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Kölnische Rundschau | Im Bergischen: Ein Festival für Komponist Max Bruch
04. January 2013
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Im Bergischen: Ein Festival für Komponist Max Bruch

Denkmal Max Bruch und Anna Zanders am Trotzenburgplatz in Bergisch Gladbach

Denkmal Max Bruch und Anna Zanders am Trotzenburgplatz in Bergisch Gladbach

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Klaus Daub

Bergisch Gladbach -

Mit 14 gilt er als "Wunderknabe Kölns", der junge Max Bruch. Seine Mutter, die Sopranistin Wilhelmine Almenräder, hat den am 6. Januar 1838 als Sohn des königlichen Polizeirats geborenen Sohn schon früh in die Welt der Musik eingeführt, bald vertont der Junge kleine Lieder oder Psalmen, und nach Aufführung seiner ersten Sinfonie wird er mit Mozart und Mendelssohn-Bartholdy verglichen. Er erhält ein Stipendium der Mozart-Stiftung in Frankfurt, wird Musiklehrer an einem Kölner Gymnasium.

Doch wie so oft gilt auch hier der Prophet im eigenen Lande nichts. Köln wird dem später international hochdekorierten Komponisten zeitlebens weder eine namhafte Stellung noch Ehrung anbieten, was ihn verletzt und auch seinen berühmten Zeitgenossen und Freund Johannes Brahms zu Äußerungen der Verwunderung veranlasst. Stattdessen wird Bruch Musikdirektor in Koblenz, Berlin, Liverpool, Leiter der Kompositionsabteilung der Berliner Akademie der Künste.

Und so ist es auch kein Zufall, dass nicht die Musikmetropole Köln, sondern die benachbarte Kreisstadt Bergisch Gladbach den 175. Geburtstag des Komponisten zum Anlass für ein großes Festival genommen hat (siehe Info), das das Renommee des "vergessenen Klassikers" wiederherstellen könnte. Hier lag Max Bruchs Sehnsuchtsort, seit er - seine "Liebeszitate" sind vielfach dokumentiert - als Jugendlicher erstmals den Igeler Hof der Familie Neissen besucht hatte. In der früh verwitweten Fabrikantengattin Maria Zanders, die das Anwesen später kauft, findet er eine Seelenfreundin und Mäzenin, und so entstehen im Lauf von 50 Jahren zahlreiche Musiken in Gladbach, das er immer wieder aufsucht, bis zu seinem Tod am 2. Oktober 1920 in Berlin.

Allerdings: Auch hier lag Bruch im Dornröschenschlaf, bis sich im letzten Jahr eine hochkarätige Bürgerinitiative daran machte, ein Max-Bruch-Festival auf die Beine zu stellen. Vorneweg: Gladbachs stellvertretende Bürgermeisterin Ingrid Koshofer und Ratsfrau Birgit Bischoff, Nachfahrin Sylvia Zanders, Marketing-Profi Elke Strothmann sowie Ex-WDR-Intendant Fritz Pleitgen als Schirmherr. Von der klammen Stadt gibt es zwar moralischen Rückenwind, aber keinen müden Euro - dafür sorgt eine Reihe hochkarätiger regionaler Sponsoren; auch der WDR ist beteiligt.

Die ganze Vielfalt des Bruch'schen Werks möchte der künstlerische Leiter Friedrich Herweg (der auch Direktor der städtischen Max-Bruch-Musikschule ist) bergen, und so sind neben dem berühmten Violinkonzert (Nr. 1 in g-Moll op. 26) Chor-, Instrumental- und Liedwerke zu hören. Max Bruch gilt als bedeutender Vertreter der Frühromantik. Aber stets stand er im Schatten von Mendelssohn-Bartholdy und Brahms - zu Recht, wie er übrigens selbst fand: "Ich musste meine Familie ernähren und war deshalb gezwungen, leichte und gefällige Werke zu schreiben", schrieb er offenherzig in einem seiner Briefe.

Dennoch, oder vielleicht gerade deshalb, entdecken Musikfreunde heute wieder die satte Klangfarbe von Bruchs Sinfonik, das Volumen seiner Oratorien und die Eleganz seiner Konzertwerke.

Am 7. Januar 1908, einen Tag nach seinem 70. Geburtstag, kehrt Bruch übrigens noch einmal nach Köln zurück und bringt im Gürzenich eigene Werke zur Aufführung. Stürmischer Beifall im voll besetzten Saal. Man soll ihm sogar einen Lorbeerkranz aufgesetzt haben. Bergisch Gladbach hingegen macht Bruch 1918 zum Ehrenbürger.


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