderwege gibt es auch. „Jeder kennt die Dinger, aber keiner nimmt sie wahr“, sagt Herda. Also will er Erfahrungen sammeln.

Ihm gefällt vor allem der Flachdachpilz, der aussieht wie eine Heftzwecke. Und er würde die Pilze nicht gestalten oder streichen. „Ich würde sie der Natur überlassen.“ Und noch einen Wunsch hätte er, weil er festgestellt hat, dass es am Decksteiner Weiher eine Pilzlücke gibt in der Stadt: „Da müsste man einen bauen.“

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