Aktuelle Nachrichten aus Köln, der Region und der ganzen Welt

Konzert in Köln: „Tame Impala“ verzaubern im Kölner Palladium

Kevin Parker und Jay Watson von Tame Impala.

Kevin Parker und Jay Watson von Tame Impala.

Foto:

Thomas Brill

Köln -

Der Kreis auf der Leinwand rast immer schneller, wird zu einem leuchtend bunten Reif. Synthies wabern, werden am Ende von ein paar mächtigen Gitarrenakkorden vertrieben. Das Intro von Tame Impala ist mehr als ein Vorspiel, von Beginn an führt es den Zuhörer in die hypnotische, überbordende psychedelische Lichter- und Soundwelt von Kevin Parker. Der Mittzwanziger aus Perth/Australien ist ein Ein-Mann-Projekt, der sich nur für Auftritte mit einer Band aus Freunden, die seine musikalische Liebe teilen, umgibt.

Tame Impala werden gerne als verspult beschrieben, weil sie wie Hippies aussehen und ihr Sound deutlich spacig ist. Aber Australier sind Menschen, die auf dem Boden der Tatsachen stehen. Auch wenn Nebel die Bühne verhüllt, weiß Kevin Parker definitiv, wo er heute Abend auftritt. In Köln - der Hochburg des Karnevals. "Seid ihr zu müde, um zu feiern?" Die rhetorische Frage wird mit "nein" beantwortet. Dann fliegt ein Ballon mit eindeutiger Form durch die Luft. "Oh, das muss ein Kondom sein!" Ein wenig Karneval findet dann doch im Palladium statt.

Mit "Let It Happen" vom neuen Album "Currents" legt die Band von der Westküste Australiens los. Konfettiregen ergießt sich über das erstaunte Publikum. Reverenz an den Karneval oder hat man sich den Gimmick bei Coldplay abgeschaut? Das folgende "Mind Mischief" wird in tiefes Blau getaucht. Die Musiker sind nur noch Schemen. "Es fühlt sich an, als würde mein Leben gerade explodieren", singt Parker mit jugendlicher Kopfstimme. Im Saal fliegen Arme in die Höhe. Man fühlt sich wohl in der bunten Welt von Tame Impala.

Voller Erfolg bei den Fans

Ohne Aufwärmübungen kommen die australischen Antilopen (Impala) zum Kern ihrer bunten halluzinatorischen Klangideen. Das Epische einer Referenzband wie Pink Floyd verfliegt unter der Sonne Australiens, aber das Tüftlerische, Überraschende, Spannende bleibt. Um Klischees zu entgehen, spielen sie mit "Elephant" stampfend Bluesrockiges. Voller Erfolg bei den Fans, die sich wie ihre Eltern damals gehenlassen.

Ein "Slowdown"-Stück vom neuen Album lässt die prächtige Stimmung ein wenig abkühlen. Parker spielt bei "Yes I'm Changing" den Crooner. Wenn das die Veränderung für die Zukunft sein soll, wäre es besser, er fände zur Vergangenheit zurück. Auch das folgende "Eventually" vom neuen Longplayer ist monoton, erst der instrumentale Schluss stimmt versöhnlich. Zum Glück finden Tame Impala wieder in die Spur, die in den farbenprächtigsten Himmel führt. Bei "Oscilly" werden Musik und Visuals so miteinander synchronisiert, dass einem ganz duselig, aber angenehm wohlig wird. Falsettgesang schwebt wie aus dem Weltraum kommend über den Köpfen. Die Anlage fällt für kurze Momente aus. "Shit technic" - aber man kriegt es hin, um noch einmal groß aufzutrumpfen. "Die Deutschen sind schuld daran, dass wir Zugaben spielen - das ist gut so!" Mit "Feels Like We Only Go Backwards" und "New Person, Same Old Mistakes" wird das Ohr am Ende noch einmal angenehm verwöhnt.