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„Absolute Mehrheit“: Stefan Raab kann auch langweilig

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Die Vize-Generalsekretärin der CSU, Dorothee Bär, Frauenpolitische Sprecherin der Partei Die Linke, Yvonne Ploetz, der Stefan Raab, Linda Teutenberg, Mitglied des Bundesvorstandes der FDP, Kinder- und Familienpolitische Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen, Katja Dörner und der Musiker Olli Schulz Foto: dpa
Stefan Raab möchte sehr gern das anstehende Kanzlerduell mitmoderieren. Um letzte Zweifel an seiner Qualifikation zu zerstreuen, gab er sich in seiner Polit-Talkshow „Absolute Mehrheit“ geradezu einschläfernd seriös. Von
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Köln

Mancher Journalist kann sich noch an eine politische Pressekonferenz erinnern, zu der Stefan Raab mit seinem „TV Total“-Team ausrückte, um die eine oder andere Nonsens-Frage los zu werden. Genervt blickten sich damals die richtigen Journalisten nach dem Störer um - fast so, als randaliere da ein Betrunkener. Jetzt wird Raab aller Voraussicht nach das Kanzlerduell zwischen Angela Merkel und Peer Steinbrück mitmoderieren. So ändern sich die Zeiten.

Zwar hatte SPD-Herausforderer Steinbrück anfangs noch gesagt, Politik sei ein „ernstes Geschäft“ und darum für Raab ungeeignet. Aber nachdem sich die Kanzlerin anderslautend geäußert hatte, sprach Steinbrück den denkwürdigen Satz: „Wenn Angela Merkel (...) auch mit Stefan Raab einverstanden ist, wird es so geschehen.“

Vor diesem Hintergrund war Raab natürlich bestrebt, seine Eignung für das große Duell noch einmal unter Beweis zu stellen. Dafür bot sich die zweite Ausgabe seiner Polit-Talkshow „Absolute Mehrheit“ an. Die Sendung begann am Sonntagabend um 22.50 Uhr und endete am frühen Montagmorgen um 0.40 Uhr. Unter diesen Voraussetzungen besteht von vornherein Einschlafgefahr. Das TV-Publikum zog tatsächlich nicht mit: 800 000 Menschen schalteten ein. Der Marktanteil betrug 5,2 Prozent, beim jüngeren Publikum zwischen 14 und 49 auch nur 9,1 Prozent.

Ungewohnt unlustig

Und Kanzlerduellmoderationsbewerber Raab gab sich ungewöhnlich kontrolliert. Pointentechnisch beschränkte er sich auf einige wenige auswendig gelernte Kalauer, die nicht hinauskamen über: „Wir haben uns überlegt, ob wir heute Abend über das Thema Pferdefleisch diskutieren wollen, aber ich wollte mich nicht vergaloppieren.“

Während Raab für September auf allerhöchste Politprominenz hoffen darf, scheinen bekannte Politiker seine Talkshow bisher noch zu meiden. In der ersten Ausgabe von „Absolute Mehrheit“ war immerhin noch FDP-Querschläger Wolfgang Kubicki mit dabei, diesmal saßen nur unverbrauchte Gesichter auf der braunen Couch: Dorothee Bär, Katja Dörner, Linda Teuteberg, Yvonne Ploetz - das sind Namen, die nicht nur werberelevanten Zielgruppen eher weniger geläufig sein dürften. Wobei das natürlich nichts Schlechtes sein muss, denn eine der meistgehörten Klagen über die etablierten Talkshows ist ja die, dass dort immer dieselben Gesichter zu sehen seien.

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So saß der Wok-WM-Präsentator, Lena-Entdecker und Frauen-Boxkämpfer Raab da nun also mit vier jungen Politikerinnen auf der Couch und stellte Fragen. Hin und wieder konfrontierte er sie mit harten Fakten, die er durch gewissenhaftes Googeln selbst recherchiert hatte, wie er einfließen ließ.

Ziel in jedem Fall erreicht

„Ich glaube, es gibt in jeder Partei Arschlöcher“, bilanzierte der Musiker Olli Schulz, der als Volksvertreter mit auf der Couch saß. Die vier bei Raab vertretenen Politikerinnen gehörten mit Sicherheit nicht dazu, sie tauschten sehr verbindlich ihre auch nur teilweise unterschiedlichen Meinungen zu den Themen Frauenquote, „Tugendrepublik“ und Mietpreisexplosion aus. „Ich hoffe, dass Sie einen Denkanstoß bekommen haben“, sagte Raab gegen Ende der Sendung.

Die Fernsehzuschauer konnten die ganze Zeit über per Telefon oder SMS kundtun, wer sie am meisten überzeugte. Linda Teuteberg aus dem FDP-Bundesvorstand lag dabei von Anfang an vorn und gewann am Ende, wenn auch nicht mit absoluter Mehrheit. Dadurch blieben die 100 000 Euro Preisgeld abermals im Topf - beim nächsten Mal geht es nun um die stattliche Summe von 300 000 Euro. Vielleicht lassen sich langsam doch prominentere Namen für die Sendung gewinnen.

Stefan Raab hat sein Ziel in jedem Fall erreicht. Wer das Ende der Sendung noch im Wachzustand erlebte, dürfte ihm ohne weiteres zutrauen, dass er sich im September geräuschlos in die Moderatoren-Phalanx des Kanzlerduells einreihen wird.

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