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Kölns Opernchefin: Birgit Meyers Ziel liegt am Offenbachplatz

Da geht's lang: Kölns Opernchefin Birgit Meyer Ende Oktober 2015 bei der Einrichtung des Staatenhauses.

Da geht's lang: Kölns Opernchefin Birgit Meyer Ende Oktober 2015 bei der Einrichtung des Staatenhauses.

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Meisenberg

Es gab vor der Interimsentscheidung Befürchtungen, dass das Staatenhaus zum Rohrkrepierer werden könnte. Wie fällt nach 100 Tagen Ihr Fazit aus?

Durchaus positiv, sowohl was die künstlerische Ausbeute wie den Publikumszuspruch betrifft. Die Zuschauer haben die Spielstätte vom ersten Tag an angenommen. Wir mussten ja im Sommer fast allen Abonnenten kündigen, haben also keinen Grundstock für eine Auslastung und konnten erst Ende Oktober mit dem freien Vorverkauf beginnen.

Ein kurzer Anlauf...

Ja, und wir haben jetzt 60 Prozent aller Karten für die ganze Spielzeit verkauft. Die Auslastung für die bereits stattgefundenen 67 Vorstellungen liegt bei 85,3 Prozent - das ist auch für die Mitarbeiter wichtig, die sich in allen Abteilungen unheimlich angestrengt haben, um den Saisonstart am 15. November zu ermöglichen. Dieser Einsatz hat sich also gelohnt, und der Ort trägt mit seiner Aura noch einmal etwas ganz Neues zur Oper bei.

Trotzdem sind Meldungen oder Gerüchte über eine schlechte Stimmung in der Belegschaft öffentlich geworden.

Es war eine unglaubliche Doppelbelastung, eine brandneue Spielstätte einzurichten und zwei große Produktionen vorzubereiten. Wir arbeiten ja seit fast sechs Jahren in einer permanenten Ausnahmesituation. Bei jeglichen Konflikten muss produktives Aufeinanderzugehen die Devise sein. Diesbezüglich sind wir schon einen großen Schritt vorangekommen.

Woran liegt das?

Wir haben eine Kantine mit großzügigen Öffnungszeiten eingerichtet und Backstageräume vom Tanzbrunnen-Theater angemietet. Es gibt nun Einsingzimmer, Übe-Räume fürs Orchester, weil sich etwa die Bläser bis kurz vor ihrem Auftritt einspielen müssen. Wir veranstalten jetzt den zweiten Jour fixe, und ich habe die Mitarbeiter gebeten, mit ihrer Kritik zuerst zu mir zu kommen.

Für die Oper Köln läuft momentan offenbar nichts leicht. Zuerst das Gezerre ums Interim, dann seit Dezember öffentliche Debatten über Ihre Vertragsverlängerung, die CDU und FDP ja gern auf drei Jahre begrenzen würden. Perlt das alles an Ihnen ab?

Nein, aber es wird auch nicht besser, wenn ich die öffentliche Diskussion weiter anheizen würde, denn die Entscheidungen fallen woanders. Eine gewisse Gelassenheit zu bewahren, hilft immer weiter. Im Übrigen versuche ich, mich an der Sache zu orientieren.

Wie ist denn der Stand: kurz vor dem Durchbruch oder alles auf Anfang?

Ich bin nach wie vor mit der Oberbürgermeisterin in Kontakt, es ist auf einem guten Weg. Trotzdem muss ich darauf hinweisen, dass die Situation für die Oper ab Sommer 2017 prekär ist. Das liegt nicht nur an meiner ungeklärten Situation, sondern auch daran, dass ein neuer Ort fürs Interim gefunden oder noch einmal über das Staatenhaus verhandelt werden muss. Außerdem müssen wir laut Vertrag zwei Jahre vorher alle Termine mit dem Gürzenich-Orchester festlegen, das ja wiederum seine Konzerte plant. Da sollte so früh wie möglich festsehen, wann etwa eine Wagner-Oper mit großer Besetzung ansteht.

Wo würden Sie denn am liebsten nach dem Sommer 2017 arbeiten?

Wenn es nur nach mir ginge, wäre es das Staatenhaus, das man dann noch einmal optimieren könnte. Andererseits laufen Gespräche zu mehreren Varianten. Wenn man wüsste, dass es am Offenbachplatz 2018 losginge, ließe sich ein Jahr durchaus überbrücken. Wenn es aber zwei oder drei Jahre sind, ist ein komplettes Unterwegs-Konzept undenkbar.

Wäre es nicht vernünftig, wenn die Stadt angesichts des unabsehbaren Interims das Palladium erwerben würde?

Das Palladium ist eine Option für die Oper, aber das muss die Stadt entscheiden. Aber wo auch immer es weitergeht: Wir müssen das Interim jetzt wie bisher mit möglichst geringen Abstrichen an der Qualität durchstehen und dann gemeinsam ins neue Haus einziehen.

Dort möchten Sie unbedingt spielen...

Ja. Wenn man einen Betrieb mit 600 Leuten auf ein Ziel einschwört, sollte man schon dabei sein, wenn dieses erreicht wird. Es gab schon Tage, da dachte ich: Das wird alles zu viel. Aber dann ist da wieder die Lust daran, einen spannenden Spielplan zu gestalten und ihn gemeinsam mit den Kollegen, mit François-Xavier Roth und dem Gürzenich-Orchester umzusetzen, wichtige Künstler nach Köln zu holen - mit dem Medium Oper hier heute - an diesem Ort - einen wesentlichen Beitrag für die Stadtgesellschaft zu leisten. Köln hat ein großes Opernhaus verdient.