Aktuelle Nachrichten aus Köln, der Region und der ganzen Welt

Lyriker und Kurator Ales Steger im Gespräch: Kölner Poetica-Festival startet zur zweiten Ausgabe

Ein möglichst breites Publikum will Ales Steger erreichen und zugleich intensiven Austausch der Autoren ermöglichen. (Foto: Geiser)

Ein möglichst breites Publikum will Ales Steger erreichen und zugleich intensiven Austausch der Autoren ermöglichen. (Foto: Geiser)

Köln -

Im letzten Jahr war der slowenische Lyriker Ales Steger noch beredter Gast der ersten Kölner "Poetica", nun steuert er als Kurator die zweite Ausgabe dieses "Festivals für Weltliteratur" (25. bis 30. Januar). Der Lyriker, Essayist und Verleger hat selbst schon Poesiefestivals organisiert und den entsprechenden Überblick über die internationale Literaturszene.

Zudem passt er persönlich bestens ins leicht geänderte "Poetica"-Konzept: "Wir wollten Autoren einladen, die gewissermaßen amphibienhaft in Lyrik und Prosa bewandert sind." Der 42-Jährige selbst legte u.a. die Gedichtsammlung "Buch der Körper" und den Roman "Archiv der toten Seelen" beide bei Schöffling & Co.) vor. Dies gilt auch für Lavinia Greenlaw und Ilma Rakusa, während der in den USA lebende Paul Muldoon ebenso wie der Isländer Sjón auch Songs geschrieben haben.

Das Motto heißt diesmal "Blue Notes: In Sätzen leben, in Versen tanzen." Der Kurator: "Wir spielen mit verschiedenen Bedeutungen der Farbe. Wenn jemand in Slowenien ,blau' ist, ist er weise, hier ist betrunken." Es soll um Melancholie gehen, um Verlustvergegenwärtigung, "und ich würde vorsichtig davon ausgehen, dass dies aktuelle Verknüpfungen zu dem schafft, was gerade in Europa passiert: Das blaue Mittelmeer ist zu einer Gruft geworden, die zuvor so sympathischen Blauhelme sind fraglich geworden und so weiter." Das Festival wendet sich bewusst an die interessierte Öffentlichkeit, ohne zum puren Event zu werden. Schließlich wird es vom "Kolleg Morphomata", einem Exzellenzzentrum an der Kölner Universität, sowie von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung veranstaltet, deren Autoren am Ende hinzukommen.

Erste Ausgabe bereits hochpolitisch

Hochpolitisch war schon die erste Ausgabe, bei der es etwa um die Ukraine-Krise ging. Der damals dort an der Ausreise gehinderte Juri Andruchowytsch kommt diesmal, dafür muss der Südafrikaner Breyten Breytenbach wegen einer aktuellen Krise an der Universität von Stellenbosch absagen und wird durch den Bulgaren Georgi Gospodinov ersetzt.

So ist Steger ein wenig enttäuscht, "dass dieses Festival der Weltliteratur letztlich leider, leider doch wieder einen starken Fokus auf Europa hat." Positiv überrascht war der in Ljubljana lebende Organisator hingegen beim Festivaldebüt 2015 "vom poesiebegeisterten Publikum in Köln".

Wobei ja viele Menschen nach der Schulzeit nie mehr Gedichte zur Hand nehmen... "Bei uns in Slowenien verleiden die Lehrpläne auch vielen Schülern den Genuss. Ein Gedicht ist unmittelbar, es muss einen fast körperlich ansprechen, wohingegen Vers- oder Motivanalysen eher etwas Artifizielles sind."

Ales Steger setzt eher auf kreative Werkstätten wie den "Leselenz" im süddeutschen Hausach, wo Lyriker und Schüler zusammen schreiben, "was einen ersten Enthusiasmus fürs Gedicht wecken kann. Denn vor allem das laut ausgesprochene Gedicht erschafft eine eigene Welt". Woran erkennt er ein gutes Gedicht? "Daran, dass es mich anspricht. Für jemanden anderen mag das ein ganz durchschnittliches Poem sein, und das ist wie in der Oper das Schlimmste überhaupt - dann lieber ganz schlecht!"

Den in diesem Sinn "guten" Werken aber schreibt der Autor fast magische Wirkung zu, "und irgendwann beginnt man, in Gedichten zu denken". Man wird zum Mitspieler. Und während "passive Menschen Informationen nur aufsaugen und Wort für Wort wiedergeben, würde ich mir mehr aktive Menschen um mich herum wünschen".

So hofft er auf viele neugierige Besucher, "die sich nicht nur für die Werke und die originale Sprache eines Autors interessieren, sondern auch für die Art, wie er tickt, spricht und sich bewegt".